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Russland: Rio oder Rausschmiss

Sport - Russland: Rio oder Rausschmiss

Bei Nachkontrollen von Dopingproben der Spiele 2008 waren 31 auffällig gewesen. Knapp die Hälfte stammen von russischen Athleten. Darunter wohl auch Anna Tschitscherowa, Olympiasiegerin im Hochsprung.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
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Video verfügbar bis 24.05.2017, 19:46

Am Freitag entscheidet der Leichtathletik-Weltverband IAAF, ob das russische Team an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen darf. In den Tagen kurz vor dem Termin hat der russische Sport für weitere Dopingskandale gesorgt.

Seit November sind Russlands Leichtathleten von allen internationalen Wettbewerben suspendiert. Doch wurden seitdem die von der IAAF geforderten Reformen wirklich durchgeführt, um eine Verbannung der in der Vergangenheit so erfolgreichen Leichtathleten zu vermeiden?

Immerhin schrieb der russische Sportminister Witali Mutko noch im Mai in einem Gastbeitrag für die britische Sunday Times: "Wir schämen uns dafür."

Neue Dopingskandale

Dumm nur, dass nur wenige Tage vor der Veröffentlichung der Zeilen sich auch Grigori Rodschenkow zu Wort meldete. In der New York Times gab der ehemalige Chef des Moskauer Anti-Doping-Labors Auskunft über seine Dopingmethoden und die Manipulationen während der Winterspiele in Sotschi, die mit Hilfe des russischen Geheimdienstes durchgeführt wurden.

Und als ob dies aus russischer Sicht nicht schon genug wäre, veröffentlichte der ARD-Journalist Hajo Seppelt in der vergangenen Woche eine weitere Dokumentation, die an den Beteuerungen der russischen Funktionäre zweifeln lässt. Seppelt konnte nachweisen, dass mit Viktor Tschegin weiterhin ein Trainer mit den russischen Gehern arbeitet, der wegen seiner Dopingpraktiken, so wie weitere 46 Trainer und Betreuer, eigentlich lebenslang gesperrt ist.

Positiven Test unterschlagen?

Doch der ungeheuerlichste Vorwurf richtete sich gegen Sportminister Mutko. Dieser soll die positive Dopingprobe eines Fußballers des russischen Erstligisten Kuban Krasnodar nicht veröffentlich haben. Was Mutko als gleichzeitiger Präsident des russischen Fußballverbandes RFS leicht gefallen sein dürfte.

Es sind Vorwürfe, die nicht passen zu einem Sportpolitiker, der von Scham schreibt, seit Monaten Reformen im russischen Sportsystem beschwört und sogar eine amerikanische PR-Agentur beauftragte, um den ramponierten Ruf des russischen Sports aufzupolieren.

Witali Mutko
Witali Mutko Quelle: dpa

Dementsprechend schnell reagierte auch Mutko auf den Film von Hajo Seppelt. Noch vor dessen Erstausstrahlung veröffentlichte der Politiker eine Stellungnahme, in der er alle Vorwürfe zurückwies.

Eklat beim Interview

Gleichzeitig blies man in Russland jedoch zu einem Gegenangriff auf Hajo Seppelt. In einem Interview für die Hauptnachrichtensendung des russischen Staatssenders Rossija1 provozierte die in Russland bekannte Journalistin Olga Skabajewa den Dopingexperten so lange, bis Seppelt das as TV-Team rausschmiss.

Ein Vorfall, den das Staatsfernsehen dazu nutzte, den Dopingexperten als einen heruntergekommen Russlandhasser darzustellen, der gewalttätig gegen russische Journalistinnen ist. Durch mehrere Beiträge wurde daraus so ein Skandal, dass sich selbst das russische Außenministerium zu einem Kommentar genötigt sah.

Neue Vorwürfe der WADA

Dass solch eine Rufmordkampagne im Westen jedoch wenig vielversprechend ist, ist den russischen Sportfunktionären bewusst. Und so versucht man sich weiter als transparent und vor allem kooperativ zu geben.

Am gestrigen Donnerstag überreichte der Sportminister dem IAAF-Präsidenten Sebastian Coe einen Brief, in dem "wir noch einmal detailliert alle unsere Handlungen beschreiben", wie Mutko der russischen Presse erklärte. NOK-Mitglied Gennadij Aljeschin sagte am Montag wiederum, man habe alle 44 Reformforderungen des IAAF erfüllt.

Kontrollen verhindert?

Eine Behauptung, die seit vergangenem Mittwoch von der WADA ad absurdum geführt wird. Ausgerechnet zwei Tage vor der Entscheidung des IAAF veröffentlichte die Welt-Anti-Doping-Agentur einen neuen Bericht, in dem sowohl den russischen Athleten als auch dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB vorgeworfen wird, Dopingkontrolleure bei ihrer Arbeit zu behindern.

Mutko stellt dies im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „Interfax“ freilich gänzlich anders da: "Wir werden alles Mögliche tun, damit Kontrolleure jede Stadt besuchen können. Sie müssen uns nur informieren - aber wartet damit nicht bis zur letzten Minute!"

Aber: Ein Grundsatz eines erfolgreichen Anti-Doping-Kampfes ist die Möglichkeit, ohne jegliche Vorankündigung jederzeit kontrollieren zu können.

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