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Eine Liga im Goldrausch

Sport - Eine Liga im Goldrausch

Die Denver Broncos haben den 50. Super-Bowl im American Football gewonnen. Sie setzten sich gegen die Carolina Panthers durch und gewann damit die Trophäe zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.02.2017, 08:00

Die National Football League (NFL) feiert ihren neuen Champion Denver Broncos und das hollywoodreife, vermutliche Karriere-Ende von Superstar Peyton Manning. Aber vor allem feiert sie sich selbst. Das Jubiläum als die perfekte Bühne für eine riesige Geldmaschine.

Zum Schluss regnete es Konfetti auf die neuen Helden, natürlich goldenes. Die Denver Broncos bejubelten nach dem 24:10-Sieg über die Carolina Panthers ihren dritten Super-Bowl-Sieg. Mit dem Außenseitererfolg in der 50. Ausgabe des großen Endspiels im American Football endete in der San Francisco Bay Area eine Woche, in der die NFL vor wirtschaftlicher Kraft nur so strotzte. Das aggressivste Sportbusiness der Welt ist im Goldrausch.

Alles glänzend

Bling-Bling war das Leitmotiv des Jubiläums, die metallisch glänzende arabische 50 allgegenwärtig. Das war so passend, obwohl die Partie im Levi‘s Stadium von Santa Clara für europäische Augen nicht den Goldstandard erfüllte.

Für eingefleischte Football-Freunde aber war es spektakulär, wie die Defensive der Broncos das Spiel entschied. Die Fans auf den Rängen staunten nicht schlecht, wie meisterhaft die Jungs um Star-Verteidiger Von Miller die Versuche von Panthers-Quarterback Cam Newton erstickten.

Entzauberter Supermann

Miller wurde dafür zum MVP gekürt, zum wichtigsten Spieler der Partie. Von Newton, erst eine Nacht zuvor zum MVP der Saison ernannt, blieb nicht viel mehr als die Erinnerung an goldene Stiefel und das blinkende Superman-Shirt, in dem er sich vorher warmgemacht hatte.

Auch Denvers Spielmacher-Legende Peyton Manning, der ziemlich sicher in wenigen Tagen von der großen Bühne abtritt, verbreitete keinen Glanz. Aber mit dem zweiten Super-Bowl-Ring hat es der 39-jährige Superstar zum Karriere-Ende noch mal allen Kritikern gezeigt.

Bier oder Bud?

Trotz einer Saison, in der für ihn lange alles schief lief, darf er sich auf "viele Bier mit den Kollegen" freuen - so Manning bei der Siegerehrung. Bezeichnend: In späteren Interviews sprach Manning von "... viel Budweiser ...".

Auch wenn eine Budweiser-Sprecherin dementierte, Manning dafür bezahlt zu haben - dank BWL-Denke wird die NFL wohlig ihr Konto bestaunen können. Bei Ticket-Preisen von offiziell 1300 Dollar im Schnitt nahm die NFL alleine über den Eintritt der 71.000 Stadionbesucher 92 Millionen Dollar ein. Rechnet man die Aufschläge auf dem Schwarzmarkt hinzu, wo durchschnittlich 4300 Dollar pro Karte gezahlt wurde, setzte das Spiel sogar über 300 Millionen Dollar um.

Kaufrausch

Bei Bierpreisen von 13 Dollar pro Flasche und langen Schlangen vor den mit goldverziertem Merchandising gefüllten Fanshops gelangten am Spieltag weitere Millionen in die Kasse. Schon die Woche zuvor hatten im Großraum San Francisco Fanshops und Football-Events die zahlungsfreudige Kundschaft eingefangen.

Selbst der Medientag wurde als "Opening Night" im Wortsinne verkauft: Für 27,50 Dollar durften Fans die Presse bei der Arbeit verfolgen. Ein 30-Sekunden-Werbespot beim TV-Großereignis Super Bowl kostete fünf Millionen Euro. Für Goldgräber ist die Gegend um San Francisco ja spätestens seit 1849 ein gutes Pflaster.

Umgesiedelte Klubs

Schon im Vorlauf des Endspiels hatte die NFL - Jahresumsatz 13 Milliarden Dollar - mit den Muskeln gespielt. Das Gremium der Klubbesitzer hatte beschlossen, die St. Louis Rams nach Los Angeles umsiedeln zu lassen, in den lukrativsten US-Markt.

Auch die Oakland Raiders und die San Diego Chargers dürfen umzuziehen. Bei ihnen scheint es aber nur ein Druckmittel zu sein, um in ihrer Heimat von der öffentlichen Hand Subventionen für neue Stadion zu ergattern. Die "New York Times" ätzte: "Die NFL erinnert an einen Hai, der stirbt, wenn er sich nicht ständig bewegt und Fische zerschreddert."

Ausflug nach Mexiko

Auch international schreitet die NFL voran. Zwei Tage vorm Super Bowl verkündete Liga-Chef Roger Goodell, im November im Aztekenstadion in Mexiko-City spielen zu lassen. Bei der Partie der Raiders gegen die Houston Texans hofft er auf satte Extra-Einnahmen durch die starke Hispanic-Fanbasis beider Teams. Schon seit Jahren werden reguläre Liga-Spiele in London ausgetragen, die drei im Herbst dieses Jahres in Wembley und Twickenham sind längst ausverkauft.

Dank moderner Technik ist die NFL zudem auf allen Plattformen zu Hause. Auch die legendäre Halbzeitshow gestern Nacht, mit Coldplay, Beyoncé und Bruno Mars, war nahezu weltweit gegen Bezahlung im Internet zu sehen - und im sonst einheitlich goldenen Corporate Design von Super Bowl 50 der einzige Farbtupfer.

Allstar-Match: Keiner will's sehen

Selbst Rückschläge münzt die NFL noch um. Beim Allstar-Match, dem so genannten Pro Bowl, hatten sich vor einer Woche viele bekannte Gesichter abgemeldet. Das Interesse der Fans war verheerend. Prompt wurden nun Alternativen ins Gespräch gebracht: "Brasilien ist unser stärkster Wachstumsmarkt. Wir würde es lieben, im Maracana zu spielen", sagte der zuständige NFL-Vizepräsident Mark Waller am Freitag. Egal, wie bedeutungslos diese Partie ist, die zu Hause keinen mehr vorm Ofen hervor lockt - irgendwo lässt sich damit Geld verdienen. Selbst wenn nicht alles Gold ist, was glänzt.

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