Raus aus Apathie und Armut

Lavender Hill, Kapstadt

Das Hilfsprojekt von "Brot für die Welt" in Kapstadt, Südafrika

Show | Weihnachts-Hits - Wolfgang Lippert unterwegs in "Lavender Hill" - Das Hilfsprojekt von "Brot für die Welt" in Kapstadt, Südafrika

80.000 Menschen leben in "Lavender Hill", einer der Siedlungen rund um Kapstadt, in Apathie und Armut.

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3 min
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Lavender Hill ist eine der Siedlungen in den Cape Flats rund um Kapstadt, die sich die Planer des Apartheidregimes einfallen ließen, um Schwarze und Coloureds aus den schönen, weißen Wohngegenden zu vertreiben. Lavender Hill wurde für "Menschen zweiter Klasse" gebaut, und genauso sieht es aus: Reihe um Reihe von Wohnblocks. Es gibt keinen Spielplatz, keinen Supermarkt, kein Kino, nicht einmal einen Baum gibt es in dieser betonierten Einöde. 4000 Familien leben hier. Mehr als 60 Prozent der Menschen sind arbeitslos. Bis zu 70 Prozent jedes Jahrgangs verlassen die Schule vorzeitig.

Die New World Foundation (NWF) - gefördert von Brot für die Welt - arbeitet in Kapstadts Townships Lavender Hill und Vrygrond. Die sogenannten "coloured townships" sind das Zuhause von etwa 100.000 Menschen. Die Einwohner leben durchaus in festen Häusern, aber auch in einfachen Wellblechhütten. Viele Anwohner haben ein geringes Selbstwertgefühl. Sie leiden an Apathie, die sie gefangen hält in einem Kreislauf aus Armut und Hoffnungslosigkeit. Häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch - Drogen- und Alkoholmissbrauch in Familien, Gewalt im Township durch rivalisierende Jugendgangs und Hunger gehören zum Alltag der Menschen in Lavender Hill.

Kinder aus der Siedlung Lavender Hill halten Friedensplakaten in den Händen
Kinder aus der Siedlung Lavender Hill Quelle: New World Foundation

Die psychischen Belastungen, die teilweise noch aus der Apartheid-Ära stammen, die hohe Arbeitslosenrate (65% der Ü21-Jährigen sind arbeitslos (2013)) und ein hohes Maß an häuslicher Gewalt sowie Bandenkriminalität erschweren die Versuche, den Betroffenen aus dieser Situation herauszuhelfen. 59% der Haushalte verdienen 3.200 Rand (etwa 182 Euro) im Monat bei Lebenshaltungskosten vergleichbar mit denen Europas.

Es fehlt an ausreichend vorhandenen Lernorten und Ressourcen vor allem für die jungen Leute. Unterstützung seitens der Regierung gibt es kaum und die Polizei ist wenig präsent, wenn nicht gar ganz abwesend.

Lavender Hill besteht aus 50 Wohnhausblöcken. Zwischen je zwei Wohnblöcken liegt ein Hof – ein court. Diese courts (insgesamt 25) sind mit Hilfe NWFs in court committees organisiert und treffen so gemeinsam Entscheidungen. Dazu kommen weitere 5 street committees, die sich nach Vorbild der court committees gebildet haben. Je nach Thema werden Treffen zwischen den court committee Abgeordneten entweder von diesen oder von NWF organisiert und treffen sich dann in dem Versammlungsraum von NWF.

NWF und Brot für die Welt arbeiten nun schon seit 25 Jahren zusammen. Im Fokus steht die Gemeindearbeit in den Cape Flats. Noch vor zwei Jahren baute NWF mit Mitteln von BfdW einen Kindergarten um und renovierte ihn komplett.

Kernarbeit der New World Foundation ist in Lavender Hill die Stärkung der Selbsthilfekräfte der Menschen durch den Aufbau und die Unterstützung der o.g. Street and Court Committees und durch die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Frauen. Das Programm basiert auf drei Komponenten: Schaffung von sicheren Lernumgebungen und sozialen Räumen (Kindergarten, life skills-Training, Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung, Freizeitaktivitäten, Beratungsservice, Zusammenarbeit mit den Committees und Regierungsstellen in Fragen der öffentlichen Sicherheit), Konfliktmanagement und Aggressionsbewältigungstraining sowie Berufsberatung (Karriereberatung, soft skill-Training, Lebenslauftraining, etc.).

Die Kurse zur Berufsvorbereitung, in Hauswirtschaft und Kindererziehung verbinden die Vermittlung von beruflichen Fähigkeiten mit dem Erwerb von lifeskills. Lifeskills - das sind "Lebensfähigkeiten", die den Kursteilnehmenden helfen, das tägliche Leben besser, effizienter und vor allem eigenverantwortlich zu organisieren. Das fängt damit an, sich der eigenen Ängste bewusst zu werden, geht über das Entdecken und Fördern ungeahnter Talente und hört bei Fähigkeiten wie Zeit-Management und Konflikt-Bearbeitung noch lange nicht auf.

Zudem hat NWF eine Gruppe mit ehemaligen Gangstern etabliert, die den Jungen und Mädchen Alternativen zum "coolen Gangsterleben" aufzeigen möchte.

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