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Jesus und die verschwundenen Frauen

Vergessene Säulen des Christentums

"Jesus und die verschwundenen Frauen - Vergessene Säulen des Christentums": Spielszene: Maria Magdalena in Nahaufnahme. Im Hintergrund ist eine weitere Frau zu sehen.

ZDFneo - Jesus und die verschwundenen Frauen

Die Dokumentation "Jesus und die verschwundenen Frauen" von Maria Blumencron versucht, die vergessenen Säulen des Christentums wieder sichtbar zu machen.

Datum:
Sendungsinformationen:
Im TV: ZDFneo, 25.12.2017, 07:45 - 08:30
Produktionsland und -jahr:
Österreich 2013

Maria Magdalena, einst wichtigste Jüngerin Jesu, wurde als Propagandafigur der katholischen Kirche missbraucht. Junia, eine berühmte Apostelin der Frühkirche, verwandelte sich unter der Feder eines Bibelkommentators in einen Mann.

Phöbe, Vorsteherin einer frühen Christengemeinde, wurde als Hilfskraft des Apostels Paulus kleininterpretiert. Lydia, die erste Christin Europas, geriet für fast 2000 Jahre in Vergessenheit. Es gab verschiedene Methoden, Frauen des frühen Christentums verschwinden zu lassen.

Vor 2000 Jahren kündigte Jesus von Nazareth das Reich Gottes an, in dem alle Menschen gleich wären. In einer streng patriarchal geprägten Zeit war das revolutionär. Und so folgten dem charismatischen Wander-Prediger nicht nur Männer, sondern vielfach auch Frauen. Aufgrund einer männerzentrierten Sprache blieben sie in den Evangelien nahezu unerwähnt.

Aber Frauen waren Zeuginnen des Todes Jesu, der Grablegung und schließlich seiner Auferstehung, die zum Grundstein des Christentums wird. Es ist Maria aus Magdala, die von Jesus den Auftrag erhält, die Frohe Botschaft zu verkünden. Sie wird damit zur ersten Apostelin. Doch gleich nach Erfüllung des Auftrags verschwindet die Schlüsselfigur des Ostergeschehens aus den kanonischen Evangelien.

Der leere Raum, den sie hinterlässt, wird zum Nährboden abenteuerlicher Legenden. Aus der Apostelin Apostolorum (der Apostelin der Apostel) wird in der von Männern besetzten institutionalisierten Kirche die reuige Sünderin. Aus der Sünderin die asketische Büßerin. Aus der Büßerin ein laszives Pin-up-Girl der Kunst. Heute wird Maria Magdalena vielfach als Ehefrau Jesu empfunden. Aber ist auch dies nicht bloß eine weitere Übermalung, aus unserem Zeitgeist heraus geboren?

Eine folgenschwere Fehlinterpretation erfuhr auch Junia, die als wichtiges Bindeglied zwischen der Jesus-Bewegung und dem frühen Christentum gilt. Von den ersten Kirchenvätern noch als berühmte Apostelin gepriesen, erfährt sie im Mittelalter eine folgenschwere Geschlechtsumwandlung. Unter der Feder des Bibelkommentators Ägidius von Rom wird aus Junia ein Apostel namens Junias. Das Versehen eines unausgeschlafenen Augustiners? Oder Ergebnis eines männerorientierten Weltbildes? Und warum fristet Apostelin Junia in allen gängigen Bibelausgaben bis heute ein Dasein als Mann?

Fragen, die direkt zum Thema "Stellung der Frau in der heutigen Kirche" führen. Als eine ihrer Vertreterinnen lernen die Zuschauer die junge Theologiestudentin Jacqueline Straub kennen. Ihr Wunsch ist, erste Priesterin der katholischen Kirche zu werden. Ein hoffnungsloses Unterfangen? Oder gibt es in der Bibel weitere Vorbilder, auf die sich die junge Frau berufen kann?

Jacquelines Recherchen führen nach Kenchreä bei Korinth und nach Philippi. In Kenchreä trifft sie auf die Spuren einer Mitarbeiterin des Apostels Paulus: Phöbe. In Philippi fand die erste Taufe auf europäischem Boden statt. Es war eine Frau, die diesen mutigen Schritt tat. Ihr Name war Lydia.

Heute leben 537 Millionen Christen in Europa. Doch das Erbe der frühchristlichen Pionierinnen ist eine Kirche, die durchweg von Männern regiert wird.

Stab

  • Regie - Maria Blumencron
  • Autor - Maria Blumencron
  • Kamera - Erik Schimschar, Ralf Jakubski

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