Sie sind hier:

Choreographie eines Kampfes

Ein Blick hinter die Kulissen der Folge "Letzte Runde"

Die Folge "Letzte Runde" spielt im Bochumer Kickbox-Milieu. Kampfsport authentisch und glaubwürdig zu inszenieren, ist eine Herausforderung. Bevor also der große Showdown zwischen dem Bochumer Lokalmatador Peter Dräger und seinem Kontrahenten Besrat Bekele stattfinden kann, müssen vor und hinter der Kamera viele Vorbereitungen getroffen werden. Denn es soll ja nur so aussehen, als ob es weh tut. Eine Kampfchoreografie für die Schauspieler ist daher das A und O.

Markus Ertelt ist Schauspieler. In der Folge "Letzte Runde" spielt er Peter Dräger, Kickboxer und Lokalmatador aus Bochum, der im Kampf des Jahres gegen einen ambitionierten Herausforder antreten muss. Im Interview mit dem ZDF spricht der Darsteller über Kampfchoreographien, spezielles Training und die Kunst, es vor der Kamera täuschend echt aussehen zu lassen.

Worauf muss man bei einer Kampfchoreografie achten?

Dass es möglichst echt aussieht … Nein, Spaß beiseite: Die Schläge und Tritte müssen größer ausgeführt werden, als man das im Ring tatsächlich tun würde. Wichtig sind natürlich auch immer die Reaktionen auf die Schläge und Tritte, wann und wie stark drehe ich mich in welche Richtung.

Worauf kommt es primär an?

Timing ist das Allerwichtigste. Außerdem: agieren und reagieren. Wenn mal eine Abfolge nicht korrekt ist, muss man sich entsprechend umstellen können, das erfordert ein Höchstmaß an Konzentration.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Der Faktor Zeit: Um eine möglichst authentische Ringschlacht zu inszenieren, benötigt man Zeit. Man würde natürlich immer gerne mehr davon haben, doch bei einer Serienproduktion hat man dies meist nicht und muss daher Kompromisse eingehen. Ich denke, mit Eskindir Tesfay haben wir in der Kürze der Zeit aber ein recht anständiges Ergebnis erarbeitet.

Wie lange müsste man denn theoretisch üben?

Das hängt natürlich stark von den Fähigkeiten des Schauspielers ab, mit einer Woche trainieren ist es da nicht getan. Man sieht schon bei einer einfachen Faustkombination, ob er oder sie das "täglich" macht oder eben nicht. Ich selbst mache seit mehr als 15 Jahren Kampfsport, im Taekwondo besitze ich den 1. Dan, habe dann zum Kickboxen gewechselt und besitze dort den 2. Dan (Kampfgrad, die Red.). Natürlich ist ein choreographierter Kampf auch etwas anderes als das "echte" Kämpfen, aber die Grundlagen sind da und darauf kann ein Stuntchoreograph gut aufbauen. Er muss nicht erklären, was ein Jab,  Punch oder Uppercut mit Hook Kick Kombo ist und wie man die einzelnen Schläge ausführt. Er kann direkt mit dem Ablauf seiner erstellten Choreographie beginnen.

Ihr Partner ist Eskindir Tesfay, ein Stuntkoordinator. Wie lief es?

Wir hatten nur einen Tag Zeit, um uns die Choreografie für "Die letzte Runde" zu erarbeiten. Da hatte ich mit Eskindir natürlich einen super Stuntkoordinator. Dazu kam, dass wir uns tatsächlich schon seit einigen Jahren kennen. Wir haben uns 2007/08 bei einem Dreh in der Türkei kennen und schätzen gelernt und ein paar Mal miteinander trainiert. So wusste er genau, was geht und was nicht.

Wie gestaltete sich die Umsetzung vor der Kamera?

Der letzte sehr wichtige Baustein ist tatsächlich das Spielen im Ring, den Verlauf des Kampfes nachzuzeichnen: Was ist im Ring passiert? Wie fühlt sich der Kämpfer? Es ist ja immer eine Art Zeitraffer - ein langer Kampf wird für das Format gekürzt. In Wirklichkeit ging der Kampf aber mehrere Runden, entsprechend müssen sich die Kontrahenten auch bewegen. Der Kampf muss sich in den Nahaufnahmen auch in ihren Gesichtern widerspiegeln. Es reicht nicht, die Bewegungsabläufe abzuspulen und fertig. Alles sollte im Idealfall zusammenpassen. Die Kamera muss sich entsprechend bewegen, wir müssen uns auf die Kamera einstellen und so weiter. Alles ist sehr komplex - und wenn der Zuschauer davon nichts bemerkt, haben wir alles richtig gemacht.

Das Interview führte Berit Teschner.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet