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Als Feuer vom Himmel fiel

Der Bombenkrieg

"Fliegeralarm! In den nächsten Luftschutzbunker!" Bei den flächendeckenden Bombardements im Zweiten Weltkrieg wurden von beiden Seiten nicht nur militärisch wichtige Ziele angegriffen, die Zivilbevölkerung bekam den Krieg in Form von Brandsätzen vor die eigenen Füße geschmissen. Die Dokumentation wirft die Frage auf, ob es sich hierbei um Kriegsverbrechen oder legitime Taktik handelte.

Am 14. November 1940 flogen deutsche Bomber einen verheerenden Angriff auf die englische Industriestadt Coventry. Fast sechshundert Menschen starben. Es war ein Höhepunkt der Bemühungen des Dritten Reichs, Großbritannien als letztes demokratisches Bollwerk gegen die Nazis in Europa in die Knie zu zwingen. Adolf Hitler ließ Coventry "coventrieren", Winston Churchill im Gegenzug Hamburg "hamburgisieren". Die Alliierten begannen 1942 einen planvoll organisierten Luftkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung.

Feuerstürme über Deutschlands Städten

Ende Juli 1943 legten britische und amerikanische Bomber in Hamburg den Hafen und die meisten Wohngebiete in Schutt und Asche. Der Feuersturm fraß ganze Stadtviertel. Eine Augenzeugin sah "ein furchtbares Glutmeer wallen", angefacht von Höllenkräften: "Von dem Sturm, der durch das Feuer erzeugt wird, kann sich keiner eine Vorstellung machen, der es nicht erlebt hat." Brand- und Sprengbomben fielen auf nicht weniger als 161 deutsche Städte, nahezu jede mit über 50.000 Einwohnern, dazu auf 850 kleinere Orte. Die Flächenbombardierung der Alliierten forderte mehr als 600.000 Tote, darunter fast 80 000 Kinder.

Um die Geschichte des Bombenkriegs von 1942 bis 1945, der das Gesicht aller deutschen Großstädte für immer prägte, hat die Öffentlichkeit mehr als ein halbes Jahrhundert lang scheu einen Bogen gemacht: Erst forderte die Dynamik des Wiederaufbaus die Verdrängung all dessen, was unter den Trümmern begraben wurde, dann wies das Bewusstsein eigener Schuld die Beschäftigung mit dem eigenen Schmerz zurück. Erst seit ein paar Jahren kehrt die Erinnerung an die Feuerstürme, die deutsche Stadtzentren verschlangen, ins öffentliche Bewusstsein zurück.

Luftkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung

Autor Michael Kloft zeichnet in seiner Dokumentation nach, wie der Bombenkrieg mit den Angriffen der Deutschen auf Warschau, Rotterdam oder Coventry begann und schließlich vernichtend auf Deutschland zurückschlug - von den Testläufen in Lübeck und Köln bis zu der "Operation Gomorrha" in Hamburg und dem Inferno von Dresden.

Zeitzeugen berichten über ihre schrecklichen Erlebnisse in Bunkern und Luftschutzkellern. Ehemalige US-Soldaten erzählen von der gefährlichen Aufgabe der Bomberbesatzungen. Experten wie Jörg Friedrich, Richard Overy und A.C. Grayling stellen sich mit großer Offenheit den grundsätzlichen Fragen, unter welchen Umständen es statthaft sein könnte, Frauen, Greise und Kinder in Flammen aufgehen zu lassen - und ob so genannte Kollateralschäden als Kriegsverbrechen gelten müssen.

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