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Die Osmanen

Geschichte eines Imperiums

Intensiv widmet sich Rageh Omaar der Frage, weshalb das Osmanische Reich aus den gängigen Überlieferungen der europäischen Historie weitgehend entfernt wurde. Zudem legt er die engen Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und drängenden weltpolitischen Problemen der Gegenwart offen: Palästina, Israel, Irak, Libyen, Syrien, Ägypten, Bosnien und Kosovo – die Entstehung manch eines diplomatischen Konfliktherdes ließe sich ohne fundierte Kenntnisse der osmanischen Geschichte kaum verstehen.

Unter Osman I., dem Begründer Osmanen-Dynastie, dessen Sultane bis ins 20. Jahrhundert die heutige Türkei regierten, expandierte das Reich. Von Kleinasien aus beherrschten die Osmanen den Balkan, Teile Arabiens und Nordafrikas. Unter dem Einbruch der Mongolen im Jahre 1402 stoppte die Expansion nur kurzzeitig. Es folgte die Blütezeit unter  Süleyman dem Prächtigen, dessen Regentschaft in der heutigen Türkei stark verklärt wird. Im 16. Jahrhundert erlangte die Ausdehnung des Reiches seinen Höhepunkt,  jedoch trugen technischer Rückschritt, Stagnation des Handels, Korruption, Landflucht und Aufstände zur  Schwächung des Osmanischen Reiches bei.

Aufstieg und Niedergang

Nach der zweiten Belagerung Wiens kämpfte das osmanische Heer an mehreren Fronten gleichzeitig gegen Österreich. Schließlich besiegelte der russisch-türkische Krieg 1768-1774 den Niedergang des Großreiches. Die herrschenden Jungtürken sahen im Ersten Weltkrieg die Chance Teile des Staates zurückzuerobern, allerdings ging nach dem Krieg neben dem deutschen auch das Osmanische Reich zu Ende. Es entstanden die Weimarer Republik und die Republik Türkei.

Im zweiten Teil der Dokumentation setzt Rageh Omaar seine faszinierende Reise entlang der vom Osmanischen Reich hinterlassenen Spuren fort. Dieses Mal erforscht er die Regierungszeiten zweier Sultane, deren Herrschaftsphasen sich kaum unterschiedlicher hätten gestalten können. So wird die Regentschaft Süleymans des Prächtigen, der die Entwicklungen des Halbmond-Imperiums im 16. Jahrhundert während einer goldenen Ära lenkte, jener Abdülhamids II. gegenübergestellt.

Unterdessen Verantwortung sank das Reich in der Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit zum „kranken Mann am Bosporus“ herab. Die Schilderung des Erblühens und Verwelkens eines im Herzen des europäischen Kontinents fest verankerten muslimischen Staatswesens bleibt dabei aber keineswegs auf eine reine Geschichtsstunde beschränkt. Omaar schlägt stattdessen geschickt eine Brücke in die Gegenwart und enthüllt, inwiefern das ottomanische Erbe die aktuelle Rolle des Islams innerhalb Europas noch immer stark beeinflusst.

Auswirkungen bis in die Gegenwart

Die Niederlage des Ersten Weltkrieges führte zu Besatzungen eines Großteils der osmanischen Gebiete durch die Siegermächte. Mit der Revolution der Jungtürken 1908 verlor das osmanische Herrschergeschlecht ihre Macht im Staat. 1922 wurde zuerst das Sultanat, zwei Jahre darauf, das Kalifat abgeschafft. Nach dem nationalen Unabhängigkeitskrieg unter der Führung von Atatürk wurde 1923 die Republik Türkei  gegründet.

In der letzten Episode wird erklärt, wie der erfolgte Kollaps nach dem Ersten Weltkrieg, der einstigen muslimischen Großmacht Probleme aufwarf, die bis zum heutigen Tage Auswirkungen in Europa und dem Nahen Osten haben. Einige der blutigsten Konflikte und Kämpfe der Gegenwart resultieren  aus der Gewalttätigkeit und Brutalität, die mit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches einhergingen.

Das Zentrum des früheren muslimischen Imperiums durchlief eine dramatische soziale Umwälzung, maßgeblich angestoßen von dem Militärkommandeur Mustafa Kemal Atatürk. Doch warum drängt der Osmanismus verstärkt zurück auf die heutige politische Agenda? Weshalb erhoffen sich viele westliche Politiker von der Türkei eine Vorbildfunktion im Sinne einer islamischen Demokratie moderner Prägung? Auf diese und etliche weitere Fragen liefert die Dokumentation fachkundige und aufschlussreiche Antworten.

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