Sie sind hier:

Nichts ist gut

Reflexionen der Produzentin Cornelia Wecker

"Nichts ist gut", sagt Bella am Schluss des Films, und: "Wir passen
nicht mehr aufeinander auf". Ein 30 Jahre zurück liegender Fall hat
Bella auf den Plan gerufen, denn ihr psychologisches Gespür ist gefragt, als die damalige Tatwaffe in der Hand von Teenagern auftaucht. Doch es geht nur im ersten Moment um die Aufklärung des Mordes, der durch eine übermütige Schießerei von Heranwachsenden wieder aktuell wird.

Bella (Hannelore Hoger) und Martensen (Devid Striesow)
Bella (Hannelore Hoger) und Martensen (Devid Striesow) Quelle: ZDF

Defizite im eigenen Leben

Mit dem neuesten Fall wollten wir ein modernes Verbrechen erzählen, das eine tiefe psychologische Dimension besitzt. Seit jeher eine der Stärken der Reihe. Bellas intuitive Wahrnehmung sagt ihr schon beim ersten Treffen mit dem 18-jährigen Lenny und seiner Clique, dass alle etwas verbergen, besonders der von seiner Lehrerin als hochintelligent beschriebene Lenny.


"Das Leben, das mich stört" - dieses ist ein zu Kafkas Zeiten bis heute nicht unbedingt nach außen getragenes Gefühl der Jugendlichen, das hier sehr präzise durch Jacob Matschenz, Liv Lisa Fries und Rick Okon dargestellt ist. Sie verstehen mit unglaublicher Sensibilität und Intensität, die Sehnsucht, Zerrissenheit und Einsamkeit hinter der coolen Fassade der Teenager zu zeigen. Deren Unfähigkeit, diese zu artikulieren. Stattdessen ziehen sich die Jugendlichen in coole Posen und hinter die kalte Optik einer Kamera zurück. Schauen wir genau hin, und passen wir genug aufeinander auf?

Bedrohliche Übertragung in die Realität

Das ist die Frage, die sich alle stellen lassen müssen. Denn auch die engagierte Lehrerin, grandios gespielt von unserer Wunschbesetzung Katharina Wackernagel, muss Defizite erkennen - auch in ihrem eigenen Leben. Sie glaubt, ihre Schüler zu kennen, will nur das Beste und ist doch ohnmächtig.
"Der Fahrgast", die Kurzgeschichte von Franz Kafka, zieht sich in Fabian Thaeslers berührendem Buch als roter Faden durch. Eigentlich "nur" als Schul-Aufführung gedacht, entwickelt sich aus der Auseinandersetzung der Schüler mit dem Stoff eine bedrohliche Übertragung in die Realität - für einen von ihnen.


Es war die erste (und von meiner Seite aus ganz sicher nicht die letzte) Zusammenarbeit mit Regisseur Torsten C. Fischer, der auf intensive Weise diesen nicht leichten Stoff inszeniert hat. Ein besonderer Dank gilt auch Michael Wiesweg, der diese moderne Geschichte mit einer tollen Kameraführung umgesetzt und wunderbare Bilder geschaffen hat. Die Aufgabe, die der Zuschauer nach diesem Film hoffentlich nicht vergisst, ist, dass wir im wirklichen Leben einfach mehr aufeinander achten und aufpassen müssen. Und nicht erst beginnen, nach dem "Warum" zu forschen, wenn eine Tat begangen ist.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet