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Milliardengeschäft Schmerzpillen

Film von Judith Stein und Robert Eckert

Typical

ZDFneo - Milliardengeschäft Schmerzpillen

Jeder kennt es: Brummt der Kopf, schmerzt der Zahn, zwickt es im Rücken - ein schneller Griff zur Tablette, und der Schmerz ist weg. Keiner denkt an Risiken oder Nebenwirkungen.

Datum:
Sendungsinformationen:
Im TV: 3sat, 06.09.2017, 21:00 - 21:52
Verfügbarkeit:
Leider kein Video verfügbar

Jährlich gehen mehr als 150 Millionen Packungen freiverkäuflicher Schmerzmittel in Deutschland und Frankreich über den Apothekentresen – nur selten werden Patienten ausreichend aufgeklärt. Die Dokumentation folgt der Spur des Geldes im Markt der Schmerzmittel.

Millionen Konsumenten in Deutschland und Frankreich sind immer bestens versorgt: Diclofenac, Ibuprofen, Aspirin und Paracetamol - allesamt rezeptfrei, günstig, schnell wirksam und vermeintlich ohne Risiko. So zumindest der Eindruck, den Werbung und Apotheken, sogar Ärzte, vermitteln.

Risiken und Nebenwirkungen werden ignoriert. Denn die Angst vor dem Schmerz ist groß - größer noch, als das eigentliche körperliche Leid-Empfinden. Und die Pharmaindustrie nutzt diese Angst und setzt in der Werbung vermehrt auf zusätzliche Zielgruppen wie Freizeitsportler und Jugendliche. "Market Creation" heißt das Zauberwort, wenn eine Branche gezielt neue Absatzmärkte kreiert. Sieben der zehn meistverkauften Medikamente in beiden Ländern gehören zur Gruppe der Schmerzmittel. Alleine im Bereich der rezeptfreien Schmerzmittel wird jährlich mehr als eine halbe Milliarde Euro umgesetzt.

Folge dem Weg des Geldes: Das haben sich die Enthüllungsjournalisten auf die Fahnen geschrieben, die die amerikanische Website "Dollars for Docs" initiiert haben. In der Dokumentation beschreibt die Pulitzer-Preisträgerin Tracy Weber, wie sie an die Daten der vielen US-Ärzte gekommen sind, die Geld von der Pharmaindustrie bekommen: als Vortragshonorar, Beratungshonorar oder auch nur in Form einer Urlaubsreise. Manche Mediziner kommen so auf einen Spitzenverdienst von einer Million Dollar pro Jahr - zusätzlich zu ihrem normalen Praxisgeschäft.

Diese Zahlen und die damit verbundenen Fragen nach der Unabhängigkeit dieser Ärzte haben in den USA inzwischen zu einem neuen Gesetz geführt, nach dem Ärzte die Gelder, die sie von der Industrie bekommen, offenlegen müssen. In Deutschland muss das kein Arzt tun - die Dokumentation forscht deshalb anhand eines Beispiels nach, wie Ärzte von der Pharmabranche eingebunden werden, und spricht mit Kritikern und den von der Industrie beauftragten Ärzten. In dem beispielhaften Fall geht es um Werbung für ein rezeptfreies Schmerzmittel, das angeblich für Kinder und Jugendliche besonders geeignet ist.

Wie fatal der Glaube an die schnelle und folgenlose Hilfe von Analgetika ist, zeigt außerdem das Beispiel einer Frau, die jahrelanger Schmerzmittelkonsum zur Dialyse-Patientin gemacht hat. Ihre Nieren - im Fachjargon "Analgetika-Nieren" - sind funktionsunfähig.

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