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Max Kepler - Homeruns Made in Germany

Deutsche im US-Sport | MLB

Ein Deutscher als Leistungsträger in der Major League Baseball? Das war mehr als 100 Jahre undenkbar. Dann kam Max Kepler.

Der deutsche Baseball-Profi Max Kepler hat den 68 Jahre alten "Europarekord" für die meisten Homeruns in einer Saison gebrochen
Der deutsche Baseball-Profi Max Kepler hat den 68 Jahre alten "Europarekord" für die meisten Homeruns in einer Saison gebrochen
Quelle: usa today sports/Kevin Jairaj

Anfang September in der Kabine der Minnesota Twins. Max Kepler steht vor seinem Spind und gibt ein Interview - auf Deutsch. Rechts neben ihm macht sich Mitspieler Miguel Sano bereit für das Spiel bei den Boston Red Sox. Der Profi aus der Dominikanischen Republik schaut durchaus interessiert zu, auch wenn er nichts von dem versteht, was Kepler da so erzählt.

Eine Rarität

Die Szene ist bezeichnend für die Major League Baseball. Hier wird vor allem Englisch und Spanisch gesprochen. Hin und wieder ist auch Japanisch oder Koreanisch zu hören. Deutsch hingegen ist eine absolute Rarität. Denn mit Maximilian Kepler-Rozycki gibt es aktuell unter den rund 1000 MLB-Spielern nur einen Deutschen. Doch seine Nationalität spiele in seiner mittlerweile vierten MLB-Saison längst keine Rolle mehr, sagt Kepler. Er sei halt einfach “der Max.”

Und dieser Max ist der erste Deutsche, der sich in der 116-jährigen Geschichte der MLB so richtig etabliert hat. Am 27. September 2015 gab er sein Debüt - vier Jahre und 553 Ligaspiele später ist der Outfielder ein absoluter Eckpfeiler des Teams geworden. Seine 36 Homeruns sind die Zweitmeisten bei den Twins - und bedeuten eine enorme Leistungssteigerung gegenüber der Vorsaison (20). Im Sommer war Kepler in der ligaweiten Homerunliste zwischenzeitlich gar mal Siebter. Derzeit ist er 18. - allerdings konnte er aufgrund von Schulterproblemen seit dem 14. September nicht mehr spielen.

Mit breiter Brust gegen Yankees

Wenn Minnesota am Donnerstag gegen Rekordmeister New York Yankees in die Playoffs startet, wird Kepler zurückerwartet. Und die Twins können ihren Power Hitter bestens gebrauchen. Seit 2003 haben sie in der K.o.-Runde fünfmal gegen die Yankees gespielt - und sind fünfmal gescheitert.

Es gebe weder einen Lieblings- noch einen Angstgegner, betont Kepler. Er klingt genauso selbstbewusst, wie seine Mitspieler. Und das dürfen sie auch sein. Die Twins haben gerade die erfolgreiche Vorrunde seit 1965 gespielt. Sie haben zudem als erstes Team der MLB-Historie mehr als 300 Homeruns geschlagen. Und sie sind die beste Auswärtsmannschaft.

Sportliches Multi-Talent

Dass Kepler mal in der besten Baseball-Liga der Welt reihenweise die kleinen, weißen Hartbälle auf die Tribünen dreschen würde, war in seiner Kindheit nicht absehbar. Schließlich wuchs er in Deutschland auf - einen Baseball-Entwicklungsland. Zudem war er sportlich ein kleines Multi-Talent. So stand Kepler bei Hertha BSC im Tor und spielte außerdem so gut Tennis, dass ihm die Steffi Graf-Stiftung in seiner Heimatstadt Berlin ein Stipendium anbot.

Baseball lernte er an der John F. Kennedy-Schule kennen. An der deutsch-amerikanischen Bildungseinrichtung im Stadtteil Zehlendorf war Kepler in einer Klasse mit dem heutigen VfL Wolfsburg-Profi John Brooks. Er fand Gefallen an diesem in Deutschland eher untypischen Spiel. Und er hatte so viel Talent, dass seine Mutter bald im Internet nach besseren Vereinen für ihren Max suchen musste. Über die Berlin Challengers und Berlin Sluggers kam Kepler auf das Baseball-Internat der Regensburg Legionäre. In Deutschland ist dies in seiner Sportart das Nonplusultra.

Langer Kampf durch untere Ligen

Im Alter von 18 Jahren machte der Sohn einer US-Amerikanerin und eines Polen den bis dahin wichtigsten Karriere-Schritt. Kepler unterschrieb einen Vertrag bei den Minnesota Twins. Anschließend musste er sich über viele Jahre durch die unteren Ligen kämpfen. Rückschläge einstecken, Glücksmomente nicht überbewerten. Es war die Zeit, in der viele Talente scheiterten oder aufgaben. Die Zeit, in der es nicht nur auf das Können, sondern auch den Willen ankam. In der stundenlange Busfahrten, einfache Hotels und mitunter viel Einsamkeit zum Tagesgeschäft gehörten.

Er ist drauf und dran, ein Star zu werden
Twins-Trainer Rocco Baldelli

Der Aufwand, die Mühen, die Schinderei haben sich gelohnt. Aus dem einstigen Talent Max Kepler ist ein MLB-Profi und Leistungsträger geworden. Im Februar hat er einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben, der ihm 35 Millionen Dollar einbringt. “Er ist drauf und dran, ein Star zu werden”, sagt Twins-Trainer Rocco Baldelli. Bei den Heimspielen sind mittlerweile viele Zuschauer zu sehen, die das Kepler-Trikot mit der Rückennummer 26 tragen. Der Deutsche macht Werbung für lokale Firmen. Und wenn Kepler einen Homerun schlägt, kommentieren das die US-Fernsehreporter schon mal mit einem “sehr gut” oder “Auf Wiedersehen.”

Deutsche in der MLB

Die Major League Baseball gibt es seit 1903. Bislang haben es jedoch nur zwei Deutsche in die Liga geschafft. Der Erste war Donald Lutz, der 2013 und 2014 insgesamt 62 Spiele für die Cincinnati Reds bestritt. Seit 2015 spielt Max Kepler im Trikot der Minnesota Twins in der besten Baseball-Liga der Welt.

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