"Der hauchdünne Grat zwischen Ernst und Groteske"

Interview mit Autor Holger Karsten Schmidt

Autor Holger Karsten Schmidt und Regisseur Markus Imboden haben schon in ihrem mit einem Grimme-Preis gekrönten Erfolgsfilm "Mörder auf Amrum" gezeigt, wie eng Krimi und Humor - genauer gesagt groteske Komik - zusammenliegen können. Die Rolle des Privatdetektivs Finn Zehender hat der Autor Hinnerk Schönemann auch im aktuellen Fernsehfilm "Tod einer Brieftaube" auf den Leib geschrieben.

Privatdetektiv Finn Zehender (Hinnerk Schönemann, li) und seine Freundin Agnes (Katja Danowski, re)
Privatdetektiv Finn Zehender (Hinnerk Schönemann, li) und seine Freundin Agnes (Katja Danowski, re) Quelle: ZDF und Gordon Timpen


ZDF: Was hat Sie inhaltlich und genremäßig an "Tod einer Brieftaube" besonders gereizt?

Holger Karsten Schmidt: Die teils skurrilen Figuren aufeinandertreffen zu lassen, aber ebenso auch Zuschauererwartungen zu durchkreuzen. Das reizt nicht nur, mir macht das viel Spaß, insbesondere wenn auf dem Regiestuhl jemand sitzt, der das nicht bloß runterkurbeln lässt, sondern - wie Markus - mit seinem inszenatorischen Talent ergänzt und bereichert.


ZDF: Sie haben dem Schauspieler Hinnerk Schönemann die Rolle des Privatdetektivs Finn Zehender auf den Leib geschrieben. Was ist das Besondere an diesem Schauspieler und an dieser Figur?

Schmidt: Dass ich sie unter anderem mit Facetten ausgestattet habe, die nicht eben sympathisch sind. Der Hang zur Großspurigkeit etwa oder eine gewisse Dreistigkeit im Umgang mit anderen Menschen oder eigene Fehler nicht zugeben zu können und zu wollen. Das Besondere an Hinnerk ist, dass er es mit seiner Art fertig bringt, dass wir ihm wegen dieser charakterlichen Defizite nie wirklich böse sind. Bei ihm finde ich mich jedenfalls bereit, Dinge zu verzeihen, die ich anderen nie durchgehen lassen könnte. Außerdem bedient er für mich wie kein Zweiter den hauchdünnen Grat zwischen Ernst und Groteske.


ZDF: Viele Szenen und Dialoge sind von einem feinen, rabenschwarzen Humor geprägt. Ist das Ihre Spezialität?

Schmidt: Nein. Es ist eher ein Spiel mit Erzählkonventionen, massenkompatibles Experimentieren, wenn man so will. Wir haben ja bei "Mörder auf Amrum" gemerkt, dass das Publikum mehr Mut beim Beschreiten unausgetretener Pfade hat als so mancher Redakteur. Frau Heuser und Herr Elschot haben uns aber ermutigt, diese Farbe, die bei allen möglichen Genres wildert, munter weiter zu bedienen.


ZDF: Was ist das besondere an einem "Crime-in-Nature"-Krimi? Was unterscheidet ihn von einem normalen Großstadtkrimi?

Schmidt: Ihre Überschaubarkeit. Landschaftlich wie personell. Alles könnte bestens sein, aber dann kommt ein Impuls von außen und stört die gängigen Abläufe. Aber auch dies haben wir bei "Tod einer Brieftaube".

ZDF: Was planen Sie im Team mit Regisseur Markus Imboden als Nächstes?

Schmidt: Den nächsten Finn Zehender: "Es kommt ihm Spanisch vor." Und einen Neo-Western à la "Mörder auf Amrum". Mit Hinnerk, wenn er Lust hat.

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