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Hoffen auf das Ende des Löwen-Chaos

1860 München blickt in eine unsichere Zukunft

Die leidgeprüften Fans des abstiegsbedrohten Zweitligisten TSV 1860 sehen das Wirken des Investors Hasan Ismaik seit 2011 differenziert. Sie wünschen sich den Klassenverbleib – und endlich jenen Aufschwung, der ihnen versprochen worden ist. die 1860-Story am Sonntag in der SPORTreportage.

Maskottchen des TSV 1860 München
Maskottchen des TSV 1860 München Quelle: dpa

An diesem Freitag geht es für den TSV 1860 München zu Dynamo Dresden. Das nächste Endspiel um den Klassenverbleib, die nächste Prüfung für die Nerven der Fans. Leidgeprüft sind die Anhänger der Löwen ohnehin, und gerade müssen sie sich auch mit einer Debatte über Trainer Vitor Pereira beschäftigen, der seinen Kollegen Torsten Lieberknecht von Eintracht Braunschweig jüngst mit Worten und Gesten beleidigt haben soll. Doch gemessen an den Vorkommnissen in den vergangenen Jahren bei dem Zweitligisten wirkt diese Geschichte beinahe wie eine Petitesse.

Chaos und Personalwechsel

Seit Investor Hasan Ismaik bei 1860 im Jahr 2011 eingestiegen ist, hat der Verein vor allem mit Chaos und Personalwechseln von sich reden gemacht. Das wissen natürlich auch die Fans, und manche von ihnen haben sich inzwischen von dem Verein abgewendet. Die beiden großen Ultragruppen "Cosa Nostra" und "Giasinga Buam" haben sich im vergangenen Sommer sogar aufgelöst, ihnen war das Investorenmodell an sich schon ein Groll bei ihrem Klub.

Auch um das kritische Bündnis "PRO 1860" ist es ruhiger geworden. Aktiv ist es aber noch. Ende April gab es einen Stammtisch zum Thema: "Können Vitor Pereira und seine Millionentruppe Abstiegskampf in der 2. Liga? Oder werden die hochtrabenden Pläne des Investors durch einen Abstieg in die 3. Liga pulverisiert?"

Es geht nur um den Klassenerhalt

Das sind auch jene Fragen, die den gesamten Anhang umtreiben, je nach Einstellung zu Ismaik mit unterschiedlichem Meinungsbild. Andi Kern, der stellvertretende Vorsitzende und Sprecher der Fan-Dachorganisation ARGE, weiß das natürlich. Er findet aber, es sei nicht der richtige Zeitpunkt, Ismaiks Wirken in den vergangenen sechs Jahren zu bewerten. "Mitten im Abstiegskampf Nebenkriegsschauplätze aufzumachen, führt zu nichts", sagt Kern, "es muss Ruhe im Verein sein, und die ganze Kraft muss gebündelt werden. Es geht in den nächsten drei Spielen darum, die Klasse zu halten. Alles andere muss untergeordnet werden."

1860-Investor Hasan Ismaik
1860-Investor Hasan Ismaik Quelle: dpa

Ähnlich sieht es Franz Hell, ein sogenannter Allesfahrer, der seit den 60er-Jahren Löwe ist und für den Auswärtsreisen zum Alltag gehören wie für andere der Wochenendtrip ins Grüne. Hell kennt die Stimmung unter den Fans wie kaum ein anderer, und er sieht den Investor durchaus differenziert. "Der Anfang war sehr, sehr holprig. Es ist zu Missverständnissen auf beiden Seiten gekommen. Ich habe am Anfang das Gefühl gehabt, dass die beiden Seiten nicht zusammenpassen", sagt Hell über Ismaiks Engagement. Inzwischen sei er aber der Meinung, "dass die Zusammenarbeit mit Ismaik wahrscheinlich die einzige Chance ist, die der Verein überhaupt noch hat, um irgendwann wieder auf die Beine zu kommen."

Retter und "Melkkuh"

Als der Jordanier Ismaik bei 1860 vor sechs Jahren einstieg, war eine Insolvenz nur dank seiner Millionengaben zu verhindern. "Ohne ihn würde es uns wahrscheinlich seit 2011 nicht mehr geben, zumindest nicht in der Form", sagt Hell. Er weiß aber auch: "Sicherlich hat er schon seinen Anteil am Chaos-Image. Er hat viel Vertrauen verloren, weil er sehr impulsiv ist." Die Schulnote 3 - vergibt Hell für die bisherige Zusammenarbeit zwischen Investor und Verein. Und er hält die Kritik an Ismaik zuweilen für realitätsfremd. Zumal der Klub ihn lange als "Melkkuh" verstanden habe, die nur Geld das Geld gibt.

"Es wird keinen Investor auf der Welt geben, der sich nicht irgendwo einmischt. Ob das dann in der Art und Weise geschehen muss, wie das bei uns ist, weiß ich nicht", sagt Hell, "andererseits haben beispielsweise Dietmar Hopp in Hoffenheim oder Martin Kind bei Hannover 96 von Anfang an in der Gestaltung mitwirken können."

Ein Plan muss her

Es müsse eben ein vernünftiger Plan mit einem Investor verfolgt werden, "wie bei RB Leipzig, Hoffenheim oder den ganzen Werksvereinen". Das Problem bei 1860 sei: "Bei uns sind die Strömungen sehr vielschichtig. Es sagt zwar jeder: Es müssen alle an einem Strang ziehen. Aber den Strang will jede einzelne Gruppierung selbst bestimmen." Hell hofft, dass der Abstieg nun vermieden werden kann. Und dass die Löwen "in der kommenden Saison im vorderen Feld der zweiten Liga mitmischen".

Voraussetzung dafür sei, "dass die Investitionen so kommen, wie es uns versprochen worden ist". Damit sich nicht noch mehr Fans von 1860 abwenden. Und Auswärtsreisen auch künftig nach Nürnberg statt nach Lotte anstehen.

Eckpunkte des Löwen-Chaos unter Ismaik:

ZDF SPORTreportage am Sonntag, 17.10 Uhr
Moderation: Norbert König
Themen und Gäste:
- Fußball-Experte: Holger Stanislawski
- Analyse des 32. Bundesliga-Spieltages
- Fußball-Story: 1860 München Der Traditionsverein im Fokus
- Premier League: 36. Spieltag Liverpool - Southampton
- Eishockey-WM: Vorrunde Bilanz der ersten deutschen Spiele
- Volleyball-Bundesliga: Finale Friedrichshafen - Berlin

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