"Jeder Dreh ist wie ein Anfang"

Andreas Schmidt-Schaller im Interview

Andreas Schmidt-Schaller spricht über seine Rolle als Kriminalhauptkommissar Hajo Trautzschke und die vergangenen 13 Jahre bei der SOKO Leipzig.

Die erfolgreiche Krimiserie SOKO Leipzig geht nun in die 15. Runde und Sie waren in der Rolle des Kriminalhauptkommissars Hajo Trautzschke von Anfang an mit von der Partie. Worin liegt der Grund Ihrer anhaltenden Begeisterung für diese Serien-Rolle?

Die Rolle des Hajo Trautzschke ist und bleibt spannend für mich, auch nach so vielen Jahren noch. Man trifft zwar immer auf die gleichen Gesichter, doch die Geschichten sind immer neu. Hätte man mir früher gesagt, ich würde eines Tages Serienschauspieler werden, hätte ich dankend abgelehnt. Im Laufe der Zeit jedoch stieg meine Achtung diesbezüglich immer mehr. Heute bin ich sehr froh, dabei zu sein, denn es ist eine wirklich schöne Herausforderung, eine Figur immer wieder neu zu entdecken und im besten Fall weiterzuentwickeln.

Wie halten Sie für sich die Spannung aufrecht?

Man muss für den Zuschauer, aber auch für sich selbst, immer wieder kleine Überraschungen in seiner Figur finden. Diese neuen Seiten in einer Rolle zu entdecken, finde ich sehr reizvoll. Das hätte ich gar nicht von mir gedacht. Hinzu kommt die eigene Persönlichkeit, die ja auch immer irgendwie mit einfließt. Man selbst verändert sich und in gleichem Maße die Figur. Dem stelle ich mich sehr gern. Wenn Hajo mal 'scheitert' ist das nicht toll, aber Sieg und Niederlage gehören nun mal zum Leben dazu.

Jan Maybach (Marco Girnth), Angelika Bernert (Eleonore Weisgerber), Beate Bernert (Therese Hämer), Hajo Trautzschke (Andreas Schmidt-Schaller)
SOKO Leipzig: Zwei Schwestern Quelle: ZDF/Uwe Frauendorf

So auch in dem Fall vor 25 Jahren, den Trautzschke/Grawe nicht lösen konnte und auf den im 90-minütigen Special "Zwei Schwestern" (Sendedatum 19.09.2014) mit altem Archivmaterial von Ihnen Bezug genommen wird. Wie war das für Sie?

Normalerweise gucke ich mir meine eigenen Filme sehr selten an. Ich habe da immer so ein Kribbeln im Bauch. Aber diese Folge schaue ich mir ganz bestimmt an. Allein schon, weil die Geschichte auf einen alten Fall aus zurückliegenden Tagen verweist und mich in jungen Jahren zeigt, als ich noch Leutnant Grawe im damaligen "Polizeiruf 110" verkörperte. Ich bin sehr gespannt! Mir gefällt es, mit Trautzschke zu 'altern', denn diese Figur hat viele Facetten, die ich noch ein bisschen mehr rauskitzeln möchte.

Hat sich Hajo Trautzschke in den letzten 13 Jahren verändert?

Wir hätten alle nicht gedacht, dass diese Serie so lange und so erfolgreich laufen würde. Doch selbst nach so vielen Folgen ist jeder Dreh wie 'auf Anfang'. Man fängt immer wieder von vorne an. Das ist das Schöne daran – es wird nie langweilig. Manchmal fühle ich mich wie ein Maler vor seiner weißen Leinwand, der sich immer wieder neu auf die Malerei und seine Kunst einlassen muss. Mir steht wie ihm meine Farbskala zur Verfügung und damit 'male' ich immer wieder aufs Neue meine Rolle, obwohl sie eigentlich immer die gleiche ist. Das Ganze ist wie ein Mosaik, das sich immer neu zusammensetzt. Insofern verändert sich Trautzschke kontinuierlich.

Was gefällt Ihnen an Hajo Trautzschke?

Trautschke macht Spaß. Ich mag seine Geschichte und seine Lebensumstände, die gar nicht so einfach sind. Er trifft immer mal wieder auf alte Lieben von sich, das finde ich sehr schön. Denn Trautschke ist einer, der sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt. Außerdem fordert mich die Figur immer wieder aufs Neue heraus. Trautzschke war ursprünglich Boxer und so musste auch ich in den Boxring steigen und die Grundlagen des Boxens erlernen, damit zumindest die Haltung meines Körpers stimmte. Seither habe ich sehr großen Respekt vor diesem außergewöhnlichen Sport, denn die große Herausforderung dabei ist, immer hellwach zu sein.

Was macht für Sie persönlich die Qualität der Geschichten aus? Und was hat Sie an dieser hier berührt?

Die bestimmte Machart der Geschichten spielt meines Erachtens eine große Rolle bei dem anhaltenden Erfolg. In jedem Fall gibt es eine 'positive Reibung' und die Lösung dieser Reibungen. Das erhöht die Spannung. Schlussendlich stimmt auch die Chemie in unserem Team, was sich sicherlich auch auf den Zuschauer überträgt. In Trautzschkes neuem Fall geht es um zwei Schwestern, die sich aus Eifersucht Schlimmes angetan haben. Eifersuchtsgeschichten gibt es zwar immer wieder mal, aber diese Geschichte hat mich dann doch sehr beschäftigt, da dabei Leben zerstört wurde.

Kommt Hajo also auch manchmal an seine psychischen oder physischen Grenzen?

Ja, ganz bestimmt. Vor allem in diesem Fall, als Hajo zum ersten Mal einen Mann aus Notwehr erschießt. Das nagt natürlich schon etwas an ihm, da es ihm nicht hätte passieren dürfen. Aber Trautzschke wäre nicht Trautzschke, wäre er sich dessen nicht bewusst, dass der Tod zu seinem Job dazu gehört. Genau das versucht er auch seinen Leuten klar zu machen. Ebenso wie es manchmal passieren kann, vor dem Nichts zu stehen. Verschiedene Gefühlsebenen, auch negative, zu durchwandern, gehört nun mal zum Beruf des Polizisten. Doch das auch zulassen zu können, will gelernt sein.

Was treibt Trautzschke an?

In gewisser Weise ist Trautzschkes Beruf eine Art Berufung. Denn es gehört zum Prinzip des Kriminalisten dazu, die Verbrechen aus der Welt zu schaffen und verhindern zu wollen, dass Verbrechen überhaupt stattfinden. Trautzschke wird von so einer Art Samariterbewusstsein getrieben - vielleicht könnte man ihn auch als Weltverbesserer bezeichnen.

Das Interview führte Silvia Schumacher.

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