Vier TV-Kommissare - eine Erfolgsgeschichte

Die Hauptdarsteller aus SOKO Leipzig im großen Interview

Seit zehn Jahren fiebern die Zuschauer nun schon bei den Fällen der SOKO Leipzig mit. Grund genug, die Darsteller der TV-Kommissare zum Interview zu treffen: Andreas Schmidt-Schaller, Marco Girnth, Melanie Marschke und Pablo Sprungala erzählen von den Anfängen der Serie und der Entwicklung ihrer Figuren.


ZDF: Herr Schmidt-Schaller, können Sie sich noch an Ihren ersten Drehtag erinnern?


Andreas Schmidt-Schaller: Oh Gott, da fragen Sie mich was! Wenn ich mich nicht ganz täusche, spielte der erste Drehtag im Krankenhaus. Ich kann mich aber noch gut erinnern, dass mir Marco Girnth lachend gegenüberstand und feststellte, dass wir beide die gleichen Jacken tragen. Selbst die Farbe war identisch. Das war natürlich zunächst eine mittlere Katastrophe, die aber kurzerhand von unserer hervorragenden Kostümfrau gelöst wurde.


ZDF: Und Sie beide, Frau Marschke, Herr Girnth?


Marco Girnth: Absolut. Mein erster Drehtag war in einem Krankenhaus. Alle waren unheimlich nervös. Die Produzenten, Redakteure und die Herstellungsleitung waren vor Ort, um sich den Drehstart anzusehen, was nicht unbedingt zur Beruhigung beigetragen hat.


Melanie Marschke: Ich erinnere mich, dass wir in einem abgebrannten Haus drehten. Ich hatte eine helle Hose und einen hellen Mantel an. Bei der Spurensuche passierte dann das Malheur. Die Farbe der drapierten Trümmer war noch nicht getrocknet und somit hatte ich die komplette grüne Ölfarbe am Kostüm. Leider hatten wir kein Ersatzkostüm und deshalb musste die Szene mit neuer Hose und Mantel fortgesetzt werden.

Außerdem kann ich mich daran erinnern, dass wir im Mai drehten und es für die Jahreszeit untypisch heiß war. Es war sogar so heiß, dass der Asphalt auf dem Marktplatz ganz weich war. Und auf diesem Parkplatz saß schlafend Schauspieler Michael Lott mit seiner Kostümbombe um den Bauch gewickelt, ganz selig und tief in sich ruhend. Ein herrlicher Anblick!


ZDF: Herr Sprungala, Sie sind 2008 direkt von der Schauspielschule zur "SOKO Leipzig" gekommen. Was für ein Gefühl war das?



Pablo Sprungala: Es war ein sehr gutes. Viele meiner Kommilitonen sind ans Theater gegangen. Mir war schon lange klar, dass ich unbedingt vor die Kamera möchte. Umso glücklicher bin ich, dass ich bei der "SOKO Leipzig" spielen darf. Insgeheim war es ein lang gehegter Traum von mir, in einer Krimiserie einen Kommissar zu verkörpern.



ZDF: Wie kann man sich als Neuer in einem bestehenden Team behaupten? Schließlich kennen sich Ihre Kollegen schon seit Jahren.



Sprungala: Andreas Schmidt-Schaller, Marco Girnth und Melanie Marschke sind wirklich super. Sie haben mich von Anfang an unterstützt und mir eine große Sicherheit gegeben. Auch das Produktionsteam war klasse. Ich hatte nie das Gefühl, nicht dazu zugehören.


ZDF: Und wie sind Sie zu "SOKO Leipzig" gekommen, Herr Schmidt-Schaller? Es hieß immer, dass Sie nach Ihrer Rolle als Leutnant Grave im damaligen "Polizeiruf 110" keinen Kommissar mehr spielen wollten ...


Schmidt-Schaller: Das stimmt, aber wie der Zufall so spielt, lief ich bei einem Agenturtreffen dem ZDF-Serienchef Klaus Bassiner über den Weg. Während unseres Gespräches fragte er mich dann, ob ich trotzdem noch einmal Lust hätte, einen Kommissar zu spielen. Kurz danach war ich Hauptkommissar der SOKO Leipzig. Genauso ist das entstanden, und bei der Biografie von Hajo Trautzschke konnte ich gar nicht "Nein" sagen. Ich wäre verrückt gewesen, dieses Angebot auszuschlagen.
Girnth: Ich bin erst zu dem Ensemble-Casting dazugestoßen, bei dem noch die Kollegin Zimmermann gesucht wurde. Ich kannte Melanie schon vor dem Casting. Wir hatten ein Jahr zuvor bei der "Strandclique" zusammen gedreht. Da hat sie allerdings eine Frisöse aus Bottrop gespielt und eine rosa Perücke getragen. Deshalb habe ich sie beim Casting nicht gleich erkannt. Glücklicherweise ist sie am Ende die Kommissarin geworden. Die beste Ina Zimmermann der ganzen Welt.


Marschke: Die Frauenrolle war damals die letzte, die besetzt werden sollte. Ich hatte schon einige Set-Erfahrungen neben meinen Theaterengagements, doch eine feste Rolle als TV-Kommissarin fandich sehr reizvoll. Ich wäre sehr traurig gewesen, wenn es nicht geklappt hätte, da die Chemie zwischen uns schon beim Casting stimmte.


Ich kann mich noch ganz genau an die Zusage erinnern. Irgendwann klingelte das Telefon, und unser heutiger Produzent Jörg Winger teilte mir mit einer sehr tragischen Stimme mit, dass sich die Produktion für mich entschieden hat. Ich musste drei Mal nachfragen, bis ich begriff, dass ich Kommissarin bei der "SOKO Leipzig" sein sollte. Die Freude war dann natürlich groß.


ZDF: Was für ein Typ ist Hajo Trautzschke? Hat er eine Entwicklung in den letzten zehn Jahren durchlebt?


Schmidt-Schaller: Hajo Trautzschke ist ein bodenständiger und geduldiger Typ, deshalb wird er von manch einem unterschätzt. Doch ihm entgeht nichts. Eine Veränderung in dem Sinne gab es in den zehn Jahren nicht. Er ist der Alte geblieben, fährt jedoch nicht immer die gleiche Masche. Bei ihm muss auch nicht alles ausgesprochen sein. Dass man diesen Gefühlszustand zwischen den Zeilen spielen kann, machte für mich den Reiz dieser Figur aus.

Optisch hat sich Trautzschke mit den Jahren auch nicht wirklich verändert. Vielleicht sprießt das ein oder andere graue Haar mehr. Doch er trägt weiterhin Jeans, Hemd und Sakko. Nur bei besonderen Anlässen wirft er sich mittlerweile mal in Schale.
ZDF: Und wie sieht es bei Jan Maybach aus, Herr Girnth?



Girnth: Jan ist in den ersten fünf Jahren deutlich diplomatischer gewesen. Er hat eigentlich immer versucht, zwischen den Extremen zu vermitteln und auszugleichen. Durch Miguels Tod hat sich Jans Sicht auf die Dinge verändert. Es gibt für ihn jetzt weniger Grauzonen und viel mehr Schwarz und Weiß. Dadurch macht er zwar häufiger Fehler als früher, aber mir gefällt er jetzt besser ...



ZDF: Ina Zimmermann hingegen hat eine auffällige Entwicklung durchgemacht. Schließlich haben Sie, Frau Marschke, ein Kind bekommen und somit auch Ihre Figur Ina Zimmermann.


Marschke: Durch die Schwangerschaft ist Ina tatsächlich viel stärker und klarer geworden, aber auch selbstbewusster. Sie hat an Ausstrahlung dazu gewonnen. Daraus konnten die Autoren neue interessante Geschichten entwickeln. Zu Beginn der Serie war Ina ja eher eine klassische Polizistin. Sie stand hinter den Männern. Aber mit den Jahren ist sie zu einer starken Frau gereift.


ZDF: Deckt sich das auch mit Ihrer persönlichen Entwicklung?


Marschke: In der schauspielerischen Entwicklung wird man mit den Jahren stärker und davon profitieren natürlich auch die Figuren, die man spielt. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, und besonders die Jahre zwischen 30 und 40 sind meiner Meinung nach für eine Frau sehr spannend. Man findet mehr zu sich und kann sich dadurch klarer positionieren. Ich glaube, dass man das ausstrahlt und in seine Rolle einfließen lässt.


ZDF: Worin haben sich aus Ihrer Sicht die Geschichten geändert?
Marschke: Ohne das Prinzip aufzugeben, pro Folge einen abgeschlossenen Krimiplot zu erzählen, haben die persönlichen Geschichten der Kommissare mehr Raum erhalten. Es wird noch tiefer und kontinuierlicher auf die private Entwicklung der Protagonisten eingegangen. Ich mag das sehr, denn das nimmt den Figuren ihre Anonymität, gibt ihnen mehr Persönlichkeit. Rote Fäden ziehen sich innerhalb der Entwicklung der Figuren teilweise von Folge zu Folge.



Girnth: Wir können experimentierfreudiger werden. Wir haben immer wieder Folgen, die auch heikle politische oder gesellschaftliche Themen betreffen. Und seit Moskau waren wir noch vier Mal im Ausland, wobei die SOKO deutlich filmischer geworden ist als in den ersten Jahren.


ZDF: Wie versteht man sich nach all den Jahren untereinander?


Schmidt-Schaller: Die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Als der Älteste im Team bin ich damals auf junge Kollegen gestoßen, die wirklich Qualität liefern und nicht nur ihr Gesicht hinhalten wollten. Mittlerweile läuft das wie in einem eingespielten Fußballteam, da schließe ich alle mit ein, vom Beleuchter bis zum Tonmann.


Marschke: Das stimmt, wir sind gewachsen, haben viel gemeinsam erlebt und haben alle eine sehr ähnliche Berufsauffassung Wir lieben unseren Beruf und sind mit einer großen Portion Humor gesegnet. Wir sind ein "starkes Team".

Was gibt es Besseres als in einem Team zu spielen, in dem man sich gegenseitig immer wieder aufs Neue künstlerisch befruchten kann? Dafür bin ich sehr dankbar, denn sonst könnte man den Druck, die Hektik, die auch manchmal bei uns am Set herrscht, gar nicht aushalten. Man braucht Menschen um sich herum, mit denen man Spaß hat und mit denen man auf Augenhöhe steht.
Girnth: Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass die "SOKO Leipzig" nach all den Jahren immer noch so viel Spaß macht. Wir verstehen uns tatsächlich immer noch hervorragend. Es ist ein bisschen so wie in einer großen Familie. Es gibt immer auch mal Streit, aber prägend ist der grundsätzliche Respekt vor allen anderen und das Gefühl, bei der "SOKO Leipzig" auch zu Hause zu sein.



ZDF: Haben Sie je damit gerechnet, dass die "SOKO Leipzig" zehn Jahre auf Sendung sein wird?


Girnth: Am Anfang waren wir natürlich alle vorsichtig. Kein Mensch wusste, ob die Zuschauer neben "SOKO 5113" aus München eine weitere SOKO annehmen würden. Spätestens nach der zweiten Staffel hatte ich aber ein gutes Gefühl, dass die "SOKO Leipzig" noch einige Jahre vor sich hat. Und das Gefühl hab ich jetzt immer noch!


Marschke: Zwei, drei Jahre erschienen uns sehr lang. Aber irgendwann rechnet man nicht mehr und plötzlich waren es acht, neun und nun zehn Jahre. Wow! Das gibt es einfach nicht! Irgendwas machen wir wohl richtig ...


Schmidt-Schaller (): Ist tatsächlich schon so viel Zeit vergangen?!

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