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Alexander Zverev will den Grand-Slam-Fluch brechen

Tennis - French Open

Alexander Zverev ist der Überflieger der Tennis-Szene. Mit 21 Jahren ist er bereits die Nummer drei der Welt, nur bei den vier größten Turnieren wollte es bisher nicht klappen. Das soll sich nun bei den French Open ändern - der Auftakt gelang perfekt.

Alexander Zverev
Alexander Zverev Quelle: reuters

Fabrice Santoro musste sich ganz schön strecken, um Alexander Zverev das Mikrofon hinzuhalten. Der inzwischen 45 Jahre alte ehemalige französische Tennisprofi gibt einen der Conferenciers während der French Open bei den süffisanten Platzinterviews. Und Santoro ist bloß 1,78 Meter groß - Zverev dagegen 1,98 Meter.

Die Erwartungen sind hoch

"Mensch, ich habe mit dir trainiert, als du zwölf warst", meinte Santoro amüsiert und deutete auf seine Schulterhöhe: "Da gingst du mir bis hier - was ist passiert?" Zverev musste lachen und die Zuschauer auf den Rängen des Court Suzanne Lenglen auch. "Na ja, ich bin gewachsen." Der 21 Jahre alte Alexander Zverev ist tatsächlich groß geworden und auf bestem Wege, ein Großer im Tennis zu werden. Der gebürtige Hamburger hat schon viel erreicht, ist sogar die Nummer drei der Welt. Doch bei den wichtigen Grand-Slam-Turnieren blieb Zverev bisher hinter den Erwartungen zurück - vor allem hinter seinen eigenen.

Die French Open in Paris sind nun der nächste Anlauf für Alexander Zverev, um seinen Grand-Slam-Fluch zu beenden. Denn weiter als bis ins Achtelfinale (Wimbledon 2017) hatte er es bei keinem der vier größten Turniere geschafft. Der Auftakt in Roland Garros hätte diesmal kaum besser gelingen können. Zverev dominierte den Litauer Ricardas Berankis nach Belieben und siegte im Expresstempo von nur 69 Minuten mit 6:1, 6:1 und 6:2. Allerdings ist Berankis die Nummer 92 der Welt und hat noch nie ein Match bei den French Open gewonnen. Doch Zverevs souveräner Auftritt zeigte, dass seine gute Sandplatzform der vergangenen Wochen weiter anhält.

Gelungener Auftakt

"Es war ein sehr gutes Match", sagte Zverev zufrieden, "es ist angenehm, wenn man so in einen Grand Slam starten kann." Zverev wirkte aufgeräumt und locker nach dem Sieg, sogar in der Pressekonferenz. Selbstverständlich ist das bei ihm nicht, denn Zverev zeigt es deutlich, wenn ihm Fragen auf die Nerven gehen. Dann kann er sehr abweisend rüberkommen und auch ein bisschen arrogant. Zum Start der French Open schmeckten ihm viele Fragen nicht so recht. Natürlich wollte jeder von ihm wissen, ob denn in Paris nun endlich der ganz große Durchbruch klappt.

Zverev hat sich seine eigene Art zugelegt, mit diesem Thema umzugehen. "Ich habe noch Zeit", sagte er fast ein bisschen trotzig, "die meisten anderen Spieler waren älter als ich bei ihrem ersten Grand-Slam-Sieg." Und dann führt er gerne Roger Federer als Beispiel an. Der inzwischen 36 Jahre alte Schweizer und 20-malige Grand-Slam-Sieger gewann erst mit 22 Jahren und im 17. Anlauf seinen ersten Titel. Für Zverev ist Paris der zwölfte Versuch. Dass es Boris Becker seinerzeit schon im fünften Anlauf zum Wimbledonsieg schaffte, ist da wenig hilfreich. Doch auch Becker lobte Zverev gerade noch: "Du bist ein Tennis-Diamant, der wirklich noch geschliffen werden muss."

Den meisten Druck macht sich Zverev selbst

Geduld, Zeit, Vertrauen - das sind die Ratschläge, die Zverev zuletzt oft bekam. Sei es von Becker, Federer oder Rafael Nadal. Sie alle wissen, dass es bei Zverevs enormem Talent nur eine Frage der Zeit ist, bis er auch die Grand-Slam-Bühne beherrschen wird. Doch die Erwartungen von außen sind das eine, die eigenen das andere. "Ich habe mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt", gestand Zverev nach seinem Drittrundenaus in Melbourne ein. Er selbst will den Erfolg bei den Grand Slams zu sehr, und manchmal schaute er im vermeintlich so einfachen Tableau schon zu weit voraus und scheiterte dadurch wieder früh.

In Paris auch wieder? "Ich mache es jetzt so, dass ich einfach jedes Match genieße", sagte Zverev, "egal wo und egal bei welchem Turnier, ob ein Masters oder Grand Slam. Ich habe einfach Spaß beim Spielen und genieße es, das vor so vielen Zuschauern zu machen." Den Druck rausnehmen, sich einreden, dass es kein Grand Slam, sondern nur ein normales Match bei einem alltäglichen Turnier ist. Das ist der Plan. Aber alle Augen sind auf ihn gerichtet in Paris. Ohne Federer ist Zverev die Nummer zwei der Setzliste und damit der große Herausforderer des zehnmaligen Champions Nadal. Mehr noch, seit Zverev den Mallorquiner beim Masters-Finale in Rom am Rande der Niederlage hatte.

Das Masters in Madrid gewann Zverev, wie auch den Titel in München. "Mein schlechtestes Ergebnis war das Viertelfinale beim Masters in Monte Carlo", sagte Zverev: "Das ist doch gar nicht schlecht." Auch die Auslosung meint es wieder gut mit ihm, erst im Viertelfinale würde wohl mit dem Österreicher Dominik Thiem ein schwerer Brocken warten. "Diesen Fehler will ich vermeiden", sagte Zverev, "ich schaue nicht mehr zu weit voraus. Ich weiß, wenn ich mein bestes Tennis spiele, habe ich gegen jeden eine Chance."

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