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"Nie das Ziel aus den Augen verlieren"

Sport - "Nie das Ziel aus den Augen verlieren"

Die Rio-Sieger Fabian Hambüchen, Laura Ludwig und Kira Walkenhorst erzählen über ihre Olympia-Vorbereitung. Den Turner plagte die verletzte Schulter, die Beachvolleyballerinnen übten Psycho-Tricks.

Beitragslänge:
17 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2016, 18:48

Die Gold-Athleten von Rio, Turner Fabian Hambüchen und die Beachgirls Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, berichten Katrin Müller-Hohenstein im Sportstudio-Talk über ihre ganz spezielle Vorbereitungszeit auf die Spiele.

Ludwig/Walkenhorst und Hambüchen: Der Wille macht's

von Ralf Lorenzen

Ludwig, Walkenhorst, Hambüchen - drei Namen, die nicht nur nach Gold klingen, sondern auch nach Perfektion, Nervenstärke und Wettkampfspirit. Und bei denen der Satz stimmt: Der Kopf entscheidet über den Sieg.

Ende 2011: Laura Ludwig steckt mit ihrer damaligen Partnerin Sara Goller in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London. Im Gespräch mit zdfsport.de erinnert sie sich ans Achtelfinal-Aus bei Olympia 2008: "Wenn ich an das Spiel denke, bekomme ich immer noch schlechte Laune", sagt Ludwig: "Wir waren dem mental nicht gewachsen." Und so nimmt sie sich vor, künftig "entschlossener" zu sein und sich zu sagen: "Das wollen wir gewinnen."

Operation Gold

Mit der Goldmedaille wurde es dann zwar auch in London nichts, aber das Ziel hat Ludwig seitdem nie aus dem Auge verloren - und es in Rio mit ihrer neuen Partnerin Kira Walkenhorst schließlich doch noch erreicht. Genau wie Turner Fabian Hambüchen, der sogar vier Anläufe brauchte, um sich seinen Goldtraum zu erfüllen.

Die Beachvolleyballerinnen und der Turner - sie haben die Operation Gold über Jahre generalstabsmäßig vorbereitet. Und doch: Im entscheidenden Moment hätte ein kurzer Augenblick der Schwäche alles zerstören können.

"Wenn ich das dritte Mal an Olympischen Spielen teilnehme, weiß ich genau, auf was ich mich vorbereiten muss und welche Herausforderungen auf mich warten", beschreibt Sportpsychologe Werner Mickler den Wert der Erfahrung: "Vor allem weiß ich, welche Störgrößen auf mich zukommen, und kann im Vorfeld  ausprobieren, wie ich damit umgehe."

Auf Störgrößen vorbereitet

Als Störgrößen in Rio hatten Ludwig und Walkenhorst von vornherein das brasilianische Publikum ausgemacht, das die favorisierten Heimteams frenetisch anfeuern würde. Wie sie sich auch unter extremen Bedingungen auf die eigenen Fähigkeiten konzentrieren können, lernten Ludwig und Walkenhorst unter anderem bei der Sportpsychologin Anett Szigeti, die ihnen als Mentalcoach zur Seite stand.

"Anett hat uns kleine Tipps gegeben", verriet Ludwig hufftingtonpost.de und nannte ein Beispiel: "Unsere Sinne arbeiten eigentlich alle zur gleichen Zeit, aber wir können auch das Hören ein wenig ausschalten und uns aufs Fühlen konzentrieren, also auf den Ball oder auf den Sand."

Höchstleistung unter Druck

Auch zum Familienunternehmen von Fabian Hambüchen gehörte neben seinem Vater/Trainer Wolfgang mit Onkel Bruno ein Mentalcoach, der ihn auf die Wettkämpfe vorbereitete. Er hat einen großen Anteil, daran, dass sein Neffe dem immensen Druck des olympischen Endkampfes mit der richtigen Einstellung begegnete.

Florian Hambüchen am 16.08.2016 in Rio de Janeiro
Fabian Hambüchen Quelle: dpa

"Ich mag es, wenn es im Wettkampf so richtig abgeht. Dann kann ich Topleistungen abliefern", sagte Hambüchen vor Olympia: "Ich brauche den Druck, den Kitzel vor und während des Wettkampfes."

Hilfe vom Mentaltrainer

Damit der Wettkampf auch unter den Augen der Weltöffentlichkeit als positives Ereignis und nicht als verhängnisvolle Prüfungssituation erlebt wird, greifen immer mehr Sportler auf die Unterstützung von Mentaltrainern zurück.

"Sie können ihnen Techniken dafür zeigen, wie sie es lernen, sich auf den Punkt zu konzentrieren“, sagt Sportpsychologe Mickler. „Diese Techniken müssen sie trainieren, um sie in der entscheidenden Situation auch abrufen zu können.“

Mit einem Lächeln an den Start

Neben Siegeswillen, Perfektion und mentaler Stärke teilen Ludwig, Walkenhorst und Hambüchen auch die Erfahrung, in ihrer Karriere durch eine schwere Erkrankung oder Verletzung zurückgeworfen worden zu sein.

Bei Ludwig wurde 2004 ein leichter Schlaganfall diagnostiziert, der ihre Karriere gefährdete. Ihre Partnerin litt vor zwei Jahren am Pfeifferschen Drüsenfieber und wurde danach auch noch am Knie operiert. Hambüchen konnte 2011 wegen eines Risses der Achillessehne ein halbes Jahr lang nicht trainieren.

Gestärkt nach der Auszeit

"Viele Spitzenathleten sagen, dass sie durch ein Tief viel stärker geworden sind", sagt Werner Mickler: "Sie haben gelernt, erfolgreich gegen starke Widerstände anzugehen, diese Qualität kommt ihnen auch im Wettkampf zu Gute."

Durch das Überwinden der Tiefpunkte haben die drei Goldmedaillengewinner möglichweise auch ihre wohl entscheidende  Gemeinsamkeit erworben: Sie lächelten, wenn sie das Spielfeld oder die Halle betraten - eine Einstellung, die Hambüchen so auf den Punkt brachte: "Olympia ist wirklich das Größte, ich kann davon nicht genug bekommen."

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