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Die Todesfalle

Schlachtfeld Oderbruch

Als "Wellenbrecher" gegen die Flut der heranströmenden Roten Armee sah Hitler im April 1945 die Seelower Höhen. So wurde das Oderbruch, nur 50 Kilometer östlich von Berlin gelegen, zum größten Schlachtfeld auf deutschem Boden.

Die rivalisierenden Sowjet-Marschälle Schukow und Konjew sollten für Stalin die "Trophäe" Berlin erobern. Der Krieg auf dem Weg in Hitlers Hauptstadt geriet zu einem Wettlauf. Gleichzeitig hatten die beiden Marschälle ihre Offensiven an Oder und Neiße gestartet.

"Fünf Minuten vor Zwölf"

Eine riesige Umfassung verwandelte ganz Brandenburg und besonders das Umland Berlins in eine riesige Todesfalle - nicht zuletzt, weil die Wehrmacht laut Befehl keinen Meter Boden preiszugeben hatte und entschlossen war, bis zum Schluss zu kämpfen.

In den letzten drei Wochen des Krieges - "fünf Minuten vor zwölf" - starben auf beiden Seiten weit über 100.000 Soldaten. Hitlers Manie vom "Alles oder Nichts", vom "Sieg oder Untergang" sollte bis zum bitteren Ende Opfer fordern.


Kessel von Halbe

Keine andere deutsche Landschaft wurde vom Krieg so umgepflügt und so von Blut getränkt - bei Seelow fielen etwa 12.000 deutsche Soldaten, die Rote Armee hatte 33.000 Mann zu beklagen. Nach dem Durchbruch der Sowjets wich die geschlagene deutsche 9. Armee von der Oder zurück und wurde am 23. April in den Wäldern um Halbe eingekesselt.

Was folgte, war eine Vernichtung unvorstellbaren Ausmaßes: 60.000 Deutsche fanden den Tod, 120.000 Mann gingen allein hier in Gefangenschaft. Die Gesamtbilanz der Kesselschlacht erschüttert noch heute: In den ausgedehnten Wäldern bei Halbe, südlich von Berlin, befindet sich der größte Soldatenfriedhof auf deutschem Boden - allein hier ruhen 25.000 zumeist unbekannte deutsche Soldaten.

Die Armee Wenck

Noch immer werden bei Erdbewegungen um Seelow Kriegstote geborgen. Unzählige Namenlose liegen weiterhin unentdeckt in den Wäldern Brandenburgs - Opfer, die in der letzten großen Todesfalle des Zweiten Weltkriegs ein schreckliches Ende fanden, gemeinsam mit Tausenden Sowjetsoldaten, die kurz vor Kriegsende auf fremdem Boden ihr Leben lassen mussten.

Nur etwa 20.000 Mann konnten ausbrechen und sich bis zur Armee Wenck retten. Diese oft beschworene Armee sollte eigentlich den Belagerungsring um die Hauptstadt aufsprengen - so wollte es Hitler.


General Wenck ignoriert Hitler-Befehl

Befehlsgemäß traten die Divisionen der Armee Wenck, zumeist aus 16- oder 17-jährigen "Soldaten" zusammengewürfelt, in der letzten Aprilwoche zum letzten deutschen Großangriff des Zweiten Weltkriegs an. Bis in den Raum Potsdam stieß die Armee vor, dann entschied General Wenck, die Jugendlichen nicht in der Schlacht um Berlin zu opfern.

Bei Beelitz warteten seine Truppen auf den Durchbruch der Überlebenden der Kesselschlacht von Halbe. Gemeinsam mit den Resten der 9. Armee setzte sich die Armee Wenck in Richtung Elbe ab. Hitlers letzte Befehle aus dem Bunker wurden von Wenck ignoriert, lieber handelte er mit den Amerikanern eine Übergabe aus. 118.000 zumeist sehr junge Soldaten entgingen so in letzter Minute dem Marsch in Stalins Gulag.

Der Film

Filmmaterialien aus russischen Archiven zeugen von den zerstörerischen Ausmaßen der Schlacht um Berlin, bislang unbekanntes deutsches Farbmaterial von der Oderfront dokumentiert, wie die NS-Propaganda zu verschleiern suchte, auf welch verlorenem Posten sich die Verteidiger der Hauptstadt tatsächlich befanden.


Für die Wochenschauen vorgesehen, sollten die Bilder den Eindruck vermitteln, als könne der Ansturm der Roten Armee noch einmal aufgehalten werden. Davon zeugen auch Interviews mit deutschen Offizieren an der Oderfront - ihre Durchhalteparolen ereichten nie ihr Publikum, da die Kriegsrealität die Propaganda-Welt zum Einsturz brachte.


Zeitzeugen berichten

Filme der US-Armee zeigen eindrucksvoll, wie sich eine geschlagene deutsche Armee in panischer Angst zu den US-Linien flüchtete und über die Elbe strömte - in amerikanische statt in sowjetische Gefangenschaft.


Von den Schrecken jener letzten Kriegstage zwischen Oder und Elbe berichten überdies Zeitzeugen, die an den Seelower Höhen kämpften, Zivilisten, die sahen, wie ganz Brandenburg zum Schlachtfeld wurde und ehemalige Soldaten der Armee Wenck - unter ihnen auch Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der als 17-Jähriger bei Tangermünde am 7. Mai 1945 den Sowjets entkam und in US-Gefangenschaft ging.

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