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1860 München verabschiedet sich aus Profifußball

Investor Ismaik zahlt nicht

Das Kapitel Profifußball ist bei Zweitliga-Absteiger 1860 München vorerst beendet. Investor Hasan Ismaik hat die vom DFB geforderte Millionenzahlung zur finanziellen Rettung nicht rechtzeitig überwiesen, der Neuanfang in der 3. Liga ist nicht möglich.

Christian Gyktjaer (r) schaut enttäuscht auf den Boden
Frust nach der Niederlage gegen Regensburg: Christian Gyktjaer (r) Quelle: dpa

Als Hasan Ismaik den Daumen senkte, wurde der beispiellose Absturz des stolzen TSV 1860 München Realität. Das Kapitel Profifußball ist beim Zweitliga-Absteiger vorerst beendet. Der jordanische Investor überwies die vom DFB geforderte Millionenzahlung zur finanziellen Rettung nicht rechtzeitig, der Neuanfang in der 3. Liga ist deshalb nicht möglich. Das teilte Ismaik in einer Erklärung seiner Firma HAM International mit und kündigte an, den Verein auch in der 4. oder 5. Liga zu unterstützen.

"Auf taube Ohren gestoßen"

Am Trainingsgelände in der Grünwalder Straße mischten sich etwas seltsam Jubel und Schmährufe, während Ismaik dem Stammverein e.V. für die aus Löwen-Sicht dramatische Entwicklung die Schuld gab. "Dass ich zu dieser Entscheidung gezwungen werde, macht mich traurig. Ich habe bis zur letzten Minute um eine Lösung gekämpft. Aber meine Forderungen sind seit Monaten auf taube Ohren gestoßen. Die Verantwortlichen des e.V. haben es versäumt, die Probleme zu lösen", erklärte Ismaik in der Stellungnahme.

1860-Vizepräsident Heinz Schmidt betonte, dass der Verein ebenfalls "bis zur letzten Sekunde" versucht habe, eine rechtlich wasserdichte Lösung mitzutragen. Dies sei aber mit dem Investor nicht möglich gewesen. "Wir selbst hatten keine Lösung für die elf Millionen", sagte Schmidt, bevor seine Worte in den lauten Rufen der Fans untergingen - die "Scheiß auf den Scheich! Scheiß auf sein Geld!" gröhlten.

Warnung an Ismaik

Der 40-jährige Ismaik wird sein Engagement bei der Sechzigern aber nicht einstellen. "Seine emotionalen Bindungen zu 1860 und seine Loyalität gegenüber den Fans bleibt stark", hieß es in der HAM-Mitteilung. Um einen Startplatz in der viertklassigen Regionalliga Bayern bemühen sich die Löwen nun. DFB-Vizepräsident Rainer Koch, zugleich auch Chef des bayerischen Verbandes, sendete positive Signale.

"Es muss ein neues Zulassungsverfahren durchlaufen werden, ich sehe aber keine unüberwindbaren Hürden", sagte Koch am Freitagabend. Er knüpfte die Regionalliga-Teilnahme der Sechziger allerdings an Bedingungen und schickte Ismaik eine klare Warnung. "Der TSV 1860 braucht schnellstmöglich einen Geschäftsführer. Und auch im BFV gilt die 50+1-Regel. Wir werden auf keinen Fall dulden, dass 1860 unter Druck gesetzt oder von außen rechtlich beherrscht werden soll. Das würde zur Verweigerung der Lizenz führen", sagte Koch.

Geschäftsführerfrage klären

Die Geschäftsführerfrage will 1860 unter Mithilfe des zurückgetretenen Ian Ayre rasch klären, sagte Vizepräsident Schmidt, der auch erklärte, dass keine Insolvenzgefahr bestehe. Schmidt erweckte wie auch der zweite anwesende Vizepräsident Hans Sitzberger den Eindruck, keinen Wert auf die weitere Zusammenarbeit mit Ismaik zu legen. "Mir macht"s nix aus, wir können die Mannschaft jetzt theoretisch selber bezahlen", sagte Sitzberger schulterzuckend. Es bleiben also viele offene Fragen. Wer wird Präsident? Wer sitzt auf der Trainerbank? Welche Spieler werden zum Kader gehören? Wer wird Geschäftsführer? In welchem Stadion wird gespielt?

Ismaik jedenfalls will von seiner grundsätzlichen Position nicht abrücken. "Die Leute müssen aufwachen und verstehen, dass der Klub sich ändern muss, um zu überleben. Ich nehme meine Verantwortung für den Verein sehr ernst und ich hoffe, dass die Verantwortlichen des e.V. dies auch tun", ließ er wissen.

Ismaik muss mit Gegenwind rechnen

Zu den Themen, die Ismaik in den letzten Monaten angeprangert habe, zählten nach seiner Darstellung Misswirtschaft, Korruption, mangelnde Compliance und Interessenskonflikte. Seine Forderungen seien keineswegs unerfüllbar, nur habe er keine befriedigende Antwort erhalten. Deshalb sei "eine weitere Investition in die KGaA zu diesem Augenblick unmöglich - mit dramatischen Konsequenzen für 1860".

Es ist davon auszugehen, dass Ismaik ab sofort wesentlich mehr Gegenwind bekommt als zuletzt. "Wir haben ihm alle Freiheiten gelassen, Entscheidungen fast bis zur Selbstverleumdung mitgetragen", sagte Schmidt: "Das würden wir künftig nicht mehr machen." Und wenn Ismaik dann sein Investment aufgibt, wäre wohl keiner im Verein mehr böse. Der Wolkenbruch über Giesings Höhen am Mittag war fast schon symbolisch.

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