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Die Rams - ein Glücksfall für die NFL

Super Bowl | Los Angeles - New England

Der Super Bowl 53 (Kickoff 4. Februar, 0.30 Uhr MEZ) mit einem Team aus Los Angeles - für die ambitionierte National Football League ist das Finale der Rams gegen die New England Patriots Gold wert.

American Football, NFL: Los-Angeles-Rams-Defensive-Back Marqui Christian (l.) und Trainer Sean McVay feiern den Finaleinzug.
Rams-Defensive-Back Marqui Christian (l.) und Trainer Sean McVay feiern den Finaleinzug.
Quelle: imago/UPI Photo

Kreide fressen - für Roger Goodell die Hölle. Aber bei seiner Pressekonferenz vorm Super Bowl 53 bleibt der smarte Chef der National Football League (NFL) demütig. Die Kontroverse um den krassen Schiedsrichter-Patzer zugunsten der Los Angeles Rams im Halbfinale hallt so stark nach, dass der Commissioner vor 600 Reportern im Georgia World Congress Center in Atlanta gleich mehrfach das hässliche Wort "Fehlentscheidung" sagt.

Den Markt zurückerobern

Dabei hätte Goodell vermutlich lieber vom Finaleinzug der Rams geschwärmt. Ein Team aus L.A. gegen die New England Patriots - für die Liga ein Glücksfall.

Wann, wenn nicht jetzt, sollte es gelingen, im 21 Jahre brach liegenden Markt in Los Angeles ein Football-Team zu etablieren? Nur drei Jahre nach dem für die Fans schmerzhaften Abschied aus St. Louis greifen die Rams nun als kalifornischer Klub nach ihrer zweiten Vince-Lombardi-Trophäe.

Der spektakuläre Angriff des Teams kommt zwar noch nicht ans Offensivfeuerwerk der Helden von 2000 ran, die - auch damals in Atlanta - mit dem Sieg im Finale gegen die Tennessee Titans als "Greatest Show on Turf" Finalgeschichte schrieben.

Junger Trainer, junger Quarterback

Aber der 24 Jahre alte Quarterback Jared Goff steht für eine große Zukunft. Und um den charismatischen Sean McVay, mit 33 Jahren jüngster Coach der Super-Bowl-Geschichte, werden die Rams ligaweit beneidet. Zutaten für ein hübsches US-Märchen.

Vom Happy End sind Rams und NFL aber noch entfernt. Beim Neustart in der alten Heimat Los Angeles können sie jeden Schub gebrauchen. Von 1946 bis 1994 waren sie in L.A. verwurzelt, doch das Exil hat Team und Stadt entfremdet. Die Wenigsten haben der Rückkehr der Rams entgegengefiebert.

Konkurrenzangebot

Das Freizeitangebot ist riesig, der Strand nah und das Angebot an Profisport im Großraum Los Angeles prall. Im Baseball gibt es Dodgers und Angels, im Basketball Clippers und Lakers, im Eishockey Kings und die Ducks. Selbst im Soccer finden sich zwei Teams: Galaxy und LA FC.

Kein Wunder, dass die Rams beizeiten Probleme haben, das altehrwürdige Coliseum zu füllen. Zumal zeitgleich die Chargers in die Stadt zogen, Das frühere San-Diego-Team hat selbst als Untermieter von Galaxy oft Luft, obwohl nur 27.000 Fans in das Ministadion passen.

Neue Arena

Im Herbst 2020 soll es für beide Teams in eine neue Superarena gehen. Dafür hat Rams-Besitzer Stan Kroenke, dem auch der Londoner Premier-League-Klub FC Arsenal gehört, viel Geld in die Hand genommen.

Gut 2,5 Milliarden Dollar kostet das Inglewood Stadium, 2022 Bühne für den Super Bowl LVI. Es wird das teuerste Stadion der Welt und ein Aushängeschild der Liga, deren Fernsehkanal NFL Network mit in den Baukomplex einzieht.

Finale zur rechten Zeit

Perfektes Timing also, dass die Rams als Super-Bowl-Teilnehmer auf Akquise gehen können für die teuren Business-Logen und Dauerkarten. Ein Sieg über die Patriots wäre ein noch besserer Kaufanreiz.

Szene aus der ersten Saison nach dem Umzug nach St. Louis: Rams-Quarterback Chris Miller (li.) gegen Raiders-Linebacker Aaron Wallace
Szene aus der ersten Saison nach dem Umzug nach St. Louis: Rams-Quarterback Chris Miller (li.) gegen Raiders-Linebacker Aaron Wallace
Quelle: imago/ZUMA Press

Für die NFL geht es darum zu zeigen, dass "Relocation" wirklich funktioniert und nicht nur ein beliebtes Drohinstrument ist, um sich öffentliche Hilfe für neue Stadien an den traditionellen Standorten zu sichern. Denn in den nächsten Jahren könnte der Umzug weiterer Teams in andere Städte folgen.

Und vor allem will die Liga endlich den mit 5,3 Millionen Haushalten nach New York zweitgrößten TV-Markt der USA melken. Mit lokalen Top-Teams, so die Rechnung, lassen sich höhere Quoten und Werbeerlöse erzielen. Die kämen der Liga gut zu pass, denn von 2013 bis 2017 gingen die Quoten ligaweit zurück. Von durchschnittlich 17,4 auf 14,9 Millionen Zuschauer pro Spiel. .

Leichtes Plus

Erst die aktuelle Saison produzierte wieder ein Mini-Plus von fünf Prozent. Auch beim Super Bowl hofft die Liga auf die Trendwende, der 52. Super Bowl hatte 2018 das schlechteste TV-Ergebnis seit 2009.

Auf dem Weg in die Jubiläums-Saison Nummer 100 hat die NFL Probleme angehäuft. So wird die Liga zwischen der Sorge um die Gesundheit der Spieler und der Angst der Hardcore-Fans aufgerieben, ihr Machosport werde durch neue Regeln verweichlicht, unamerikanisch.

Nachwuchsprobleme

Der Zusammenhang zwischen Gehirnerschütterungen und der Gehirnkrankheit CTE wird nicht mal mehr von der Liga geleugnet und sorgt dafür, dass weniger Eltern ihre Kinder zum Football schicken.

26.12.1983: Running Back Eric Dickerson von den LA Rams in Aktion
26.12.1983: Running Back Eric Dickerson von den LA Rams in Aktion
Quelle: Imago

Und schließlich wissen die Verantwortlichen bis heute nicht, wie sie mit der Kontroverse um all jene Spieler umgehen sollen, die aus Protest gegen Rassismus beim Ertönen der US-Nationalhymne nicht stehen wollen.

Bislang hat das auf die Gelddruckmaschine NFL keine Auswirkung, denn allen Problemen zum Trotz geht der Umsatz unbeirrt nach oben. Doch die ehrgeizigen Ziele von Commissioner Goodell erlauben keine Rückschläge.

Mehr Reichweite muss her

Er will den Jahresumsatz bis 2027 auf 25 Milliarden Dollar schrauben, davon ist er aktuell zehn Milliarden Dollar entfernt. Für dieses Ziel muss mehr Reichweite her, durch neue Medien und neue Marktakteure.

So hat Streaming in der Saison 2018 um 86 Prozent zugenommen, seit das "Thursday Night Game" auch bei Amazon Prime läuft und die NFL ihre Partien auf Handys frei verbreitet. Neue US-Gesetze für Werbung mit Wetten versprechen weitere Zuwächse. Aber ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu neuen Reichtümern bleibt ein funktionierendes Team aus Los Angeles.

Der 53. Super Bowl in Zahlen

  • Gegner: Los Angeles Rams - New England Patriots
  • Kickoff: 4. Februar, 0.30 Uhr MEZ
  • Austragungsort: Atlanta, Mercedes-Benz-Stadium
  • Schiedsrichter: John Parry
  • dritter Super Bowl in Atlanta
  • LA Rams: 1 Super Bowl-Sieg (2000/als St. Louis Rams)
  • New England Patriots: 5 Super-Bowl-Siege (2001, 2003, 2004, 2014, 2016)
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