Felix Klieser im Interview

"Ich würde genauso Musik machen wollen, wenn ich weniger erfolgreich wäre"

ZDF: Herzlichen Glückwunsch zum "ECHO Klassik" als "Nachwuchskünstler des Jahres"! Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Felix Klieser : Ich habe mich sehr gefreut als ich erfahren habe, dass ich in diesem Jahr den "ECHO Klassik" bekomme. Einerseits freue ich mich für mich, andererseits freue ich mich für mein Instrument, dem Horn und die Aufmerksamkeit, die es dadurch bekommt.

ZDF: Wie können Auszeichnungen wie der "ECHO Klassik" und die Preisverleihungsgala zur Musikvermittlung beitragen?

Klieser: Der "ECHO Klassik" ist ein wunderbarer Rahmen für wunderbare Musik und eine schöne Möglichkeit für Menschen, unverkrampft mit klassischer Musik in Berührung zu kommen. Und das halte ich für sehr wichtig. Ich habe öfter erlebt, dass Leute, die sich in dieser Welt nicht so gut auskennen, nicht wissen, wie sie sich korrekt verhalten sollen und davor zurückschrecken. Das finde ich sehr schade. Schließlich soll es ja darum gehen, die Musik zu genießen.

ZDF: Fernsehen ist ein Massenmedium, die Verleihung des "ECHO Klassik eine der besteingeschalteten Klassiksendungen. Wie schätzen Sie unsere Rolle für die Verbreitung klassischer Musik ein?

Klieser: Der "ECHO Klassik" ist ein sehr medienwirksamer Preis. Dadurch bekommt die klassische Musik natürlich eine große Aufmerksamkeit. Ich halte diese Aufmerksamkeit für sehr wichtig und auch notwendig. Schließlich wünschen wir uns ja, dass klassische Musik in der Mitte der Gesellschaft ist. Und das erreichen wir nicht, wenn wir uns nur in unsere Konzertsäle zurückziehen.

ZDF: Worin unterscheiden sich Bühnen- und Fernsehauftritt?

Klieser: Für mich besteht dort kein wesentlicher Unterschied. Wenn ich auf eine Bühne gehe, spiele ich für die Menschen im Saal. Und im Fernsehen spielt man eben für die Menschen vor den Bildschirmen. Nur, dass man im Fernsehen natürlich viel mehr Menschen erreichen kann als in einem Konzertsaal. Daher halte ich es für sehr wichtig, dieses Medium auch zu nutzen.

ZDF: Gibt es etwas, das Sie als "Nachwuchskünstler des Jahres" jungen Menschen mit auf den Weg geben wollen, die von der großen Klassikkarriere träumen?

Klieser: Wenn man Karriere als klassischer Musiker machen will, sollte man sehr ehrgeizig sein und jede Menge Geduld und Ausdauer mitbringen. Außerdem halte ich es für sehr wichtig, eine eigenständige musikalische Persönlichkeit zu entwickeln und zu versuchen, seinen eigenen Weg zu finden.

ZDF: Muss sich an der Vermittlung von klassischer Musik etwas ändern, um auch junge Leute anzusprechen, und wenn ja, was?

Klieser: Es wäre gut, wenn man jungen Menschen vermitteln könnte, dass klassische Musik in erster Linie Spaß macht. Und auch wir Künstler können viel dafür tun, indem wir uns öffnen und zeigen, dass wir kein elitärer Haufen sind, sondern ganz gewöhnliche Menschen, die eben Musik machen. Wenn wir da Mauern einreißen, würde das meiner Meinung nach schon viel helfen.

ZDF: Waren Sie schon einmal kurz davor, Ihre Karriere als Musiker aufzugeben? Wenn ja, wie sind Sie über dieses Tief hinweggekommen?

Klieser: Nein, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich habe mich ja irgendwann mal dazu entschlossen, Musiker zu werden, da ich es liebe, Musik zu machen. Und das ist für mich das Entscheidende. Ich würde genauso Musik machen wollen, wenn ich weniger erfolgreich wäre.

Das Interview führten Tobias Feilen und Timo Rieth

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