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Robert Kraft - Herrscher der Patriots-Dynastie

Super Bowl | Los Angeles Rams - New England Patriots

Robert Kraft ist der Macher hinter Super-Bowl-Finalist New England Patriots (Kickoff 4. Februar, 0.30 Uhr MEZ). Der Selfmade-Milliardär gilt im Big Business NFL als Stimme der Vernunft.

Robert Kraft
Robert Kraft
Quelle: dpa

Ohrenbetäubender Lärm dröhnt bis in die Katakomben der State Farm Arena von Atlanta. Während das Team der New England Patriots im Innenraum von hunderten Journalisten mit Fragen zum Super Bowl bombardiert wird, bleibt Robert Kraft dezent im Hintergrund.

Der Besitzer des erfolgreichsten Teams der jüngeren NFL-Geschichte erlaubt sich bei der sogenannten Opening Night nur einen kurzen Blick auf seine Mannschaft. Händeschütteln hier, ein rasches Gespräch dort, dann geht es weiter durch die Flure der Mehrzweckhalle zur Hintertür. Weit vor Ende der Veranstaltung düst Kraft in die Nacht.

Die große Bühne auf dem Weg zur 53. Ausgabe des wichtigsten aller American-Football-Spiele überlässt er lieber den Spielern wie Star-Quarterback Tom Brady und dem Trainer-Team um Headcoach Bill Belichick. Aber auch Kraft hätte die Aufmerksamkeit vor dem Duell mit den Los Angeles Rams verdient. Er ist der Mann hinter einer einmaligen Erfolgs-Story.

Ziel: Titel Nummer 6

Vor fast genau 25 Jahren kaufte der heutige Selfmade-Milliardär sein Bostoner Lieblingsteam, damals eine notorische Losertruppe. Seit dem ersten Triumph im Super Bowl 2002 gegen die damals noch in St. Louis beheimateten Rams stieg das Team zur Football-Dynastie auf - mit nun zehn Super-Bowl-Teilnahmen in Krafts Amtszeit.

In der Nacht auf Montag haben die Patrioten die Aussicht, zu Rekordsieger Pittsburgh aufzuschließen, das bislang sechs Mal die Vince-Lombardi-Trophäe gewann.

Wie im Märchen

Tom Brady von den New England Patriots
Star im Team: Tom Brady von den New England Patriots
Quelle: ap

Krafts Lebenslauf liest sich wie ein amerikanisches Märchen: Vater Harry will, dass sein Junge Rabbiner wird. Doch der umtriebige Robert, Absolvent der Elite-Unis Columbia und Harvard, hat aber ein Gespür fürs Geschäft und wird mit Verpackungen und Papier reich.

Auf Umwegen kommt er bei seinem Herzensklub zum Zuge, für den er seit 1971 Dauerkarten hat: Ende der 80er-Jahre kauft er das Stadion der Patriots. Er lässt die Klub-Besitzer nicht aus den Pachtverträgen, als diese das Team umsiedeln wollen.

Glückliches Händchen bei der Trainer-Wahl

So sichert er den Verbleib des Standorts Boston in der NFL und sich selbst eine Eintrittskarte für den elitären Klub der Team-Owner. Denn als der letzte Vorbesitzer 1994 in finanzielle Schieflage gerät, steigt Kraft kurzerhand ein.

Dafür ist der Geschäftsmann auch bereit, "sämtliche finanziellen Vorsätze zu brechen". Der Kaufpreis von 172 Millionen Dollar bricht damals alle Rekorde. Aus heutiger Sicht ein Witz. Forbes schätzt den Wert der Patriots aktuell auf 3,8 Milliarden Dollar.

Glücksgriff

Zu den besten Deals seines Berufslebens gehört die Verpflichtung von Trainer Belichick, der es versteht, die Patriots immer wieder neu zu erfinden. Ebenso wichtig: die daraus folgende Auswahl des Spielmachers Brady, der nun schon in der 19. Saison seinen frechen Rookie-Spruch rechtfertigt: "Herr Kraft, das ist die beste Entscheidung, die diese Organisation je getroffen hat."

Nobody Brady war beim so genannten Draft weit hinten an Position 199 gezogen worden und ist heute mit fünf Super-Bowl-Titeln der erfolgreichste Quarterback der NFL-Geschichte.

Viel Lob für Kraft

Kraft genießt größtes Ansehen im eigenen Klub, weil er loyal zu den Angestellten steht. So hat er sein Team stets gegen öffentliche Kritik verteidigt, zum Beispiel als die Patriots 2007 im sogenannten "Spygate" und 2014 beim "Deflategate" gegen Liga-Regeln verstießen und öffentlich am Pranger standen.

Er war klug genug, nach dem Sieg im Super Bowl 51 jede Genugtuung zu unterdrücken, die nach den NFL-Strafen im Zuge der Affäre um zu schwach aufgepumpte Bälle allzu verständlich gewesen wäre. Auch ist Kraft in der Lage, Fliehkräfte innerhalb des Teams zu bändigen. Die Alpha-Tiere Brady und Belichick sollen vor zwei Jahren heftig in Streit geraten sein, doch Kraft hielt den Laden zusammen.

Von Experten umgeben

Krafts Ansatz unterscheidet sich von dem anderer Klubbesitzer. Lieber umgibt er sich mit erstklassigen Fachleuten, denen er komplett vertraut, als alles selbst machen zu wollen - wie etwa Jerry Jones. Der extrovertierte Besitzer der Dallas Cowboys hat das bei weitem umsatzstärkste Team der NFL, wartet aber seit 23 Jahren auf eine Super-Bowl-Teilnahme.

Ligaweit hat Kraft einen exzellenten Ruf. So half der Unternehmer 2011, einen Streik zu verhindern, als die Tarifverhandlungen ins Stocken gerieten. "Er hat uns geholfen, den Football zu retten", sagte Spielervertreter Jeff Saturday über Krafts Rolle im Konflikt. NFL-Chef Roger Goodell lobte Kraft vorm Super Bowl in Atlanta explizit: "Ich kenne nicht viele Teambesitzer, die so in das Liga-Geschehen involviert sind."

Der 53. Super Bowl in Zahlen

  • Gegner: Los Angeles Rams - New England Patriots
  • Kickoff: 4. Februar 2019, 0:30 Uhr MEZ
  • Austragungsort: Atlanta, Mercedes-Benz-Stadium
  • Schiedsrichter: John Parry
  • dritter Super Bowl in Atlanta
  • LA Rams: 1 Super Bowl-Sieg (1999)
  • New England Patriots: 5 Super-Bowl-Siege (2001, 2003, 2004, 2014, 2016)

Kraft zeichnet sich durch Weitblick aus

Dazu gehört er zu den wenigen NFL-Verantwortlichen, die Donald Trump die Stirn bieten. In der Kontroverse um 49ers-Quarterback Colin Kaepernick, der sich aus Protest gegen Rassismus in den USA weigerte, bei der Nationalhymne zu stehen, unterstützte Kraft die Position vieler schwarzer Spieler.

Er wies die Worte des US-Präsidenten öffentlich als unangemessen zurück, obwohl dieser zu seinen persönlichen Freunden zählt. Kraft zeichnet auch sonst sein Weitblick aus. Wirtschaftlich schaut er über den Tellerrand. Streaming, Generation Netflix, die Chancen, über eSports junge Zuschauer zu gewinnen - all diese Punkte hat der inzwischen 77-Jährige auf dem Radar.

Mit Blick auf Deutschland

Auch ist es mehr als reine Höflichkeit, wenn er deutschen Reportern erklärt, die NFL solle ihr internationales Engagement von Partien in London auch auf Deutschland ausweiten. Kraft hat erkannt, dass der deutsche Markt immer wichtiger wird.

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