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Schicksalstag 1. Mai

Der lange Weg zum "Tag der Arbeit"

In vielen Ländern ist der 1. Mai gesetzlicher Feiertag. Seinen Ursprung hat der "Tag der Arbeit" in Chicago. Hier versammelten sich 1886 streikende Arbeiter, um für den Achtstundentag zu demonstrieren. Fortan kämpften Arbeiter weltweit am 1. Mai für ihre Rechte.

Illustration des Bombenattentats auf dem Chicagoer Haymarket

In Deutschland wurde die Forderung der Gewerkschaften nach einem gesetzlichen Feiertag ausgerechnet am 1. Mai 1933 erfüllt. Viele Gewerkschafter jubelten, als das neue NS-Regime zugesteht, was die demokratischen Regierungen der Weimarer Republik nicht zu Wege gebracht hatten. Doch Hitlers scheinbares Entgegenkommen war ein Täuschungsmanöver.

Ausgangspunkt Chicago

Am 1. Mai 1886 - inmitten der schwersten Wirtschaftskrise in den USA - versammelten sich in Chicago Tausende streikende Arbeiter, unter ihnen viele Deutschstämmige. Ihre Hauptforderung war der Achtstundentag, ihr Gegner die Chicagoer Fabrikbesitzer. Zwei Tage hielten sie aus auf dem Haymarket - dann eskalierte die Situation: Eine Bombe explodierte, Polizisten schossen um sich - mehr als ein Dutzend Menschen starben. Es ist das erste Bombenattentat in Amerika.

Gedenktafel für August Spies und seine Genossen.

Presse und Gericht hatten die Verantwortlichen schnell gefunden: Sie mussten aus den Reihen der Arbeiter stammen. Als mutmaßlicher Rädelsführer und Bombenleger wurde der aus Hessen stammende August Spies mit drei Genossen zur Todesstrafe verurteilt - zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Auch spätere Ermittlungen konnten die Bombenleger nicht zweifelsfrei ermitteln. Das Massaker auf dem Haymarket wurde zur Geburtsstunde des "Tags der Arbeit".

1. Mai unterm Hakenkreuz

Wenige Wochen nach der Machtübernahme, stellte sich für das NS-Regime die Frage: Wie mit dem 1. Mai umgehen? Seit Jahrzehnten demonstrierte die deutsche Arbeiterbewegung an diesem Tag für ihre Rechte - immer war er eine Machtprobe für den Staat. Minister Goebbels nutzt das bedeutungsschwere Datum für einen Propagandatrick: Der 1. Mai wird zum Feiertag erklärt, zum "Tag der nationalen Einheit".

Am Tag nach dem inszenierten Massenspektakel zeigte das Regime sein wahres Gesicht: SA-Trupps stürmten die Gewerkschaftshäuser und verhafteten führende Funktionäre. Dieser Schlag gegen die Gewerkschaften galt als entscheidender Schritt auf dem Weg in die Diktatur. Statt eines Generalstreiks hatten die Gewerkschaften zur Teilnahme am "Tag der nationalen Einheit" aufgerufen. Das Dritte Reich in maßvoller Anpassung überleben zu können, stellte sich für die Arbeiterverbände als Illusion heraus. Sie wurden aufgelöst, enteignet und ihre Mitglieder in die "Deutsche Arbeiterfront" überführt.

Alles nur Krawall?

Der 1. Mai blieb nach 1945 in Deutschland gesetzlicher Feiertag - wie in vielen anderen Ländern. Nur in den USA, wo mit den Ereignissen vom Chicagoer Haymarket alles begann, feiert man den "Labor Day" im September.

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