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Die Kennedys

Fluch der Macht

Kennedy - ein Name, der wie kein zweiter mit Glamour, Triumph und mit Tragödie verknüpft ist. Keine andere Familie hat Amerikas Bild von der Politik stärker geprägt, keine andere hat so viel politische Macht in ihren Händen vereinigt.

Vor 50 Jahren zog ein junges Paar ins Weiße Haus, das das Präsidentenamt für immer verändern sollte. John F. und Jackie Kennedy bewiesen, dass Politik erfolgreich, dynamisch und sexy aussehen kann. Eine ganze Nation war hingerissen von ihrer First Family, dem smarten John, der stilsicheren Jackie und den quirligen Kindern Caroline und John-John. Bis heute verkörpern sie für viele Amerikaner den amerikanischen Traum.

John F. Kennedy mit der Familie 1963
John F. Kennedy mit der Familie 1963 Quelle: dpa

Aufstieg von ganz unten

Der Anfang dieser traumhaften Erfolgsstory lag in Irland, wo der Kennedy-Clan geboren wurde. Johns Eltern, Joseph und Rose Kennedy, waren die Kinder armer Immigranten. Es war ein harter Weg, bis sie ein anerkannter Teil der Gesellschaft wurden. Durch Börsen- und Alkoholhandel während der Prohibition wurden die Kennedys reich und stiegen zu einer der wohlhabendsten Familien Amerikas auf. Self-made man Joseph hatte ehrgeizige Pläne mit seinen Kindern - und wer seine Erwartungen nicht erfüllte, wurde schnell als "Verlierer" abgestempelt.

Unter den Söhnen sorgte dieser Erziehungsstil für ein verhängnisvolles Konkurrenzdenken. John stand von Beginn an im Schatten seines älteren Bruders Joe, den der Vater zum kommenden Präsidenten der USA auserkoren hatte. Als jedoch John im Zweiten Weltkrieg für die Rettung eines Kameraden als Kriegsheld gefeiert wurde, fühlte sich der ältere Bruder überflügelt. Statt wie geplant in die Heimat zurückzukehren, meldete er sich freiwillig für eine geheime Operation in Frankreich. Der US-Navy Pilot kam bei der Explosion seiner mit TNT vollgestopften Maschine kurz nach dem Start ums Leben.

Vor und hinter der Fassade

Neuer Kandidat für das höchste Amt der USA war nach Joes Tod John - per Bestimmung durch den Vater. John fehlte allerdings für seine Kandidatur noch die geeignete Frau an seiner Seite. 1953 heiratete er die Bankierstochter Jacqueline Bouvier. Vor allem auch dank ihrer Hilfe, ihrem Charme und Stilsicherheit schafft es John ins Präsidentenamt.

John und Jackie Kenndy mit ihren Kindern
John und Jackie Kennedy mit ihren Kindern Quelle: ap

Nach außen präsentieren die Kennedys stets die intakte Familie, doch die Wirklichkeit sah anders aus: John litt seit seiner Jugend unter chronischen Rückenschmerzen. Dass er ohne die regelmäßige Einnahme starke Schmerzmittel den Alltag eines Präsidenten nicht hätte bestreiten können, wurde wohlweislich geheim gehalten. Auch das der Öffentlichkeit zur Schau gestellte Familienglück der Kennedys verschleierten Johns zahlreiche Seitensprünge.

"In Amerika töten sie Kennedys"

Noch bevor John F. Kennedy tiefere Spuren in der US-Politik hinterlassen konnte, wurde er Opfer eines Attentats in Dallas. Es war die Geburt eines Mythos: Der strahlende Held wurde hinterrücks von dunklen Mächten zu Fall gebracht. Bis heute ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um den Mord am Präsidenten. Als sein Bruder Robert "Bobby" Kennedy sich anschickte, seinem Bruder ins Weiße Haus nachzufolgen, wurde auch er von einem Attentäter niedergeschossen.

Jackie verließ daraufhin das Land, in dem sie sich nicht mehr sicher fühlte. "In Amerika töten sie Kennedys", erklärte sie nach dem Tod ihres Schwagers. Ihre Flucht, auf die die amerikanischen Medien verständnislos bis beleidigt reagierten, endete in den Armen des Großreeders und Multimillionärs Aristoteles Onassis. Ihre Ehe mit dem Griechen war jedoch keine glückliche, bald wurde Onassis wieder mit seiner ehemaligen Affäre Maria Callas in der Öffentlichkeit gesehen. Kurz vor seinem Tod 1975 wollte er die Scheidung einreichen. Jackie, nun zweifache Witwe, kehrte nach New York zurück.

Dunkle Geheimnisse

Spätestens nachdem der jüngste der Kennedy Brüder, Edward, 1969 einen schweren Unfall verschuldete, sprach man vom Fluch der Kennedys. Der junge Senator landete mit seinem Wagen im Fluss Chappaquiddick auf der Insel Martha's Vineyard. Edward, genannt Ted, konnte sich aus dem Wagen retten, doch er meldete den Unfall erst Stunden später - nachdem er wieder nüchtern war. Seine junge Begleiterin vom Vorabend wurde tot auf dem Beifahrersitz gefunden.

Mit diesem Skandal verbaute sich der jüngste Kennedy-Spross alle Chancen auf das Amt des Präsidenten. Nur wenige Monate später starb der Patriarch des Clans, Joseph Kennedy. Erst nach seinem Tod kehrte seine älteste Tochter Rosemary in das Leben der Großfamilie zurück. Nach einer Lobotomie - einer Operation am Gehirn - in jungen Jahren war sie in das geistige Stadium eines Kleinkindes zurückgefallen. Um den Ruf der Familie nicht zu gefährden, schickte Joseph die pflegebedürftige Tochter in ein Heim.

"The dream lives on"

Nach Teds Tod, der über 40 Jahre lang die US-Politik im Senat entscheidend mitgeprägt hatte, stellte sich die Frage, wer der nächste Fackelträger des Clans sein würde. In der Enkelgeneration der Kennedys fand sich kein geeigneter Kandidat. Teds und Bobbys Söhne, die dem Weg ihrer Väter gefolgt waren, gelten als politische Leichtgewichte und als ebenso unerfahren wie die Kennedy-Tochter Caroline. Sie hatte kurzzeitig mit dem Senatorenplatz Hillary Clintons geliebäugelt, zog ihre Kandidatur aber alsbald zurück.

Barack Obama und Ted Kennedy im Wahlkampf 2008
Barack Obama und Ted Kennedy im Wahlkampf 2008 Quelle: ap

Im Präsidentschaftswahlkampf 2008 kürte Ted Senator Barack Obama zum politischen Erben der Kennedy-Dynastie. Im ersten schwarzen Präsidenten der USA lebt der Kennedy-Mythos weiter. Die Obamas eroberten nicht nur das Weiße Haus, sondern auch die Herzen der Amerikaner im Sturm. Jung, smart und dynamisch wirkt der neue Hoffnungsträger der USA. Vor seiner Wahl hatten die Menschen Angst, ihm könnte das gleiche Schicksal wie John F. Kennedy wiederfahren - ein erneutes Attentat. Nach zwei Jahren im Amt ist es weniger der Mythos mit dem Obama zu kämpfen hat, sondern die hohen Erwartungen an ihn und sein Amt.

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