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Hiroshima

Ein Tag, der die Welt veränderte

Am 6. August 1945 detonierte über der Innenstadt von Hiroshima ein Sprengsatz, der jegliche Vorstellungskraft der Zeitgenossen übertraf. Bis zu 200.000 Menschen starben durch die amerikanische Atombombe, die Hälfte davon durch Spätfolgen der radioaktiven Strahlung. Die Dokumentation erinnert an den bis heute umstrittenen ersten Einsatz von Atomwaffen.

Am Anfang war ein Brief. Albert Einstein, damals bereits in die USA emigriert, schrieb im August 1939 einen Brief an Präsident Roosevelt. Darin warnte er ihn vor "extrem starken Bomben eines neuen Typs", die in Nazi-Deutschland produziert würden. Einstein wusste, dass Hitler den Export von Uran-Erz verboten hatte und glaubte deshalb, das deutsche Bombenprogramm habe bereits begonnen. Ausgerechnet der friedfertige Albert Einstein öffnete so den Weg ins nukleare Zeitalter. Später sagte Einstein, der Brief sei der größte Fehler seines Lebens gewesen.

Manhattan-Projekt

Robert Oppenheimer
Der "Vater" der Atombombe, Robert Oppenheimer

Fernab jeder menschlichen Siedlung entstand 1942 in Los Alamos County (New Mexico) die geheimste Anlage der USA. Auch Techniker und Wissenschaftler aus Großbritannien arbeiteten hier unter dem wissenschaftlichen Leiter Robert Oppenheimer an der Entwicklung einer Atombombe. Verantwortlich für dieses so genannte Manhattan-Projekt war das US-Militär, vertreten durch General Grove.

Nach dem Angriff japanischer Flugzeuge auf die US-Marinebasis Pearl Harbor auf Hawaii am 7. Dezember 1941, erklärte Japans Bündnispartner Deutschland Amerika den Krieg. Die USA kämpften von nun an auf zwei Kriegsschauplätzen - und für die neue Waffe, die im Manhattan-Projekt entstehen sollte, gab es nun Ziele in Deutschland und in Japan.

Papiertiger

Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 Quelle: dpa

In den Monaten nach Pearl Harbor brachten japanische Truppen den gesamten östlichen Pazifik unter ihre Kontrolle. In einer zähen Gegenoffensive eroberten die Amerikaner Insel für Insel zurück. Die hohen Verlustzahlen sorgten für eine wachsende Distanz zu den Menschen auf der anderen Seite der Front.

In Europa war der Krieg im Frühjahr 1945 entschieden: Zu früh für den Einsatz einer von den Wissenschaftlern in Los Alamos entwickelten Atombombe. Nach Kriegsende fahndeten die Amerikaner in Deutschland nach Beweisen für das deutsche Atomprogramm. Das bestand allerdings fast ausschließlich aus theoretischen Vorüberlegungen und damit vor allem aus viel Papierkram. Einen Wettlauf um die Atombombe zwischen Deutschland und den USA hat es in Wahrheit nie gegeben.

Geheime Tests

Anfang Juli 1945 wurde in der Wüste von New Mexico der erste Test einer Atombombe mit Codenamen Trinity, Dreifaltigkeit, durchgeführt. Die wenigen Farmen der Gegend wurden nicht evakuiert, denn der Test sollte geheim bleiben. Die Army bereitete eine Meldung vor, nach der ein Munitionslager explodiert sei. Der Test war erfolgreich: Trinitys Sprengkraft entsprach 20.000 Tonnen TNT.

Seit der Eroberung der Inseln Tinian und Guam im November 1944 konnten US-Bomber das japanische Mutterland angreifen. Stadt für Stadt wurde in Schutt und Asche gelegt, doch wie schon gegen Deutschland wurde das eigentliche Ziel der Angriffe, den Gegner zur Kapitulation zu bomben, nicht erreicht. Noch auf der Potsdamer Konferenz hatte Harry Truman Japan zur bedingungslosen Kapitulation aufgerufen - andernfalls drohe die völlige Zerstörung des Landes. Nach japanischer Lesart bedeutete eine bedingungslose Kapitulation die Absetzung ihres Kaisers - für Tokio war dies vollkommen inakzeptabel.

"Little Boy"

In den frühen Morgenstunden des 6. August 1945 hob die B-29 "Enola Gay" von der japanischen Insel Tinian in Richtung Hiroshima ab. An Bord war die erste einsatzfähige Uran-Bombe aus dem Manhattan-Project. Ihre Erbauer in Los Alamos hatten ihr den Codenamen "Little Boy" gegeben. Am Morgen traf der nukleare Höllenapparat seine Opfer ohne Vorwarnung.

Mehrere Zehntausend Menschen verglühten im Bruchteil einer Sekunde. Für die, die überlebten, begann ein oft jahrelanger Leidensweg. "Little Boy" wurde vom US-Militär in Nachhinein als ineffizient eingestuft. Die Kernspaltung erfasste weniger als zwei Prozent des verwendeten Urans. Die Wirkung war dennoch apokalyptisch: 70 Prozent der Stadtfläche von Hiroshima wurden zerstört.

Nagasaki

Nagasaki nach dem Atombombenabwurf
Nagasaki nach dem Atombombenabwurf

Nach Hiroshima stellte Präsidente Truman der japanischen Regierung ein weiteres Ultimatum, doch aus Tokio kam keine Reaktion. Am 9. August 1945 wurde die zweite Atombombe, "Fat Man", über Nagasaki abgeworfen.

"Fat Man" war fast doppelt so stark wie die Bombe von Hiroshima. Der Bombenschütze verfehlte sein Ziel um mehr als drei Kilometer: "Fat Man" verwüstete ein Seitental, dennoch starben mehr als 50.000 Menschen.

Nicht kriegsentscheidend

Nach der zweiten Bombe sprach Kaiser Hirohito endlich ein Machtwort und bot Japans Kapitulation an. Zwei Wochen später wurde die Urkunde unterzeichnet. Hirohito blieb Kaiser, durfte sich allerdings nicht mehr als Gott verehren lassen. Schon damals wurden Zweifel laut, ob der Einsatz der Atombomben wirklich notwendig war, um die Kapitulation herbeizuführen. Denn es gab einen zweiten, vermutlich noch wichtigeren Grund für die Kapitulation der Japaner: Die sowjetische Kriegserklärung vom 8. August, einen Tag vor Nagasaki.

Hiroshima und Nagasaki wurden mit internationaler Hilfe wieder aufgebaut und besiedelt. Freiwillige aus der ganzen Welt halfen mit - als Mahnung für den Frieden und gegen den Atomkrieg. Jedes Jahr am 6. August, dem Tag der Zerstörung Hiroshimas, wird der Atombombenopfer gedacht. Wie viele es genau waren, weiß bis heute niemand.

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