Carl Ribarski - eine Figur mit Potential

Stefan Jürgens im Gespräch

Major Carl Ribarski, gespielt von Stefan Jürgens, ist Anfang 40 und in multikultureller Umgebung in einer Kleinstadt im Ruhrgebiet aufgewachsen. Er ist ein Mann mit Prinzipien - direkt, unbeugsam und leidenschaftlich. Carl Ribarskis Ernsthaftigkeit und sein Charme sind seine Markenzeichen: ein Polizist aus Überzeugung.

Stefan Jürgens alias Major Carl Ribarski Quelle: ZDF


ZDF: Herr Jürgens, ein Programm, mit dem Sie auf Tour waren, nennt sich "Langstreckenlauf". Die Rolle des Tatortkommissars Hellmann haben Sie damals relativ früh aufgegeben. Geht es mit der neuen Rolle des Ribarski in der "SOKO Wien" diesmal auf die Langstrecke?


Stefan Jürgens: Der Tatort ist eine Reihe mit 90-Minütern. Wenn man in 14 Monaten sechs Filme dreht, dann ist dies für mich ebenfalls eine Langstrecke. Mit der Entscheidung, eine Rolle in einem Format wie der SOKO Wien anzunehmen, bei der in der ersten Staffel zwölf Folgen und in der zweiten Staffel möglicherweise weitere zwölf Folgen produziert werden, ist klar, worauf man sich einlässt. Natürlich ist es wichtig, dass man sich im Team wohl fühlt. Eine Herangehensweise, nach einem Jahr wieder weg sein zu wollen, funktioniert dabei nicht. Ich fühle mich jedenfalls wunderbar. Wir haben großen Spaß beim Drehen, und innerhalb der Figurenkonstellation ist noch eine Menge möglich.


ZDF: Man sagt, dass das Wasser nicht gerade Ihr liebstes Element ist. Diese Abneigung ist in die Rolle des Carl übernommen worden. Gibt es noch mehr, was wir an Carl Ribarski entdecken werden, was Ihnen eigen ist?

Stefan Jürgens Quelle: ZDF


Jürgens: Eigentlich muss ich sagen, dass anders herum ein Schuh daraus wird. Der Carl Ribarski wird - zumindest gibt das die Hintergrund-Geschichte her - ausgerechnet in eine Truppe versetzt, die am Wasser arbeitet, womit er ein großes Problem hat. Er ist extrem wasserscheu - ich bin nicht wasserscheu! Ich bin aber auch kein Fan von tiefen Gewässern und muss nicht im Meer tauchen oder baden. Bei Carl Ribarski geht dies allerdings schon ein bisschen weiter. Wir haben die "Farbe" entwickelt, weil es wichtig ist, dass diese Figur kleine Ecken und Kanten hat, die das coole Bild bricht und beim Erzählen der Geschichte mehr Reibungsfläche erzeugt. Es gibt ja nichts Langweiligeres als Menschen, die alles drauf haben. Auf irgendeine Art muss man den Figuren, die über einen so langen Zeitraum angelegt sind, eine Identität mitliefern, die zwischendurch auch aus der eigenen Biografie gespeist wird.


ZDF: Konnten Sie in der Konzeptphase zu der Rolle die Kontur mitgestalten? Zum Beispiel Ihr humoristisches Talent einbringen?


Jürgens: Wenn von beiden Seiten der Wille zur Zusammenarbeit bekundet wird, dann bedeutet dies für mich automatisch, dass die Rolle gemeinsam in eine Richtung entwickelt wird, mit dessen Ergebnis sich beide Seiten letztlich auch wohl fühlen. Die Grundüberlegung bei der SOKO Wien war, eine Figur entstehen zu lassen, die im Team eine möglichst eigene Kontur hat und somit ein gewisses Konfliktpotential in sich trägt.

Vaterliebe Quelle: ZDF


ZDF: In den neuen Folgen der SOKO Wien werden wir mehr Dynamik und coole Typen erleben, die mit einem kultigen Auto und einem lockeren Spruch auf den Lippen durch die Landschaft fahren. Soll nach Ihrer Meinung damit auch das traditionelle Bild von der Stadt Wien etwas aufgefrischt werden?


Jürgens: Die zwei Staffeln vorher, die ohne mein Zutun realisiert wurden, hatten das herkömmliche Bild ebenfalls nicht mehr. Ich glaube allerdings, dass wir jetzt in der dritten Staffel noch einen entscheidenden Schritt weiter gehen. Damit ist sicher nicht beabsichtigt, ein vorhandenes Bild zu verändern, schon eher entsteht eine tatsächliche Momentaufnahme der Stadt. Vielleicht steht dies dem Bild entgegen, was man sich im fernen Deutschland von Wien macht. Insofern sehen wir im Ergebnis eine eigenständige Antwort auf das Klischee.


ZDF: Sie wurden nicht nur auf der fiktionalen Ebene in ein Team aufgenommen, auch als Kollege sind Sie neu zu einem eingespielten Team dazugekommen. Wie war das für Sie?


Jürgens: Großartig! Ich kann das wirklich nicht anders sagen. Großen Dank an das gesamte Team. Angefangen bei der Produktion, aber besonders bei dem Drehteam vor Ort, die mich mit offenen Armen aufgenommen haben, und nicht zuletzt bei meinen Schauspielerkollegen. So ein Projekt steht und fällt mit der Chemie zwischen den Leuten. Gerade mit meinem direkten Partner, Gregor Seberg, mit dem ich das "old couple" präsentiere, hätte es nicht besser werden können. Die Chemie stimmt einfach. An der Stelle eine Antwort auf die Frage, inwieweit ich meine humoristische Ader mit einbringen kann: Karl ist etwas zurückhaltender und hat einen etwas trockeneren Humor, dem auf der anderen Seite der Wiener Mutterwitz des Gregor Seberg gegenübersteht. Und dies gilt es, in dieser Serie zu präsentieren.

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