Schulz & Böhmermann

Ein Gespräch. Zwei Moderatoren. Vier Gäste. Sechzig Minuten. Zweihundert Zuschauer.

"Schulz & Böhmermann" - Eine unkonventionelle Talkshow für alle, die keine klassischen Talkshows mögen. Ein Gespräch. Zwei Moderatoren. Vier Gäste. Sechzig Minuten. Zweihundert Zuschauer.

Die beiden Gastgeber, Olli Schulz und Jan Böhmermann sind nicht vermittelnd, sondern Partei ergreifend, polarisierend, gerne provozierend, dabei jedoch meist charmant und freundlich - und immer: sie selbst. 

Die Moderatoren talken mit vier geladenen Gästen über gesellschaftliche, kulturelle und politische Themen in einem Studio mit reduzierter, schlichter Kulisse vor Publikum. Inhaltliche Schwerpunkte ergeben sich durch die besonderen Konstellationen der Gäste und der Moderatoren.

Die Gäste vorgestellt von Sibylle Berg

Sendung 1

Jörg Kachelmann, Olli Schulz, Gert Postel, Anika Decker, Jan Böhmermann und Kollegah (v.l.n.r.)
Jörg Kachelmann, Olli Schulz, Gert Postel, Anika Decker, Jan Böhmermann und Kollegah (v.l.n.r.) Quelle: ZDF und Ben Knabe

Anika Decker Ist Sascha Arango der Star-TV-Drehbuchautor für müde kulturpessimistische AFD-nahe Herrenreiter, so gilt Anika Decker als die erfolgreichste Unterhaltungsdrehbuchautorin des deutschen Kinos. Mit ihren Vorlagen für einige der berühmtesten Til Schweiger Filme, verhalf sie ihm zu dem Erfolg, für den er immer wieder Respekt einfordert. Die kapriziöse Autorin, die vornehmlich in Seidenpyjamas arbeitet, in jedem ihrer Drehbücher Hundewelpen hineinschreibt, um sie am Set anzufummeln und ihre Wohnung nur verlässt, um mit der Homeland-Produzentin Tee zu trinken, landete mit ihrem Regiedebüt, bei dem sie auch als Produzentin und Autorin war, einen Blockbuster. Als erste Frau in der neudeutschen Filmgeschichte. Wir freuen uns auf die quirlige Blondine und das sage ich nur, weil ich schon immer einmal quirlige Blondine sagen wollte.

Jörg Kachelmann Über achtzehn Jahre war Herr Kachelmann der Knuddelschweizer der Fernsehzuschauer und musste dann erfahren, dass es keine wahre Liebe ist, die der Fan seinem Medienidol entgegenbringt. Es ist nur Geilheit. Der fröhliche Meteorologe geriet in einen Schauprozess, die Welt wandte sich ab, sein Arbeitgeber ARD lies ihn fallen, seine Firmen dümpelten dahin, die Lügenpresse verfolgte ihn gefühlte Jahre. Vielleicht die späte Rache der Boulevardpresse dafür, dass Herr Kachelmann einst seine 17 Studiengänge abbrach, um bei einer Klatschzeitung zu arbeiten. Egal. Die dunkle Zeit seines Lebens ist nun fast vorbei. Heute beeft Herr Kachelmann noch ein wenig mit Herrn -jetzt habe ich leider den Namen des Ex-Bild Chefs vergessen - und freut sich auf die größte Schadensersatzzahlung, die Springer je leisten musste. Wir wünschen ihm alles Gute und die Erkenntnis, dass man wahre Liebe nur mit Geld kaufen kann.

Kollegah Jung zu sein und Mann ist eine der anstrengendsten Krankheiten. Die heutigen Initialisierungsriten der Pubertierenden, die nicht das Zeug haben, um in Silikon Valley durchzustarten, sind mühsam. Um sich von allem Weiblichen, Weichen, Labbrigen zu befreien, muss der Haltsuchende Muskeln trainieren, zum Islam konvertieren (früher wären es die Neonazis gewesen, oder ein Kirchenchor, die dem jungen Mann Halt in der homoerotisch konnotierten Männergruppe geben) und rappen. Ist man klug, wie Herr Kollegah, schafft man es fast so anspruchsvoll zu reimen wie Sido, und weiß um die Vergänglichkeit von Ruhm, die gerade im Rappgeschäft sehr schnell erfolgt, denn Rapper in einem skorpionesken Alter sind selten. Herr Kollegah studiert darum Jura und wird vermutlich wie unter Rappern üblich, ein Praktikum im Kanzleramt anstreben, um im Anschluss Justizminister zu werden oder Sozialarbeiter.

Gert Postel Wäre Herr Postel, oder wie Buddys sagen: Dr. med. Dr. Phil. Clemens Bartholdy, (von Beruf Verwerter seiner diversen medizinischen Anstellungen) weniger klug, hätte er das Zeug zu einem 1a Verschwörungstheoretiker. Wäre er noch klüger, würde er nicht glauben, über Gesetze erhaben zu sein und wäre, statt seine Bedeutungsbehauptung zu perfektionieren, Forscher geworden, der seine intellektuellen Fähigkeiten zum Wohle der Weltbevölkerung nutzen würde. Schade. Die unseligen Dispositionen seiner Psyche führen zu einer amüsanten Dauerscharlatanerie und vermutlich dem ständigen Gefühl verkannt zu sein. Wir sind Herrn Postel außerordentlich dankbar dafür, dass seine Neigungen nicht der Gehirnchirurgie galt, wir lesen gerne über ihn, wir hören seinen Geschichten gerne zu, in seinem Kopf wohnen wollen aber die Wenigsten.

Sendung 2

Ann-Marlene Henning,Olli Schulz, Nora Tschirner, Paul Ronzheimer und Katrin Göring-Eckardt
Ann-Marlene Henning,Olli Schulz, Nora Tschirner, Paul Ronzheimer und Katrin Göring-Eckardt (v.l.n.r.) Quelle: ZDF

Ann-Marlene Henning Geschlechtsteile beim Arbeiten beobachten – was eine geiler Job, so als Sexologin - denkt der Honk. Doch leider ist die Realität wieder öder als man meint. Sexologie beschäftigt sich mit der Einfalt der Menschen, die nach einem Sinn im Leben suchen oder nach dem Geheimnis, dass Sex zu mehr macht als Sex. Doch das wird nicht geliefert, so sehr die Leute sich auch verschnüren und betrügen, sich Dinge in alle Öffnungen schieben. Sex wird einfach nie mehr als ficken. Frau Henning studierte Jura und Neuropsychologie, Sexologie und Paartherapie. Ihr Buch „Make Love“ wurde vom Weltbild Verlag auf den Index gesetzt und sie verbot die russische Ausgabe, weil da ein Passus über Homosexuelle gestrichen war. Sie macht alles richtig und sagt richtige Sachen wie, dass Sex nicht nötig ist, um sich zu lieben. Punkt. Keine Pointe.

Katrin Göring-Eckardt  Waren die Trikotagen grüner Politiker vor zwanzig Jahren noch eine Umarmung für alle Freaks, Kiffer und Gammel-Schwestern, so schreien die Sakkos der Grünen Spitzenkraft Frau Göring-Eckardt heute: Ich bin wie Du, ratloser, vegetarischer Christ, ich verstehe Dich müder Sachbearbeiter auf dem Weg in dein Miet-Einfamilienhaus in Unna an der Wuppe. Das Verrückteste, was Journalisten zu der konservativen Grünen einfiel, ist: Sie hat ein gutes Gespür für Meta-Themen. Zum Beispiel für fröhlich-vegetarische Rezepte auf ihrer Webseite. Manchmal backt sie selber Brot, vielleicht weint sie dabei. Sie mag Edward Snowden, Homosexuelle, ist Feministin – Verzeihung, jetzt bin ich kurz eingenickt - und hat, wie fast alle Politiker, ein gespaltenes Verhältnis für Bekleidungsästhetik. Frau Eckardt ist sicher ein guter Mensch.

Paul Ronzheimer What’s importent for you, if u see Hongkong as a City? Ist einer der Sätze, mit denen der passionierte Schutzwestenträger journalistische Geschichte schrieb.
Der junggebliebene Bildjournalist hat die Kunst des diaphragmatischen, gleichsam rhetorischen Atmens, zur Meisterschaft perfektioniert. Wenn Herr Ronzheimer nach jedem zweiten Wort eine beredte Pause setzend, raunend und dräuend in irgendeinem Kampfgebiet der Welt, wie zum Beispiel Griechenland, davon spricht, dass die Situation krass gefährlich ist, ahnt der Betrachter: das ist kein hirntoter Bildjournalist. Dieser Mann ist materialisierte Philosophie. Zu intelligent, um die Beharrlichkeit menschlicher Dummheit zu bekämpfen, holt das Genie den Menschen da ab, wo er wohnt: im Morast seines Geistes.

Nora Tschirner Vor über zehn Jahren war Nora Tschirner zusammen mit Christian Ulmen das Lustigste, was es damals im Fernsehen zu sehen gab. Über vierzig Filme später, ist es der 56- Sprachigen gelungen, keine Taschenläden einzuweihen, nicht mit ihrem Kind auf  dem roten Teppich rumzueiern, oder witzige Busenfotos mit Oliver Rath zu machen. Unter Ausschluss der deutschen Lügenpresse, spielt sie in englischen Filmen, dreht Dokumentarfilme und singt in einer sehr guten Band. Sie kämpft gegen Nazis, wann immer sie einen trifft und das Schlimmste, das ihr in der öffentlichen Wahrnehmung - auf die eh geschissen ist- passieren kann, ist die Verwechselung mit Aylin Tezel. Warum so ein kluger Mensch, so einen albernen Beruf hat und nicht Atomphysikerin geworden ist, werden wir vielleicht heute erfahren.

Sendung 3

Axel Petermann, Olli Schulz, Anton Claaßen, Samuel Koch, Jan Böhmermann und Katrin Bauerfeind (v.l.n.r.)
Axel Petermann, Olli Schulz, Anton Claaßen, Samuel Koch, Jan Böhmermann und Katrin Bauerfeind (v.l.n.r.) Quelle: ZDFneo, Ben Knabe

Axel Petermann Herr Petermann kommt aus einer Zeit, in der Serienmörder noch das Böseste waren, dass man sich in den Vororten vorstellen konnte, in der die Kommissare die Guten waren und Schnauzbärte trugen. Der akribische Kommissar wurde Fallanalytiker, aber leider bevor sein Beruf Profiler hieß und hip wurde. Petermann durchlebte 1000 Tode, würde der kleine Poet in mir sagen, in den Jahren vor all den Psychothrillern und Serien. Auf dem Höhepunkt der Vermainstreamung seines Berufes, musste er in Pension und heute, wo Petermann gemütlich Profiler-Bestseller schreiben und mit Profiler-Events Hallenstadien füllen könnte, ist der Daesh das neue heiße Gruselding. Dumm gelaufen.

Samuel Koch Wer jemals einen gebrochenen Fuß hatte, eine verletzte Hand, erinnert sich vielleicht daran, wie sich das Leben um die Einschränkung gruppierte. Wie die Welt der kaputte Fuß wurde, um den es sich zu bewegen galt, wie man Schmerz war und aus dem Kreis der Gesunden, ins Abseits der Nichtfunktionierenden geriet. Wer jemals irgendeinen Scheiß hatte, kann sich vorstellen, wie es Herrn Koch gehen muss, bei dem fast nichts mehr geht. Außer dem Kopf und dem Verstand, mit dem er schneller ist und brillanter als 99% der meisten Menschen, denen er begegnet und von denen er sich von oben herab Mist anhören muss. Herr Koch rollt, fast jeden Tag, auf eine Theaterbühne, er schreibt Bücher, er hat Lanz und Schweiger überlebt. Er wird heute intellektuell ein wenig unterfordert werden, aber so ist das eben im Fernsehen.

Katrin Bauerfeind Ihr Kindheitstraum war auf einer Bühne zu stehen. Irgendeiner. Irgendwo. Wäre ich noch mehr Gott, hätte ich ihr eine kleine Holzplanke an den Ufern des Amazonas errichtet, sie darauf positioniert und mit donnernder Stimme gefragt: So und nun? Gut, dass ich weniger Einfluss habe, denn jetzt moderiert Frau Bauerfeind diverse Sendungen, Shows, schauspielert und will vor allem, Menschen unterhalten. Dagegen ist nichts einzuwenden und es ist allemal besser, die Menschen mit Unterhaltung von sich selber fernzuhalten, als sie sich selber und ihrem Elend zu überlassen. Vor kurzem hat Frau Bauerfeind auch noch ein Buch geschrieben, macht man heute so und bald wird sie mit Herrn Flatley steppen.

De lange Tünn Bevor es den Rap gab, also damals, führte der Weg aus dem Elend junge, von der Welt gekränkte Männer, ins Rotlichtmilieu. Mit anderen geilen Typen raufen, viel Geld, schnelle Autos, Bodybuilding, Goldketten und die Frauen hatten ihren Platz: an der Bar und nackig an Kletterstangen, als Schlampen oder herzensgute Huren. Heute hat Herr Tünn, der sehr drollig einen Dialekt nachahmt, der vermutlich Friesisch ist,  sich von diesem Leben verabschiedet, in einen anderen Bereich, der Männern ohne Eigenschaften Heimat ist, den Fußball. Vielleicht als Kommentator oder Trainer oder egal, denn es geht die Legende, dass Herr Tünn Legenden aus seinen Lebensgeschichten macht, was wieder sehr symphytisch ist, man kann nicht genug lügen in diesem kurzen Leben. Und bestimmt ist er ein netter Kerl. Denn nett sind sie ja alle im Fernsehen.

Sendung 4

Kat Kaufmann, Olli Schulz, Gheiath Hobi, Sophie Hunger, Jan Böhmermann und Nikolaus Blome (v.l.n.r.)
Kat Kaufmann, Olli Schulz, Gheiath Hobi, Sophie Hunger, Jan Böhmermann und Nikolaus Blome (v.l.n.r.) Quelle: ZDFneo, Ben Knabe

Sophie Hunger Eine Demokratie, die den Namen verdient, darf keine Angst haben, die Wirtschaft zu regulieren, sagt Frau Hunger und bewirbt sich um das Amt der Weltherrscherin.
Sophie Hunger ist Walzer für niemand. Gebrochen und traurig und laut und traurig und wahnsinnig. Ihr Verstand  lebt auf einem Planeten, auf dem es angenehmer ist, ihre Feuchtausstattung kämpft hier unten noch ein bisschen gegen Idiotie. Frau Hunger, deren Mutter wirklich so heißt, wuchs an 229 verschiedenen Orten der Welt auf, deren Eingeborenensprachen sie beherrscht, sie komponiert, textet, beherrscht seltsame Geräte, ist Chefin und die neue Generation von Musiksuperheros. Angst ist das Gegenteil von Freiheit, sagt sie. Und hat nicht einmal Angst vor dem extrem hippen Moderatorenteam, denn neben allem anderen, ist sie auch noch eine Meisterin der unverständlichen Interviews im Fernsehen.

Nikolaus Blome Das Beste an Herrn Blome ist, das Franziska Augstein, Sie wissen schon, die mit den sagen wir Judenkritischen Karikaturen, ihn schroff erregt ablehnte, als Herr Blome von Bild zu Spiegel ging. Von der Familie Augstein kritisiert zu werden, ist wie ein Logenabzeichen. Man gehört zu den Guten, bekommt ein Denkmal im Park, einen elektrischen Dienstwagen, ein vollautomatisches Haustier. Herr Blome hat Geschichte studiert, ist intelligent, gut frisiert, mehrsprachig und vermutlich interessiert ihn bei seinem derzeitigen Arbeitgeber, den wir aus Schleichwerbungsgründen unerwähnt lassen,  die Reichweite und der Zugang zur Macht, die roten Knöpfe, die gemütlichen Nachmittage mit Frau Springer und Herrn Döpfner, vielleicht auch nur der Geruch teurer Limousinen. Wir werden das überprüfen.

Kat Kaufmann Frau Kaufmann ist jung, lebt in Berlin und hat ein Buch über junge Menschen, die in Berlin leben und auf der Suche sind,  Drogen nehmen und so weiter, geschrieben. Das muss man mal machen, wenn man jung ist und Bücher schreiben will, weg mit dem Zeug, damit man dann ein anderes Buch schreiben kann, über ältere Menschen, die vielleicht in Wanne Eikel leben. Frau Kaufmann komponiert und musiziert und fotografiert und spricht über Komposition und hat permanent Nostalgiegefühle nach Zeiten, in denen sie noch nicht gelebt hat. Sie spricht über ihre Tränen, wenn sie von den guten Welten liest, zu deren Errichtung der Mensch fähig wäre und Buddhismus. Ein Arsch, wer darüber Witze macht. Überdies hat Frau Kaufmann längere Zeit vor einer Kamera mit Wolfgang Herles geredet ohne zu lachen. Respekt dafür.

Geiath Hobi Der junge Herr Hobi brach wegen, uns aus dem Fernseher bekannten Gründen, wie, ja also sein Abitur in Damaskus ab. Auf seinem Weg nach Köln spielte auch ein Schlauchbot eine Rolle. Vielleicht werden wir heute ein wenig genauer erfahren, wer in Syrien gegen wen kämpft, woran man erkennt, wer gegen wen kämpft. Warum die meisten Familien nicht zusammen geflohen sind, warum seine Mutter noch in Damaskus wohnt, was er hier plant, ob er Frau Merkel mag, ob er einmal ein berühmter Tänzer werden möchte und ob er schon einmal von Pegida gehört hat. Ob er Juden und Homosexuelle mag und was den Moderatoren sonst noch an Stereotypen einfällt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet