"Wir müssen auch bilden und informieren"

Fernsehredakteurin Silvia Lambri über SOKO Wien

Als Fernsehredakteurin der SOKO Wien hat Silvia Lambri die besten Einblicke in alles, was sich im Hintergrund der Krimiserie abspielt. Für ZDFonline plaudert sie aus dem Nähkästchen und verrät, was das Erfolgsrezept der Serie ist, welche Hightlights die sechste Staffel verspricht und wie sie immer wieder auf neue Ideen für spannende Krimifälle kommt.


ZDF: Was gefällt Ihnen ganz besonders an der SOKO Wien?


Silvia Lambri: Das Markante an der SOKO Wien ist das Ermittlerteam, das via Boot auf dem Wasser Kriminalfälle löst. Außerdem machen die sehr menschelnden Hauptfiguren den Charme der SOKO Wien aus: Da haben wir das Männercouple Major Carl Ribarski und Oberstleutnant Helmuth Nowak samt der Kommissarin in der Mitte: Penny Lanz, die Frau zwischen den beiden Männern. Und der Oberst Otto Dirnberger, der Chef der Truppe, rundet das Ganze ab.


ZDF: Was ist das typisch Wienerische an der Serie?


Lambri: Das besonders Wienerische ist das Lokalkolorit und die Stadtimpressionen von Wien. So viel wie möglich Lokalkolorit ja, aber so, dass es die Zuschauer sprachlich verstehen. Außerdem versuchen wir, die Stadt so gut einzufangen und auch touristisch so gut abzubilden, wie es geht.


ZDF: Wie finden Sie neue Ideen für Folgen?


Lambri: Das ist ganz unterschiedlich. Zum einen kommen Autoren mit Ideen oder man selbst sagt: "Dieses Motiv möchte ich aber gerne mal abgefilmt haben, um dieses Motiv herum soll sich etwas drehen ..." Oder ich schaue in die Zeitung und lese einen spannenden Fall und denke: "Das könnte ich auch mal in der SOKO Wien bringen!"


ZDF: Haben Sie dazu ein konkretes Beispiel?


Lambri: Ja, es gab unlängst eine Geschichte, dass ein Polizist im betrunkenen Zustand das Kind der Lebensgefährtin tot gefahren hat. Das war die Vorlage für eine sehr emotionale Folge, die wir auch für die sechste Staffel umgesetzt haben.


Oder was sehr interessant war: eine Migrationsgeschichte. Es ging um zwei Familien, die sich gegenseitig bekriegen - doch am Ende gab es eine Versöhnung. Unsere Folgen sind somit auch politisch angehaucht. Wir werben auf Grund einer fiktiven Geschichte, die aber durchaus so in der Realität geschehen ist, für Völkerverständigung.


ZDF: Dann wäre die Idee der Serie, die Leute nicht nur zu unterhalten sondern auch zu bilden?


Lambri: Ja, wie es im Grundauftrag, den das ZDF ja hat, steht. Wir müssen durchaus auch bilden und informieren.


ZDF: Die SOKO Wien dauert ja immer ca. 45 Minuten ...


Lambri: genauer gesagt 43:30.


ZDF: ... die Fälle sind häufig so dicht, dass wenig Platz ist, um auf das Private der Kommissare zu kommen.


Lambri: Das ist das Prinzip der SOKO. Der Krimifall steht im Fokus. In manchen Krimiserien ist es so, dass über mehrere Folgen kurz etwas Privates erzählt wird. Das machen wir nicht. Unsere Folgen sind episodisch abgeschlossen, aber es ist durchaus so, dass unsere Kommissare auch mal eine Liebesgeschichte erleben oder wir einen privaten Hintergrund erzählen. Das haben wir eigentlich in jeder Staffel. Oder sie werden in einen Mordfall verwickelt. Oder sie sind emotional angebunden an den Fall.


ZDF: Wie schafft man es, den Ermittleralltag realistisch darzustellen?


Lambri: Durch sehr gute Recherche der Autoren und der Redakteure. Und ich habe vor über einem Jahr ein einwöchiges Praktikum bei Interpol in Wien gemacht. Das hat mir sehr gute Einblicke in die Abläufe gegeben und ich konnte meine Erfahrungen an die Autoren weitergeben.


ZDF: Was haben Sie dort gelernt?


Lambri: Ich habe einen detaillierteren Einblick in verschiedene Abläufe bekommen. Und auch eine brenzlige Situation erlebt: Ich hatte einen Nachteinsatz - eine Ermittlung im Drogenmilieu. Dabei hat ein Verdächtiger plötzlich ein Messer gezogen, und ich stand nicht mal einen Meter davon entfernt.


Oder eine andere Situation war auf einem Straßenstrich. Wenn man erfährt, wie die Mädchen dort hineinrutschen, bekommt man einen zutiefst menschlichen Einblick, der einen sehr betroffen macht. Und natürlich bekommt man auch Einsichten in den polizeilichen Apparat.

Man erfährt viel über die Schicksale der Polizisten: Dass ganz viele Polizisten z. B. geschieden sind, weil die Arbeit sie so einnimmt und mitnimmt. Und es gibt ja auch Ermittler, die sich umbringen, weil sie vieles nicht verkraften.


ZDF: Dürfen Sie denn schon etwas über die Highlights der sechsten Staffel verraten?


Lambri: Da gibt es eine gelungene Mischung aus sehr spannenden und hochemotionalen Krimifällen. Wir haben z. B. eine Folge, die sich mit dem Jenseits beschäftigt. Und es gibt wieder eine Migrationsfolge, in der es diesmal um Rassismus geht. Wir haben eine sehr schöne emotionale Folge mit alten Menschen. Sie spielt im Altersheim. Dann haben wir auch eine Folge, die in einem ganz anderen Milieu spielt - nämlich im Zoo - mit dem Titel "Tierisch tödlich".

Dann gibt es eine Liebesgeschichte, die sich um Kommissar Helmuth Nowak rankt. Im Kunstmilieu spielt eine Folge, die angelehnt an Christo, den Verpackungskünstler, ist. Dann haben wir eine Folge, die ausschließlich auf dem Friedhof spielt. Und es wird eine Folge geben, die sehr das jüngere Publikum anspricht, der Arbeitstitel lautet "Am Limit". Es geht um einen Jetskiunfall. Und in einer geht es um einen Suizid, bzw. wie ein Lokführer mit einem Suizid umgeht.


ZDF: Und es gibt eine neue Gerichtsmedizinerin.


Lambri: Sie wird gespielt von Maria Happel. Die Gerichtsmedizinerin kommt aus Frankfurt und heißt Dr. Franziska Beck. Sie hatte eine große Liebe mit einem Professor. Nach dessen Tod hat sie sich auf diese freie Stelle in Wien beworben. Sie ist eine künstlerisch und sportlich ambitionierte Frau; sie singt im Frauenchor und spielt Bowling spielt. Sie ist italophil. Sie fährt Wespa. Sie liebt Wien. Sie liebt gutes Essen. Sie liebt es, bei der Arbeit Schlager zu summen. Sie ist eine Frau mit Tiefgang, die aber auch ein sehr heiteres Potenzial hat.

Nach Wien ist sie wegen ihrer Freude am guten Essen gegangen, der Freude am Wiener Schmäh und dem ganz eigenen Umgang der Wiener mit dem Tod, der zynischer, sarkastischer ist. Und egal, wo sie ermittelt, sie weiß immer, wo es in der Nähe ein gutes Restaurant gibt. Sie mag Helmuth Nowak ganz besonders gern. Und Nowak mag sie auch gerne. Aber er würde dies natürlich nie zugeben.


ZDF: Was ist mit Dr. Trautmannsdorf passiert?


Lambri
: Die Schauspielerin Sandra Cervik ist ausgeschieden. Sie hatte viele Theaterverpflichtungen und wollte auch mehr Theater spielen.


ZDF: Was bringt Maria Happel Neues in die Serie ein?


Lambri
: Das humorige Element und das Flirten mit Helmuth Nowak. Vorher lag da der Fokus ja bei Carl Ribarski und Dr. Trautmannsdorf. Maria Happel hat eine absolut heitere, komödiantische Seite.


ZDF: Haben Sie einen Wunschfall, den die SOKO Wien noch lösen soll?


Lambri
: Eigentlich mehrere. Ein Wunschfall wäre, die sehr spannenden international agierenden Behörden, die in Wien sitzen - wie die OPEC - mehr als Motive zu nutzen. Und natürlich irgendwann noch mal einen ganz spektakulären Fall auf der Donau zu inszenieren. Ich denke dabei nicht unbedingt an eine große Explosion. Was uns auch gelingen sollte, ist, auf dem Cityliner zu drehen. Das ist das Tragflächenboot, das Wien mit Bratislava verbindet.

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