Sie sind hier:

Himmlers Wahn

Die "Züchtung" des neuen Menschen

ZDFinfo - Himmlers Wahn

Heinrich Himmler: Reichsführer-SS, Polizeichef, Reichsinnenminister, Heerführer. Hitlers mächtigster Paladin gibt bis heute große Rätsel auf. Warum ließ Himmler heimlich nach Hexen forschen?

Datum:
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Sein Name wurde zum Inbegriff des Bösen. Als "Reichsführer SS" war Heinrich Himmler verantwortlich für das Jahrhundertverbrechen. Hitlers mächtigster Helfer kümmerte sich persönlich um die Schattenwelt der Todesschwadronen und Vernichtungslager - pedantisch, fanatisch und skrupellos.

Anders als Hitler, der Morde an Juden nie mit eigenen Augen gesehen hat, erschien Himmler immer wieder selbst am Tatort. Das Schicksal der Opfer berührte ihn dabei nicht.

Nur die "Arbeitsbedingungen" seiner Totenkopfmänner interessierten den Reichsführer, wenn er etwa in Auschwitz den industriellen Massenmord mit Gas besichtigte. Anschließend erließ er Befehle, wie durch Liederabende und "mäßiges Trinken" der Stress der Mörder abzubauen sei. Persönlich wirkte dieser fürchterliche Vollstrecker eher unscheinbar. Augenzeugen hatten den Eindruck, einem Volksschullehrer oder Finanzbeamten gegenüberzustehen.

Nach der Kapitulation ermöglichte ihm sein unauffälliges Äußeres sogar, für einige Tage unerkannt in einem deutschen Gefangenenlager unterzutauchen - alle anderen prominenten Paladine des Diktators wären sofort enttarnt worden.

Den "Herrenmenschen" züchten

Doch Himmler nur als besonders effektiven und grausamen Vollstrecker mit Beamtenmentalität zu erklären, hieße ihn zu unterschätzen. Seine Reden und Schriften entlarven ihn als glühenden Vordenker der Irrlehre vom Herrenmenschen. Das krude Gemisch aus hasserfülltem Antisemitismus und "völkischer" Blut- und Bodenmystik lieferte die Grundlage für Himmlers Wahn, die "Züchtung" des neuen Menschen in der Weise betreiben zu können, wie er als diplomierter Landwirt Hühner gehalten hatte.

Seine SS verstand er dabei als Keimzelle der künftigen Heldenrasse. Ihre Vermehrung förderte er mit allen Mitteln: Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gab er den Soldaten der Waffen-SS Weisung, vor dem drohenden Heldentod für "nordischen" Nachwuchs zu sorgen - ausdrücklich auch mit Frauen der besetzten Gebiete, falls diese den "rassischen" Kriterien der SS entsprachen. Die grausame Kehrseite dieses primitiv-darwinistischen Programms waren Hunderttausende von teils brutalen Zwangssterilisierungen, welche an Menschen vorgenommen wurden, die diesen Kriterien nicht entsprachen.

SS-Kult als Pseudoreligion

Für die Zeit nach dem "Endsieg" plante Himmler die Eliminierung aller christlichen Wurzeln und den Ausbau einer neuen, "völkischen" Pseudoreligion. Auf der Wewelsburg bei Paderborn sollte das sakrale Zentrum des SS-Kultes entstehen. Die Ergebnisse der ersten Bauphase sind noch heute sichtbar: ein Festsaal für die Gruppenführer und eine monumentale Gruft für Totenfeiern belegen, wie düster der schwarze Orden des einstigen Kirchgängers Heinrich Himmler seine Feste gefeiert hätte.

Die SS war auf Befehl ihres "Reichsführers" schon im Krieg dazu übergegangen, Hochzeiten und Taufen nach eigenem Ritus zu feiern. Doch die Neigungen Himmlers für Okkultes und schwarze Magie blieben seltsam ungefestigt. Er ließ SS-Trupps allen Ernstes nach dem "Heiligen Gral" und nach Spuren des "Urariers" in Tibet suchen; er beschäftigte Wahrsager und forcierte in den Konzentrationslagern grausige Menschenversuche, um seine verbrecherischen Theorien zu untermauern.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet