Sie sind hier:

Ein Präsident kehrt zurück

Zur bevorstehenden Wahl von Uli Hoeneß zum Präsidenten des FC Bayern

Mitten hinein in die sportliche Krise wird Uli Hoeneß wieder die Vereinsführung des FC Bayern übernehmen und die Sehnsucht nach Fannähe, Wärme und innerer Stärke bedienen. Spannend wird die Zusammenarbeit mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß
Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß Quelle: imago

Erfolgszahlen wird der FC Bayern auch an diesem Freitagabend verkünden, wie auf den beiden vergangenen Jahreshauptversammlungen. Doch sonst wird Vieles völlig anders sein. Statt wie ein eher kühles Wirtschaftsseminar wird der Konvent eher als „Spektakel“ daherkommen, das erwartet sogar Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Langgezogene Uli-Rufe werden die rund 6000 Menschen fassende Halle beschallen, die, darauf stellt sich der FC Bayern jedenfalls ein, aus allen Nähten platzen wird und neben der deshalb sogar ein Zelt samt Videoleinwand für 2000 weitere Besucher aufgestellt wurde.

Hoeneß zurück auf dem Bayern-Thron

Alles für Uli Hoeneß, der wieder als Präsident des Vereins inthronisiert werden soll. Zweieinhalb Jahre nach seinem emotionalen Abschied und jenen Worten, die seitdem nachhallen und nun mit Leben gefüllt werden. „Das war’s noch nicht“, hatte Hoeneß im Mai 2014 den Mitgliedern zugerufen.

Nun übernimmt der gefallene Patron wieder die Vereinsspitze, zunächst als Präsident des e.V., spätestens kurz nach seinem 65. Geburtstag am 5. Januar auch wieder als Chef des Aufsichtsrats der AG. So wird es jedenfalls fest erwartet, wenngleich sich Hoeneß zum zweiten Schritt öffentlich bisher bedeckt gehalten hat. Ein sehr klares Votum für seine Präsidentenwahl jenseits der 90 Prozent gilt als wahrscheinlich. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht, der bisherige Präsident Karl Hopfner zieht sich zurück.

Nur wenig Kritik

Interne Kritik oder aus der Branche am FC Bayern ist wegen dieser Rochade nicht laut geworden, extern werden öffentlich nur vereinzelt Bedenken geäußert. Etwa, wenn es um die Fragen geht, ob der Branchenführer Hoeneß als amtierende Führungskraft brauche und ob dieser sich das antun sollte, nachdem er als moralische Instanz der Gesellschaft abgestürzt war. Für sich hat er die Fragen mit einem klaren Ja beantwortet, trotz oder gerade wegen der Veränderungen beim FC Bayern.

Hoeneß, mit 27 Jahren vom Profi zum Manager aufgestiegen und in den Jahrzehnten danach zur Seele des Vereins und personifizierten Abteilung Attacke geworden, gibt an diesem Freitagabend die Abteilung Rückkehr. Und er wird dabei, mit seinem Instinkt für den an der Basis willkommenen Schuss Populismus, die Sehnsucht nach Fannähe, Wärme und vielleicht auch Kampfansagen an Konkurrenz und Feindbilder bedienen, ob nun gegen Aufsteiger und Tabellenführer RB Leipzig oder den Nachbarn TSV 1860. „Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein, das wird sich nicht ändern, ich werde sicher nicht herumeiern“, sagte er jüngst im „Kicker“.

Rückkehr soll Zeichen setzen

Mitten hinein in die Krise nach den beiden 0:1- und 2:3-Niederlagen bei Borussia Dortmund und FK Rostow und den Eindruck der sportlich größten Instabilität seit Jahren, soll seine Rückkehr auch fürs gerade etwas brach liegende Mia san mia stehen, als Zeichen neuer Angriffslust und innerer Stärke.

Vermutlich wird er sich etwas weniger wuchtig äußern als vor seiner Haft, aber gewiss vernehmbar, nun verstärkt unterfüttert von Gesten an die Basis, für die er sich in Zeiten der Internationalisierung besonders einsetzen will. Vorbereitet hat er sich auf seinen Auftritt lange, auch darauf, einen neuen, aber unverwechselbaren Ton zu treffen. Seine Rede wird dem Ausdruck verleihen.

Spannend zu beobachten wird sein, wie Rummenigge damit umgeht, Macht wieder teilen zu müssen. In Abwesenheit von Hoeneß hatte er sich als unumstrittener Chef des FC Bayern etabliert. Künftig wird er sich mit der langjährigen Führungsfigur des Vereins wieder arrangieren müssen.

Hoeneß will trotzdem kürzertreten

Nicht nur formal, wenn es um finanziell kostspielige Transfers gehen wird, die der Aufsichtsrat, dann aller Voraussicht nach wieder mit Hoeneß als Chef, genehmigen muss. Sondern auch im Alltag, in dem Hoeneß nicht mehr täglich an der Säbener Straße sein will, aber seinen Einfluss sicherlich stets geltend machen wird.

Wann immer Rummenigge sich zuletzt über seinen früheren Mitspieler und den langjährigen Patriarchen des FC Bayern geäußert hat, wählte er stets freundlich-unverfängliche, aber zuweilen auch ein bisschen reserviert klingende Worte. „Willkommen“ sei Hoeneß, sagte Rummenigge in der Sport Bild, „wir haben ein total intaktes, freundschaftliches, sauberes Verhältnis.“ Streit habe es zwar immer mal gegeben, und er wisse „natürlich auch, dass Uli ein Alphatier ist“. Doch er sei überzeugt, „dass Uli heute anders tickt als vor seiner Auszeit“. Das klang fast ein bisschen, als hoffe Rummenigge darauf.

Sport - Daum gegen Hoeneß - ein Klassiker

In der Saison 1988/89 haben sich der FC Bayern und der 1. FC Köln um den Titel gestritten. Vor dem direkten Duell trafen sich die Verantwortlichen im aktuellen sportstudio. Die Höhepunkte einer Fehde und weitere markige Sprüche von Uli Hoeneß.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet