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Leon Draisaitl - Edmontons Eishockey-Zukunft made in Germany

Sport - Leon Draisaitl - Edmontons Eishockey-Zukunft made in Germany

Kurz vor Beginn der Eishockey-WM spricht NHL-Profi Leon Draisaitl im Talk mit Sven Voss über die große Ehre, für das DEB-Team spielen zu dürfen und die abgelaufene Saison bei den Edmonton Oilers.

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.04.2017, 19:00

Einen wie ihn hatte das deutsche Eishockey schon lange nicht mehr - einige sagen sogar, noch nie. Leon Draisaitl hat sich trotz seiner gerademal 20 Jahren in der NHL durchgesetzt. Er gilt als Zukunft der Edmonton Oilers und des Nationalteams.

Wer sich die erstaunliche Entwicklung von Leon Draisaitl in dieser NHL-Saison einmal genau anschauen möchte, hat es einfach. Dafür reicht der Vergleich von zwei Toren.

Am 29. Oktober traf der Stürmer in seinem ersten Saisoneinsatz für die Edmonton Oilers in der Verlängerung zum 4:3-Sieg gegen den damaligen Spitzenreiter Montreal Canadiens. Draisaitl riss den Mund weit auf und den rechten Arm in die Höhe. Zuvor hatte er schon das 1:3 erzielt - allerdings keinerlei Emotionen gezeigt. Draisaitl hatte wohl selbst nicht geglaubt, dass dieser Treffer der Anfang einer erstaunlichen Aufholjagd sein würde. Als er dann am 6. April gegen die Vancouver Canucks kurz vor Schluss den 6:2-Endstand erzielte, drehte er routiniert ab. Ein kurzes High Five für die Mitspieler - mehr nicht. Der Sieg war bedeutungslos, der Treffer, sein 21. der Saison, indes ein ganz besonderer.

Letztes Tor auf historischem Eis

Draisaitl setzte mit dem Powerplay-Tor den Schlusspunkt unter das alte Oilers-Stadion, es war das letzte Tor im Rexall Place. Der Verein hat ab Herbst eine neue Heimat. Die Oilers verlassen jene Arena, in der sie in den Achtzigern ihre erfolgreichsten Jahre erlebte: zwischen 1984 und 1990 fünf Mal Gewinner des Stanley Cups und Bühne von Wayne Gretzky, dem wohl besten Spieler der Eishockey-Geschichte.

Wayne Gretzky
Wayne Gretzky Quelle: ap

Bei den Feierlichkeiten zum Abschied vom Rexall Place kam neben Gretzky mit Mark Messier eine weitere Oilers-Legende auf Draisaitl zu. Das Trio hielt Small Talk. Ein war ein Bild mit Symbol-Charakter. Alt trifft jung. Glorreiche Vergangenheit plaudert mit - so hoffen sie in Edmonton - erfolgreicher Zukunft.

Für die soll der junge Deutsche stehen. So hatte es Anfang April das "Edmonton Journal" geschrieben. Dort wurde der Draisaitl zu jenen Profis gezählt, die trotz einer abermals enttäuschenden Saison des Klubs als "unantastbar" gelten.

Trainer lobt "beachtliche Leistung"

"Für einen 20-Jährigen hatte er eine Wahnsinns-Saison", resümiert Trainer Todd McLellan: "Leon ist schon einer der besten Torschützen in unserem Team - und das in seinem Alter. Das ist eine beachtliche Leistung." 60 Punkte hat Draisaitl in seinen 72 Spielen erzielt.

Dass er Ende Oktober nur als Aushilfe in den Kader rückte, weil andere Spieler verletzt waren, lässt viele rückblickend nur mit dem Kopf schütteln. Doch Draisaitl gibt sich nicht zufrieden. "Ich will noch besser werden, mein gesamtes Spiel auf ein höheres Level bringen", sagt er. Physisch stärker und noch schneller zu werden, das seien seine Ziele, so Draisaitl.

Prominenter Vater

Sein Familienname ist in Deutschland vor allem mit seinem Vater Peter verbunden. Der führte die Kölner Haie zum Gewinn der Deutscher Meisterschaft, war jahrelang einer der besten Spieler des Landes und wird den Eishockey-Fans für immer mit jener Zentimeter-Entscheidung im Viertelfinale der Winterspiele 1992 in Erinnerung sein: Im Penaltyschießen gegen Kanada blieb Draisaitls Puck auf der Linie liegen - Deutschland schied aus.

Leon Draisaitl, der seinen Vater noch heute als "mein Vorbild" bezeichnet, begann bei den Haien mit Eishockey, sorgte früh für Furore und wurde 2012 mit den Jungadlern Mannheim Deutscher Meister. Anschließend verließ er als 16-Jähriger die Heimat Richtung Kanada und verschwand somit zunächst einmal aus dem unmittelbaren Blickfeld.

Groß und kräftig

In der kanadischen Junioren-Liga gewöhnte er sich schnell an das Tempo und die Härte. Dabei kam ihm zu Gute, dass er trotz seines Alters körperlich schon zu den Größten und Kräftigsten gehörte.

Im Mutterland des Eishockeys entwickelte sich Draisaitl zu einem der besten Spieler seines Jahrganges. Und als die weltweiten Talente Anfang Juli 2014 bei der so genannten Draft auf die 30 NHL-Vereine verteilt wurden, fiel sein Name schon als Dritter.

"Nowitzki des Eishockeys"

Noch nie wurde in der Geschichte des nordamerikanischen Profisports ein Deutscher so früh verpflichtet - nicht einmal Dirk Nowitzki. In Deutschland wird Draisaitl ab und an mit dem Würzburger Basketballstar verglichen und als "Nowitzki des Eishockeys" bezeichnet.

Schlagzeilen, die ihm schmeicheln, die er aber lässig ignoriert. Nowitzki ist ein Superstar in der NBA, wurde Meister und zum wertvollsten Spieler gewählt. Draisaitl hat noch nicht einmal eine komplette Saison in der NHL gespielt. Dennoch ist er das größte Talent, das seit langem aus dem deutschen Eishockey hervorgegangen ist.

Obwohl Nowitzki 17 Jahre älter ist als Draisaitl, eine andere Sportart betreibt und einen ganz anderen Status hat, gibt es dennoch eine Gemeinsamkeit. Interview-Anfragen der deutschen Medien regeln bei beiden die Schwestern - Silke Nowitzki und Kim Draisaitl.

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