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Angelique Kerber: Ohne viel Tamtam

Nach dem Seuchenjahr 2017 hat Angelique Kerber in dieser Saison wieder in die Spur gefunden. Bei den French Open in Paris spricht trotzdem niemand von ihr als Titelkandidatin - und das ist ihr auch ganz recht so.

Angelique Kerber.
Angelique Kerber.
Quelle: reuters

Vom Court Philippe Chatrier donnert tosender Applaus der 15.000 Tennisfans herüber, Serena Williams hat gerade ihr erstes Grand-Slam-Match nach ihrer Babypause gewonnen. Am Fuße der größten Arena im Stade Roland Garros spielt zur gleichen Zeit Angelique Kerber, auf einem der vielen kleinen Nebenplätze vor 400 Zuschauern.

Lieber nicht im Mittelpunkt

Abseits des Rampenlichts der French Open, und das behagte Kerber gut. Bloß nicht im Mittelpunkt stehen oder - schlimmer noch - vielleicht sogar noch als Mitfavoritin auf den Turniersieg gelten. Die vielen lästigen Fragen, die dann kommen und die Termine, die man im Vorfeld eines der vier größten Turniere dann absolvieren muss, haben Kerber immer massiv gestresst. "Es ist mir ganz recht, dass andere gerade die Schlagzeilen bestimmen", gestand Kerber.

Die 30 Jahre alte Norddeutsche will am liebsten ihre Ruhe haben bei einem Grand Slam, und die hatte sie am Dienstagabend bei ihrem Auftakt. Mit Mona Barthel traf sie auf eine Gegnerin, die ihr zuletzt gut lag und mit der sie auch in dieser Partie wenig Probleme haben sollte.

Die letzte Niederlage gegen eine Landsfrau kassierte Kerber 2013 - gegen Barthel - doch dieses Mal geriet sie nie in Gefahr. Mit 6:2 und 6:3 zog Kerber zügig in die zweite Runde ein. Der Nummer zwölf der Welt und der aktuell hinter Julia Görges zweitbesten Deutschen ist der Auftakt in Paris gelungen.

Und er könnte ihr wieder mehr Lust auf den Sandplatzklassiker machen. Aus einem Grund spielt sie sogar gerne auf diesem Belag. "Er kann mich zu einer besseren Spielerin machen", sagt sie im ZDF-Interview. Auf Sand könne sie lernen, mehr Geduld in ihr Spiel zu bringen.

Erleichtert

Denn für Kerber lief es in den vergangenen Jahren enttäuschend in Roland Garros. Gegen die Russin Jekaterina Makarowa unterlag Kerber gleich im ersten Match, und es sollte dabei nur eine von sehr vielen Enttäuschung in der vergangenen Saison sein.

"Ich bin einfach nur froh, dass ich hier die erste Runde endlich wieder gewonnen habe", sagte Kerber erleichtert, "Sand ist für mich einfach eine Herausforderung."

Nicht das Lieblingsturnier

Die French Open sind der einzige der vier Grand Slams, bei dem es Kerber noch nie ins Finale schaffte. 2012 erreichte sie immerhin das Viertelfinale, doch wahre Liebe verbindet sie bisher nicht mit den French Open.

Vielleicht ändert sich das nun, denn Kerber hat zum Jahresbeginn die Wende geschafft und das Seuchenjahr 2017 hinter sich gelassen. "Ich bin wirklich zufrieden, wie die Saison bisher läuft", sagte Kerber, "ich habe mein Spiel wiedergefunden und ich weiß, was mir auf und abseits des Platzes gut tut."

Als sie 2016 ihren furiosen Lauf hatte, zwei Grand-Slam-Turnier gewann und die Nummer eins wurde, da wurde ihr der Rummel um ihre Person schnell zuviel. Die dauernden Fragen, auch nach Privatem, noch mehr Termine und dabei ständig im Fokus sein - das ist nicht Kerbers Ding: "Das war ein Lernprozess", sagte sie nun, "aber ich habe gemerkt, dass es ein wichtiges Puzzleteil für mich ist, wie mein Tagesablauf aussieht und dass ich dabei auch Zeit für mich habe."

Oberschenkelverletzung ist auskuriert

Ihre Oberschenkelprobleme, die sie zum Verzicht des Masters in Madrid zwangen, hat Kerber inzwischen auskuriert. Sie ist wieder schmerzfrei und bereitete sich bereits einige Tage vor dem Start der French Open auf den beschaulichen Trainingsplätzen neben der Anlage vor. Ganz in Ruhe. "Ich habe zuletzt gut gespielt, mal sehen, wohin die Reise führt", sagte Kerber, "wenn ich hier wegfahre, will ich sagen können: Ich habe alles gegeben."

Am Donnerstag wartet zunächst die Rumänin Ana Bogdan, die Nummer 66, auf Kerber. Es dürfte ein weiteres Match werden ohne viel Tamtam.

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