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"Dokumentationen rund um die Uhr"

Interview mit ZDFinfo-Chef Robert Bachem

Am 5. September 2011 ging ZDFinfo als Nachfolger des ZDF-Infokanals an den Start. Am Montag, 5. September 2016, feiert der relaunchte Digitalsender nun seinen fünften Geburtstag. Robert Bachem, seit Juli 2011 Leiter von ZDFinfo, im Interview über den Werdegang des Dokukanals, das Planen und die Highlights der letzten fünf Jahre bei ZDFinfo.

Am 5. September 2011 ging ZDFinfo neu an den Start – jetzt steht das Fünfjährige an. Welche Entwicklung hat die vergangenen fünf Senderjahre am deutlichsten geprägt?

Robert Bachem: Am Anfang waren wir uns nicht so sicher, ob wir wirklich ein Sender nur für Dokumentationen werden sollten. Im Laufe der Jahre hat sich aber herausgestellt, dass es genau das ist, was die Zuschauer von uns erwarten: Dokumentationen rund um die Uhr.

Ist die Erkenntnis demnach: Magazine, wie etwa zuletzt noch der „Elektrische Reporter“ gehen in Dokumentationen auf, die die Magazinthemen breitflächiger anbieten?

Porträt Robert Bachem
Robert Bachem Quelle: ZDF / C. Sauerbrei

Bachem: Auf dem Fernsehmarkt muss man heute eindeutig sein. Die Menschen, die uns einschalten, suchen Informationen, Wissen, Geschichte. Und in den vergangenen fünf Jahren hat sich herausgestellt, dass Dokumentationen genau das bieten, was das Publikum von uns erwartet – und das möglichst über lange thematische Strecken.

Mit Blick auf Wissen und Geschichte: Sind die „Geschichte der RAF“ oder " Geheimnisse der Weimarer Republik" gleichermaßen Programm-Pfunde von ZDFinfo wie andererseits etwa die „Killerspiele“-Reihe? Wie würden Sie das Programm-Portfolio beschreiben?

Bachem: Zum Programm-Portfolio gehört alles, was mit Wissen zu tun hat – mit der Welt, in der wir momentan leben. Menschen sehnen sich nach Geschichte und geschichtlicher Einordnung und erwarten diese von uns – dazu gehört ebenso die Geschichte von Youtube, auch wenn diese erst zehn Jahre währt. Hinzu kommt Wissensvermittlung jeder Art, gerade auch Wissen über Politik und Wirtschaft. Das zeigten zuletzt beispielsweise unsere Dokumentation über die Krise bei VW oder unsere vielen Dokus über Rechtsradikalismus in Deutschland und Europa. Solche Dokumentationen werden ebenso nachgefragt wie Geschichte und Wissensdokumentationen.

Sie nannten als eine Erkenntnis aus den vergangenen fünf ZDFinfo-Jahren: Die Zuschauer suchen Wissen in 45-Minuten-Dokumentationen. Doch suchen sie diese nicht auf einem festen Sendeplatz. Planen Sie Ihr Programm deshalb vornehmlich in Doku-Strecken?

Bachem: Wir denken in Themen. Die Zuschauer, die ZDFinfo einschalten, wollen offensichtlich etwas lernen. Wir müssen dieses Senderversprechen, dass sie dies bei uns können, rund um die Uhr erfüllen. Wir bieten deshalb den Zuschauern über lange Strecken, was er von uns haben will: Wissen über Geschichte, Politik und Wissenschaft.

Was würden Sie denn als erstes nennen, wenn Sie Programmhighlights der vergangenen fünf Jahren nennen müssten – achtteilige Reihen wie " Die Wahrheit über den Holocaust" oder "Geheimes Kuba"?

Bachem: Genau solche langen Reihen, aber auch „Die Youtube-Story“, „Die Google-Story“ oder "Twitter - Revolution in 140 Zeichen“. Und vor allem kommende Highlights würde ich nennen – wie etwa die sechsteilige Reihe zu den „Geheimnissen der digitalen Revolution“ oder die fünfteilige Reihe zu Franco. Das sind Programmangebote, die das ausmachen, wofür wir stehen: Dokumentationen zu facettenreichen Themen in Reihe gebracht, auf dass ihnen ins Detail folgen kann, wer sich wirklich dafür interessiert.

Wie hat man sich die Themenplanung bei ZDFinfo vorzustellen: Konzentriert diese sich stark auf Jahrestage oder macht sie sich gerade davon eher unabhängig?

Bachem: Jahrestage spielen eine Rolle, aber sicher nicht eine so dominante wie bei Sendern, die auch noch Live-Übertragungen zu diesen Erinnerungstagen planen. Bei der Planung von Dokumentationen besteht die Kunst darin, zu erfassen, was denn das Thema im nächsten Jahr sein wird. Denn durch den Produktionsvorlauf von einem halben Jahr muss man sicher sein, dass das die Dokumentation ein Thema aufgreift, dass nicht nur tagesaktuelle Relevanz hat.

Welche Programmhighlights stellt ZDFinfo rund ums fünfjährige Sendejubiläum ins Schaufenster?

Bachem: Zum Beispiel die schon erwähnte sechsteilige Reihe zu den "Geheimnissen der digitalen Revolution". Aber auch neue Folgen von "Geschichte treffen“ mit Wolf-Christian Ulrich, von "Überführt" mit Joe Bausch oder von "Skandal! – Große Affären in Deutschland". Zudem ist dann erstmals die dritte Folge der viel beachteten "Killerspiele"-Reihe in ZDFinfo zu sehen. Insgesamt sind wir sehr stolz darauf, dass wir pro Monat 50 neue Dokumentationen zu den unterschiedlichsten Themen im Angebot haben und der Zuschauer sich aussuchen kann, was seine Programmhighlights sind.

Diese findet er dann möglicherweise eingebettet in einen langen Doku-Abend zum Thema. Wollen sich die Menschen tatsächlich über mehrere Stunden in eine Richtung schlau machen?

Bachem: Offensichtlich ja. Wenn die Zuschauer sich für uns entscheiden, möchten sie nicht nur eine Doku zum Thema sehen, sondern dranbleiben und noch weitere sehen. Unsere Medienforschung weist aus, dass wir ein Sender sind, der sehr lange von sehr jungen Menschen gesehen wird. Und wir sind sehr froh, dass wir die Themen anbieten können, die zum langen Verweilen bei ZDFinfo animieren können.

Das verweist schon auf den Wachstumskurs, den ZDFinfo in den vergangenen fünf Jahren absolviert hat. Wie erklären Sie es sich, dass ZDFinfo kontinuierlich den Marktanteil steigern konnte?

Bachem: Wir sind auch inhaltlich interessanter geworden – der Programmstock von ZDFinfo umfasst mittlerweile über 3000 Dokumentationen. Wir senden sehr viele Produktionen vom internationalen Markt, die man in Deutschland nur bei uns findet. Aber wir senden auch immer mehr, was wir selbst herstellen. Das ermöglicht es uns, mit intelligenten Ankäufen, Lizenzen und unseren Auftragsproduktionen, den Zuschauern ein rundes Bild von einem Thema anbieten zu können. Und das führt dazu, dass mehr von ihnen einschalten.

Wo sehen Sie ZDFinfo in den nächsten fünf Jahren?

Bachem: Ich hoffe, dass wir unseren Weg weitergehen können: noch mehr selbst zu produzieren und noch mehr Profil zu gewinnen, um in diesem umkämpften Dokumentationsmarkt zu bestehen. International bilden Dokumentationen einen großer Pfeiler des Fernsehens – wir wollen uns in Deutschland verstärkt mit eigenen Produktionen und Produktionsreihen profilieren.

In einem Satz: Warum sollte der Zuschauer ZDFinfo einschalten?

Bachem: Wenn er sich über interessante Themen informieren möchte, kann er bei ZDFinfo zu jeder Zeit fündig werden.

Mit Robert Bachem sprach Thomas Hagedorn.

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