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Maos langer Marsch

Mythos und Wirklichkeit

Ende 1934 setzt die Rote Armee alles auf eine Karte: Sie beschließt, aus der Einkreisung der Nationalarmee auszubrechen und zu fliehen. Der Lange Marsch ist Mythos und zugleich Geburtsstunde von Revolutionsführer Mao Zedong. Tatsächlich war der Lange Marsch eher eine große Flucht mit bitteren Verlusten.

Maos Gegenspieler auf Seiten der nationalen Armee ist Chiang Kai-Shek. Er bekämpft die Kommunisten schon seit Ende der 1920er Jahre, denn er weiß, dass die Kommunisten auf dem Land viel Unterstützung von den Bauern erhalten, die schon lange unter den chinesischen Gutsherren und der Regierung leiden und den Versprechungen der Kommunisten gerne glauben. Für Chiang Kai-Shek ist klar, dass er seine Partei, die "Kuomintang", langfristig nur an der Macht halten kann, wenn es ihm gelingt den Kommunismus unschädlich zu machen.

Von Berlin nach Südafrika

Der lange Marsch ist ein Rückzug in großem Stil. Rund 80.000 von der Nationalarmee eingekreiste Rotarmisten verlassen so schnell sie können die Verteidigungsstellungen und fliehen in Richtung Norden und Westen. Die Strecke, die vor ihnen liegt, entspricht der Strecke von Berlin nach Südafrika:12.500 Kilometer.

Obwohl sich die Truppenkolonnen der Roten Armee zum Teil über 80 Kilometer erstrecken, bleibt die Aktion von Chiang Kai-Shek zunächst unbemerkt. Als die Flucht der Kommunisten auffliegt, lässt er die fliehenden Truppen aus der Luft bombardieren und schickt seine zuverlässigsten Truppen, um ihnen den Weg abzuschneiden. Unter heftigen Angriffen gelingt es der Roten Armee den Xiang-Fluss zu überqueren, um von dort in den chinesischen Westen zu fliehen.

Retter Mao

Insgesamt aber ist die Bilanz nach Überwindung des Xiang-Flusses vernichtend: Die Rote Armee ist durch Tod, Krankheit aber auch durch Flucht auf die Hälfte zusammengeschrumpft. Die Führung ist sich über das weitere Vorgehen uneinig.

Manche wollen neue Stützpunkte bilden und die Nationalisten wie bisher direkt konfrontieren, Mao ist für eine Guerrilla-Taktik. Drei Tage lang streiten die Führer, bevor Mao die anderen überzeugen kann. In der Folge kann er sich die Führung in der Armee und der Kommunistischen Partei sichern.

Angriff der Japaner

Als die Japaner im Norden Chinas weiter vordringen und damit gegen einen Waffenstillstand mit den Nationalisten verstoßen, muss Chiang einen Zweifrontenkrieg führen und kann keine zusätzlichen Truppen für den Kampf gegen Mao entbehren.

Chiang befielt den Einheiten, die bereits im Westen des Landes stehen, Mao den Weg am Dadu-Fluß abzuschneiden, wo die berühmteste Schlacht des Langen Marsches stattfindet: Nach einem Feuergefecht, so die Heldensage, gelingt es den Kommunisten, ihre Seite der Brücke zu sichern. Viele Historiker bezweifeln heute die offizielle kommunistische Version der Ereignisse und glauben, dass es an der Brücke kaum Widerstand gegeben hat. Tatsache bleibt, dass die Rote Armee die Brücke passiert.

Über Berge und durch Sümpfe

Nach 240 Marschtagen treffen die Kommunisten in der Provinz von Sichuan auf ein gewaltiges Hindernis: Vor ihnen liegen die Großen Schneeberge bei Tibet, deren Gipfel bis zu 4500 Meter hoch ragen. Mao treibt die Armee unerbittlich durch Eis und Sturm. Laut kommunistischer Propaganda sterben 9000 Menschen in den Bergen.

Nach der Bezwingung der Schneeberge steht der Armee die nächste Herausforderung bevor: Mao beschließt, die Sümpfe an der Grenze zu Sichuan und Tibet zu durchqueren, um Chiangs Truppen zu entkommen. Unter der Graslandschaft lauern heimtückische Sumpflöcher, deren Schlamm oft giftig ist. Wieder sind die Verlustzahlen unter den Kommunisten hoch. Mao und seine Anhänger sind inzwischen seit mehr als 300 Tagen unterwegs und haben über 8000 Kilometer zurückgelegt.

Geburt eines Mythos

Mao proklamiert die Gründung der Volksrepublik China
Mao proklamiert die Gründung der Volksrepublik China Quelle: dpa

Nach einer letzten verlustreichen Schlacht gegen die Nationalisten am Lazikou-Pass erreichen die Kommunisten am 20. Oktober 1935, nach 368 Tagen Marsch, die Provinz Shanxi. Die Verluste sind ungeheuerlich: Von 87.000 Männern und Frauen, die sich auf den Weg machten, erreichen weniger als 6000 das Ziel. In Shanxi errichtet Mao sein neues Machtzentrum und formiert seine Truppen neu. Die Heldentaten des Langen Marsches haben ihn im ganzen Land berühmt gemacht. Viele arme Bauern schließen sich ihm an.

1937 holt Chiang Kai-Shek zum entscheidenden Schlag gegen Maos Stützpunkt aus. Doch wieder sind es die Japaner, die Mao unbewußt retten: Chiangs Generäle zwingen ihn, sich im Kampf gegen Japan endlich mit Mao zu verbünden. Als Japan im September 1945 kapituliert, hat Mao bereits eine Million Soldaten rekrutiert und wendet sich nun mit neuer Kraft gegen Erzfeind Chiang: 1949 fliehen die Nationalisten vom Festland nach Taiwan. Am 1. Oktober 1949 ruft Mao die Gründung der Volksrepublik China aus.

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