Sie sind hier:

Sigurdsson und die Tabu-Debatte

Sport - Sigurdsson und die Tabu-Debatte

Bundestrainer Dagur Sigurdsson hat bei der Nominierung seines Olympia-Kaders die Qual der Wahl: Nur 14 Spieler erhalten das Ticket für Rio. Besonders auf den Außenpositionen wird es Härtefälle geben.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.04.2017, 15:37

Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson verweigert sich standhaft allen Debatten um den Olympia-Kader. Es sind noch vier Monate bis Rio de Janeiro. Deshalb gaben die beiden Testsiege gegen Dänemark (33:26) und Österreich (26:20) wichtige Hinweise.

Wenn ihm etwas nicht passt, wird Dagur Sigurdsson mitunter recht schroff. So hat der Trainer des Handball-Europameisters nach dem Länderspiel gegen Dänemark genervt auf die Frage reagiert, warum nur der Taktikzettel für die ruhmreiche EM ins Deutsche Sport- und Olympiamuseum gewandert sei und nicht seine berühmte Taktiktafel. „Die wird überreicht bei einer Live-Übertragung im Fernsehen und wird dann in der Mitte zerteilt“, sagte der isländische Bundestrainer giftig.

Von Nebenkriegsschauplätzen genervt

Es wirkte, als fordere er auch die mitreisenden Journalisten dazu auf, sich nicht mit Nebenkriegsschauplätzen aufzuhalten. Diese totale Konzentration auf die anstehende Aufgabe verlangte er bekanntlich von den Profis, weshalb er ihnen am Freitagabend einen Besuch des Eishockey-Playoff-Spiels in der riesigen Kölner Arena untersagte. Das wurde nun belohnt durch zwei Erfolge: ein überlegender Sieg in Köln gegen die spielstarken Dänen (33:26) und ein nicht minder klarer Sieg in Gummersbach gegen Österreich (26:20).

Weil Sigurdsson sich nur mit dem nächsten Spiel beschäftigt, hat er geradezu garstig auf die Frage nach der Kaderzusammenstellung für das olympische Turnier in Rio de Janeiro reagiert. „Ich weigere mich darüber zu sprechen“, ließ er dazu im ZDF-Interview wissen. „Der Kader wird im Sommer gewählt und nicht jetzt.“

Noch ein Testspiel vor Rio
Es sind in der Tat noch vier Monate bis zum ersten Spiel unter dem Zuckerhut – und die schwere Knieverletzung des Rückraumstars Christian Dissinger (THW Kiel) hat erneut demonstriert, dass womöglich der Kader aus den Verletzungen einiger Profis resultiert. Andererseits jedoch bleiben dem Isländer jetzt nur noch ein Länderspiel Anfang Juni (vermutlich gegen Russland) und die letzten Tests in der unmittelbaren Vorbereitung auf den großen Höhepunkt. Das machte die beiden Testspielsiege auf dem Weg nach Rio so wertvoll.

Sigurdsson nutzte jedenfalls die Partien, um neben den standardisierten 6:0- und 5:1-Systemen eine aggressive 3:2:1-Deckung jugoslawischer Prägung zu erproben, mit Hendrik Pekeler (Löwen) in der Spitze und mit Finn Lemke (Magdeburg) im Zentrum. Das klappte überraschend gut, sogar gegen die spielstarken Dänen. „Das macht es für jeden Gegner schwieriger uns auszurechnen“, sagt Torwart Andreas Wolff (HSG Wetzlar), der nach seinen Supertaten bei der EM für Olympia gesetzt sein dürfte (wie auch Pekeler und Lemke).

Lichtlein punktet

Für die olympische Kader-Auswahl haben sich am Wochenende weitere einige Profis empfohlen. Im Torwartduell zeigte Silvio Heinevetter (Füchse) in beiden Spielen eine ansprechende Leistung – aber auf der anderen Seite lag die Fangquote bei Carsten Lichtlein (Gummersbach), der nur gegen Österreich eingesetzt wurde, noch höher: Pluspunkt Lichtlein.

Und im Rückraum machte Julius Kühn einen großen Schritt nach Rio. Der Gummersbacher Halblinke war der herausragende Rückraumspieler in beiden Partien und dürfte, wenn er diese Eindrücke in der Olympia-Vorbereitung bestätigen sollte, ebenfalls ein Ticket für den nur 14 Mann umfassenden Kader erhalten. „Er trifft im Moment einfach alles“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer (Löwen), der als Flügelspieler ebenfalls um ein Ticket fürchten muss.

Große Abwehrspieler gefragt
Denn wenn Sigurdsson vor Olympia genauso plant wie vor der EM in Polen, nämlich mit riesigen Abwehrspielern die entscheidenden Matchvorteile herauszuholen, dann wird er vielleicht nur mit zwei Außen nach Rio reisen. Die Debatte über den Olympia-Kader, so ungern Sigurdsson sie vernimmt, wird daher sein ständiger Begleiter bleiben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet