Der "tragische Alleinunterhalter"

Peter Till und sein Druckluftorchester sorgen für ordentlich Dampf auf der Bühne

Peter Till bezeichnet sich selbst als der "Daniel Düsentrieb von Dresden": Mit Druckluft, ausschließlich mechanischen Instrumenten und Hightech-Software im Hintergrund bringt der Musiker Nostalgie und einen Hauch des mechanischen Zeitalters auf die Bühne. Am Dienstag, 21. Februar, ist der Dresdner bei "Karnevalissimo" im ZDF zu sehen.

Peter Till und sein Druckluftorchester
Peter Till und sein mobiles Druckluftorchester Quelle: ZDF

Eine kleine Kuriosität

ZDF.online: Haben Sie das Druckluftorchester selbst gebaut?

Peter Till: Ja, das ist alles Eigenbau. Ich habe ja in meinem ersten Leben einen ordentlichen Beruf gelernt – Werkzeugmacher. Es ist toll, dass sich so etwas daraus entwickeln kann: Es ist eine schöne Verbindung, dass man sich Instrumente selbst bauen und die auch noch bedienen kann. Und es ist schön, dass kleine Kuriositäten wie das Druckluftorchester ihre Nische finden.

ZDF.online: Wie kamen Sie auf die Idee zum Druckluftorchester?

Peter Till: Die Geschichte klingt immer so, als hätte man sie sich ausgedacht, aber sie ist wahr: Auf einem Trödelmarkt in Barjac in Frankreich habe ich ein Manometer - also einen Druckmesser für Gase und Flüssigkeiten - gesehen, so ein schönes Messing-Manometer. Und mir kam die Idee, dass man doch auch mechanische Instrumente mit Druckluft betreiben könnte. Also habe ich dieses Teil gekauft. Dieses Manometer aus meinem ersten Druckluftorchester spielt auch heute noch, aber ich bin nicht mehr solo damit unterwegs. Es hat also nichts mit der Maschine zu tun, die jetzt bei "Karnevalissimo" in Aktion ist, aber es ist sozusagen der Ursprung, und es ist noch in Betrieb.

ZDF.online: Wie ging es nach dieser ersten Anschaffung weiter?

Peter Till
Peter Till: Musiker, Bastler, Entertainer Quelle: ZDF

Peter Till: Das erste Druckluftorchester habe ich für ein Theaterstück gebaut, das in meiner Heimatstadt Dresden spielte. Dieses Stück hatten mein Kollege Dieter Beckert und ich auch selbst geschrieben. Ich habe hier einen tragischen Alleinunterhalter gespielt, der immer zwischen Kunst und Kommerz hin- und hergerissen war. Und diese Figur hat mir so gut gefallen, dass ich mir dachte: Ich würde gerne selbst einmal so ein tragischer Alleinunterhalter sein. Außerdem dachte ich: Schade eigentlich um die Instrumente, die nur für dieses Theaterstück gemacht worden waren. Kurzerhand habe ich die fahrbare Bühne darunter gebaut und bin mit dieser Bühne in Dresden auf die Brühlsche Terrasse gefahren. Dort habe ich dann ein bisschen Straßenmusik gemacht - und das brachte mir die Erfahrung als tragischer Alleinunterhalter, die ich wollte. Allerdings währte dieses Straßenmusikerdasein nicht sehr lange, denn ich wurde recht schnell engagiert. Damit ging die Zeit der "Musik auf Rädern" los. Heute toure ich durch ganz Deutschland und bin bei großen Shows, auf Straßen- und Weinfesten, Festivals, aber auch auf Firmen- und Privatfeiern zu sehen.

ZDF.online: Aus wievielen Instrumenten besteht das Druckluftorchester?

Peter Till: Das Orchester ist immer variabel. Es gibt zusätzlich zur jetzigen Ausstattung noch ein Xylophon, es gibt Hupen, es gibt verschiedene Objekte, die man irgendwo hinhängen kann. Das heißt, im Grunde gibt es viele Komponenten, die in verschiedenen Konstellationen gespielt werden können.

Ein Mix aus Tradtion und Hightech

ZDF.online: Spielt das Orchester tatsächlich mit Druckluft? Wie funktioniert es genau?

Peter Till: Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine große, starke Tradition mechanischer Instrumente. Man kam in eine Kneipe und hat überall ein mechanisches Klavier gefunden. Da wurde viel gebastelt. Damals wurden Instrumente genauso mit Druckluft betrieben, aber man hatte, um diese Druckluft zu steuern, ein Lochband. Das musste mühsam angefertigt werden. Heute habe ich stattdessen Kompressoren auf der Bühne, die sind allerdings flüsterleise, so genannte "Silence-Kompressoren". Die hört man also nicht, wenn die Musik spielt. Sie erzeugen erstmal den Druck. Und das, was man vorher mit einem Loch in einem Papierstreifen realisieren konnte, mache ich heute digital. Natürlich sind dort High-Tech-Rechner am Werk, die das Ganze ansteuern. Man muss sich das so vorstellen, dass ein elektrischer Impuls gegeben wird, der ein Druckluftventil bedient, das sich öffnet. Dann kann man an diesem Druckluftventil einen Druckluftzylinder anbringen und kann dadurch eine mechanische Bewegung ausüben. Jetzt muss man das Ganze nur noch in eine organisierte Reihenfolge bringen - dann hat man so etwas, was man Rhythmus nennt.

ZDF.online: Sind Sie also ein Tüftler?

Peter Till: Ja, ich bin sozusagen der Daniel Düsentrieb von Dresden. Dieses Tüfteln und dieses Sich-irgendetwas-Ausdenken und dann umsetzen, und dann funktioniert es auch noch - das macht mir große Freude. Und ich habe das große Glück, dass ich dafür auch noch Beifall bekomme. Da muss ich jetzt mal auf Holz klopfen. Ich stehe als Solist sehr im Zentrum, und mir schlägt tollerweise viel Empathie entgegen. Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen, das weiterzumachen. Wir sind ja alle irgendwie auch Egomanen, die es mögen, Zuspruch zu bekommen.

Mechanisches Erlebnis gespickt mit Selbstironie

ZDF.online: Wie sind die Reaktionen der Menschen? Welches Feedback bekommen Sie?

Peter Till: Ich habe ja einen schönen Hochsitz mit meinem Mobil und kann das Auditorium gut beobachten. Am besten gefällt mir, wenn ich den Leuten ein bisschen ein Schmunzeln auf die Lippen jagen kann und wenn eine kleine Verwunderung da ist über das, wie es funktioniert. Ich merke, dass es für Kinder bis zu alten Leutchen schön ist, wenn man die Dinge sinnlich wahrnehmen kann. Mechanische Instrumente kennt man ja kaum noch, und man kann sie so wunderbar sinnlich wahrnehmen. Dass man das "Musik machen" wieder richtig sieht und verstehen kann, wie es geht - das in Verbindung mit einer selbstironischen Performance erzeugt vielleicht Freude. Und das ist für mich der Idealfall.

ZDF.online: Waren Sie auch vor dem Druckluftorchester schon Musiker?

Peter Till: In den 80er-Jahren habe ich Musik in einem Rocktheater gemacht. Das heißt, wir haben uns immer mit theatralischen Zusammenhängen und Musik beschäftigt und nicht einfach nur tolle fetzige Rockmusik machen wollen. Es war also schon immer eine Geschichte, die irgendwie in einem szenischen, theatralischen und auch ansehbaren Zusammenhang stand und nicht nur die einfache Rockpose meinte. Aus dieser Tradition kommend, lag es dann vielleicht auch nahe, dass ich alleine etwas mache, das auch etwas Theatralisches hat.

ZDF.online: Leben Sie Ihren Traum?

Peter Till: Traum ist ein großes Wort und sehr poetisch. Aber wenn ich mich so zurücklehne, denke ich schon manchmal: Ups mit dieser Absicht habe ich das gar nicht gebaut. Ich hab' das einfach so gemacht - und jetzt ist es da und ich kann sehr gut davon leben. Das ist eine sehr tolle Kombination. Ich bin natürlich auch viel alleine damit unterwegs – deshalb auch immer der Begriff "tragischer Alleinunterhalter". Aber im Grunde agiere ich einfach immer nach Gefühl und Wellenschlag und getreu dem Prinzip: "Ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration". Denn bei aller Passion ist und bleibt die Verwirklichung von Träumen auch Anstrengung.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.