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FC Arsenal - altes Leid mit der Defensive

Fußball - Europa League | Gruppe F

Auch in Jahr zwei der Post-Wenger-Ära hinkt der FC Arsenal seinen Ansprüchen hinterher. Vor dem Auftakt in der Europa League gegen Eintracht Frankfurt (18.55 Uhr) wirkt der Kader unausgeglichen zusammengestellt und alles andere als titelreif.

Sokratis Papastathopoulos, David Luiz und Matteo Guendouzi (v.l.n.r.)
Sokratis Papastathopoulos, David Luiz und Matteo Guendouzi (v.l.n.r.)
Quelle: reuters

Martin Keown ist ein Baum von einem Mann. 17 Jahre lang hat der Innenverteidiger seine Knochen für den FC Arsenal hingehalten, wenn er etwas sagt, gibt es also gleich zwei gute Gründe, genau hinzuhören. "Schrecklich", grantelte Keown, mittlerweile TV-Experte, nach dem 2:2 seines Ex-Klubs beim biederen Tabellenletzten in Watford am vergangenen Sonntag. "Sie haben sich selbst in den Fuß geschossen."

Problemzone Defensive

"Sie", das meint in diesem Falle vor allem die Defensive der Gunners, die nach nur fünf Spieltagen in der Premier League bereits als Problemzone des mittelmäßig gestarteten Teams ausgemacht ist. Mal wieder, könnte man sagen. Denn auch zwei Jahre nach der Ära Arsène Wenger, in der so Granden wie Thierry Henry und Dennis Bergkamp das Publikum mit Offensiv-Spektakel verzauberten, scheint Abwehrarbeit bei den Londonern eher lästiges Beiwerk. Und erneut ist man von großen Titeln weit entfernt.

Jahr für Jahr soll endlich alles besser werden für die Gunners, die in den Neunzigern und Zweitausendern zahlreiche Meisterschaften holten und sich mit Manchester United um die Vormachtstellung in der Premier League stritten, in teils epischen Duellen. Bislang klappt der Umbruch nicht. Schon nach fünf Spieltagen hinkt der Klub Liverpool, Manchester City und wieder mal dem Rivalen aus Tottenham hinterher, mehr noch den eigenen Ansprüchen. Und die Abwehr ist dabei die Achillesferse.

Abwehr mit "Selbstzerstörungsknopf"

Um das zu belegen, genügt ein Blick auf die Marktwerte im Kader. Die drei wertvollsten Stürmer - Pierre-Emerick Aubameyang, Nicolas Pepé und der aktuell verletzte Alexandre Lacazette - kommen gemeinsam auf einen Marktwert von 215 Millionen Euro. Die drei wertvollsten Innenverteidiger lediglich auf 58 Millionen Euro. Eine Schieflage, aus der sich weitere interessante Zahlen ergeben: Etwa die 31 Torschüsse Watfords, die davon zeugen, dass Arsenal, das lediglich sieben Mal aufs Tor schoss, gegen den Underdog mit dem Punkt noch gut bedient war. Oder die 15 groben Fehler der Gunners seit Beginn der letzten Saison, die zu direkten Gegentoren führten – einsame Ligaspitze.

Gegen Watford war es erst Sokratis, der einen desaströsen Querpass spielte. Anschließend verursachte David Luiz einen Elfmeter. "Arsenal", schrieb der "Guardian" unlängst treffend, "sei selten weit vom Selbstzerstörungsknopf entfernt".

Geld schießt Tore - und verhindert welche

Geld schießt eben nicht nur Tore - Aubameyang hat nach seinen 22 Toren in der Vorsaison bereits wieder fünf Mal getroffen -, Geld verhindert vor allem auch welche. Das scheint in dem traditionell auf Offensivfußball setzenden Klub in der ein oder anderen Transferperiode zu kurz zu kommen. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Stamm-Innenverteidigung eines Klubs "nur" aus Sokratis und Luiz besteht. Sokratis war schon in Dortmund kein Spieler gehobenen internationalen Formats, ebenjenes hat der 32-jährige Luiz, vor der Saison zum Sparkurs von Chelsea gekommen, in den letzten Jahren eingebüßt.

"Die Liste seiner Fehler wird wöchentlich länger", so Keown schonungslos. Die Konsequenzen der verfehlten Kaderplanung: Auch in dieser Saison wird es wieder spektakuläre Arsenal-Siege geben. Auf Strecke aber werden zu viele Punkte an die Watfords der Liga verschenkt. Tendenz: Europa League. Für einen Klub wie Arsenal, der immer noch das Selbstverständnis eines Spitzenvereins in sich trägt, ist das zu wenig.

Zu einer Top-Mannschaft fehlt nicht viel

Was verwundert, denn Geld für einen ausgewogenen Kader wäre vorhanden gewesen. Allein für Nicolas Pepe wurde die Rekordsumme von 80 Millionen Euro ausgegeben. Für William Saliba, einen 18-jährigen Innenverteidiger, gaben die Gunners 30 Millionen Euro aus, nur um ihn direkt zu seinem Stammverein zurückzuverleihen. Mit Kieran Tierney kam für 27 Millionen Euro ein Talent für die Linksverteidigerposition. Für Stabilität in der Abwehr sollte Luiz sorgen.

Eine Fehleinschätzung, die teuer werden könnte, denn zu einer Top-Mannschaft scheint nicht allzu viel zu fehlen. Pepe war, wenngleich teuer, auf der Position des Rechtsaußen der wahrscheinlich aufregendste Spieler auf dem Markt, gleiches gilt für den von Real Madrid ausgeliehenen Dani Cebalos. Ausnahmetalent Matteo Gouendouzi wurde bereits im Vorjahr aus Frankreich verpflichtet und schwingt sich immer mehr zum Taktgeber auf. Und mit Reiss Nelson und Joe Willock spuckt auch die Arsenal-Academy wieder Talente aus, denen einiges zuzutrauen ist.

Kritik aus den eigenen Reihen

Wäre da nicht die Defensive. Nach dem 2:2 ätzte Aubameyang bereits: "Es fühlt sich an, als schenken wir den Gegnern die Tore." Martin Keown sah es ähnlich: "Sie waren der Architekt des eigenen Niedergangs." Keown ist mittlerweile übrigens 53 Jahre alt. Als Arsenal 2004 das letzte Mal Meister wurde, war er noch Abwehrchef.

von Stephan Reich

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