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Stalins Elite-Kämpferinnen

Die "Nachthexen"-Bomberpilotinnen der Roten Armee

Der sowjetische Diktator Josef Stalin schickte im Zweiten Weltkrieg junge Pilotinnen im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht an die Front. Die berühmtesten Fliegerinnen der Roten Armee gehörten zum 588. Nachtbomberregiment – von den deutschen Soldaten wurden sie die "Nachthexen" genannt. In der Dokumentation "Stalins Elite-Kämpferinnen" erinnern sich einige von ihnen, heute hochbetagt, an ihr Leben an der Front.

"Unter unser Flugzeug wurde eine Bombe geschnallt. Hinter den feindlichen Linien hat die Co-Pilotin dann mit einem Stock die Halterung gelöst und die Bomben sind zu Boden geschnellt auf den Feind. Das war’s." Der Feind – das war für die russische Pilotin Irina Rakobolskaja 1942 die Deutsche Wehrmacht. Die damals 21-jährige Physikstudentin gehörte zum 588. Nachtbomberregiment, das bis Kriegsende mehr als 23.000 Einsätzen flog und über 100.00 Bomben abwarf. Die deutschen Soldaten nannten die gefürchteten Fliegerinnen der Roten Armee nur die "Nachthexen".

Weibliche Kriegsgeschichten

Andere Elite-Kämpferinnen setzten sich am Boden für ihr Vaterland ein. Allein in Weißrussland soll es 375.000 Partisanen gegeben haben. Jelena Masanik war eine von ihnen. Sie wurde Haushaltshilfe bei der Familie des Generalkommissars für Weißrussland in Minsk, Wilhelm Kube. Die 28jährige erschlich sich das Vertrauen der Kubes und kam dem Generalkommissar als Geliebte sehr nahe. Es gelang der Partisanin, eine Haltemine unter dem Bett von Wilhelm Kube zu befestigen, die den deutschen Besatzer tötete.

Die Dokumentation erzählt diese weiblichen Kriegsgeschichten. Zum ersten Mal im deutschen Fernsehen sind Ausschnitte aus Wehrmachtsfilmen aus Weißrussland zu sehen, die die Rote Armee erbeutete, und Spielfilmszenen der in Russland und der Ukraine erfolgreichen TV-Serien "Die Nachthexen" (2012) sowie "Jagd auf den Gauleiter" (2013).

Die meisten der Elite-Kämpferinnen haben ihre Familie durch die Deutschen verloren. Für ZDFinfo berichten die hochbetagten Frauen noch einmal über ihr Leben an der Front. Von ihrer Kameradschaft, aber auch ihrer Todesangst und Einsamkeit.

Das gefürchtetste Frauengeschwader

Nach dem Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion 1941 hatten sich über eine Million Frauen freiwillig zum Dienst in der Roten Armee und bei den Partisanen gemeldet. Die Sowjetunion schickte als erste Nation Pilotinnen an die Front. Der Diktator Josef Stalin bildete drei Frauengeschwader. Am gefürchtetsten waren die "Nachthexen" des 588. Fliegerregiments. Die Nachthexen schlugen zu, sobald es dunkel war.

Sie flogen in der Polikarpow 2, genannt Podwa. Ein kleiner Doppeldecker aus Holz ohne Funktechnik und ohne Bremsen. Die Maschinen näherten sich dem Feind fast lautlos, flogen sehr tief und gaben erst wieder Gas, wenn die Bomben gelöst waren. 34 der insgesamt fast 140 Pilotinnen stürzten bei ihrem Einsatz ab.

Die Dokumentation zeichnet nach, wie junge Frauen den Männern gesellschaftlich nacheiferten. Seit 1922 waren sie den Männern per Gesetz gleichgestellt. Für viele Frauen bedeutete es deshalb eine große Ehre, von Stalin in den Krieg geschickt zu werden. "Am Anfang kämpften wir Frauen für das Recht ein eigenständiges Regiment zu haben. Dann erhielten wir das Recht zu kämpfen. Neidisch sah man auf uns. Aber wir hatten erreicht, dass wir im Kampf gleichwertig waren. Dadurch haben wir bewiesen, würdig zu sein in die höchsten Ränge der Frontkämpfer aufzusteigen", schrieb die Pilotin Galina Dokutowitsch 1943 in ihr Tagebuch. Der Diktator Josef Stalin zeichnete 26 der jungen Frauen als "Heldinnen der Sowjetunion" aus.

Einsames Leben nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurde es still um Stalins Elite-Kämpferinnen. Sie zogen sich ins Privatleben zurück. "Es setzte sich das Bild durch, dass Frauen vorrangig mit den Offizieren ins Bett gegangen wären. Dass sie Ehemänner an der Front gesucht hätten", so die Historikerin Kerstin Bischl von der Berliner Humboldt-Universität.

Mit dem Grauen, das die Elite-Kämpferinnen an der Front erlebten, dem Verlust der Kameradinnen und der Sehnsucht nach Zuwendung und Zuhause blieben die Elite-Kämpferinnen meistens allein. In der einsatzfreien Zeit versuchten die Fliegerinnen sich abzulenken. Sie bemühten sich um ein wenig Normalität in ihrem Kriegsalltag. Sie sangen gemeinsam oder verrichteten Handarbeiten. Als die jungen Frauen an die Front aufgebrochen waren, hatten sie nicht geahnt, wie sie dieses Leben verändern würde. Nachdenklich stellt Irina Rakobolskaja im ZDF-Interview fest: "Ich habe nach dem Krieg nie wieder gestickt."

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