Sie sind hier:

NSU privat

Innenansichten einer Terrorzelle

ZDFinfo - NSU privat

Zehn Morde, mindestens drei Bombenanschläge und Dutzende traumatisierter Menschen. Mit neuen Dokumenten zeigt ZDFinfo erstmals den NSU und sein engstes Umfeld privat.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.06.2017, 12:13
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2015

Frivole Partys und Kinderpornographie auf Beate Zschäpes Computer: Die Dokumentation "NSU privat" bietet neue "Innenansichten einer Terrorzelle". Bei ZDFinfo ist erstmals zu sehen, wie der Nationalsozialistische Untergrund und seine Sympathisantenszene lebte, feierte und mordete. Nach Auswertung eines umfangreichen Dokumentenbestandes, zahlreicher Videos und Fotos ergibt sich ein bisher unbekanntes Bild: In der Zeit, in der der Nationalsozialistische Untergrund mordete, feierten die Unterstützer wilde Partys im engsten Freundeskreis.

"Die Gewalt, die Gewaltlust, die Sexuallust und das Besäufnis fusioniert in diesen Gruppen", erklärt der Politologe Professor Hajo Funke diesen Zusammenhang. Im Mittelpunkt stand im Fall des NSU und seiner Sympathisantenszene Beate Zschäpe, die mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einer sexuellen Dreierbeziehung lebte und auch sonst "kein Kind von Traurigkeit" war. Das belegen Akten und Zeugenaussagen. Die Wahl ihrer Partner offenbart ihre Neigung und Sympathie zu den besonders harten Typen der Nazi-Szene. So zeigen die vorliegenden Liebesbriefe der Beate Zschäpe ihre große Zuneigung und Bewunderung zu dem einschlägig bekannten Neonazi, Robin S., der als Anhänger des Combat-18-Terrornetzwerks einen bewaffneten Raubüberfall verübte, einen tunesischen Staatsbürger niederschoss und zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Beate Zschäpe wusste, was sie wollte - besonders, wenn es um die Jungs der Kameradschaft ging. Ein Zeuge über Zschäpe wörtlich: "Selbstbewusst, Kameradin auf Augenhöhe. Die ist niemandem hinter her gedackelt".

Frivole Partys und kinderpornografische Dateien

Nach Auswertung eines umfangreichen Dokumentenbestandes, zahlreicher Videos und Fotos ergibt sich ein bisher unbekanntes Bild des NSU und seiner Sympathisantenszene. In der Zeit, in der der Nationalsozialistische Untergrund mordete, feierten die Unterstützer wilde Partys im engsten Freundeskreis. Das Nazimilieu, in dem sich der NSU bewegte, bewies nicht nur durch gewalttätiges Verhalten gegen Einwanderer und politische Gegner seine ganze moralische Grenzenlosigkeit. Immer wieder wurden Männer aus der Szene wegen sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung staatsanwaltlich verfolgt, so unter anderen Tino Brandt, der so genannte Kameradschaftsführer des NSU, der wegen sexuellen Missbrauchs in 66 Fällen und der Vermittlung von minderjährigen Jungen an andere Männer angeklagt wurde.

Gewalt und Pädophilie scheinen im direkten Umfeld des NSU keine Seltenheit. So finden sich auch bei Beate Zschäpe Hinweise auf extreme Sexualneigungen. Ermittler entdeckten auf ihrem Rechner kinderpornographische Dateien. Der NSU-Opferanwalt Yavuz Narin kommt zu dem Schluss: "Nach Prüfung der Akten ist mir die Häufung derartiger Fälle im Umfeld des NSU aufgefallen. Von einem Netzwerk zu sprechen, ist möglicherweise fast untertrieben, man müsste eher von einem Sumpf sprechen."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet