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Spiel um die Saisonbewertung

Nach Champions-League-Aus steht Bayern gegen BVB unter Druck

Carlo Ancelotti

Sport - Spiel um die Saisonbewertung

Im Pokalhalbfinale gegen Dortmund geht es für den FC Bayern am Mittwoch, 20.45 Uhr (ARD), vor allem darum, wie das erste Jahr von Trainer Ancelotti in München eingeordnet wird. Das gilt auch für seine Strategie, vor allem auf Routine zu setzen.

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Philipp Lahm hatte es prägnant formuliert und doch nicht die ganze Wahrheit ausgesprochen. "Ob es eine gute oder sehr gute Saison wird, hängt vom Pokal ab", sagte der Kapitän des FC Bayern vor dem Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund. Doch da gut ist im Falle des wirtschaftlich unangefochtenen deutschen Branchenführers eher nicht gut genug ist, traf es die unmissverständliche Ansage aus Dortmund genauer. "Wir können ihnen auf jeden Fall die Saison ein Stück weit vermiesen. Das haben wir vor", ließ BVB-Trainer Thomas Tuchel wissen. Sollte es der Borussia an diesem Mittwoch in München tatsächlich gelingen, wie 2015 im Halbfinale und 2012 im Finale den FC Bayern zu bezwingen, käme die Bewertung der Saison an Säbener Straße über das Prädikat enttäuschend kaum hinaus.

Das erstmals seit sechs Jahren so frühe Aus im Viertelfinale der Champions League stünde ebenso in der Bilanz wie der Abschied vom Pokaltitel, noch vor dem Endspiel in Berlin am 27. Mai. Der bevorstehende Gewinn der fünften Meisterschaft hintereinander wäre nicht mehr als eine Pflichterfüllung. Das wissen auch die Münchner und Lahm.

Frühjahrsknick auch unter Ancelotti

Es hat längst auch bei ihnen eine Suche nach den Gründen für den schon traditionellen Frühjahrsknick eingesetzt. Eine Suche, die über die Verletzungen wichtiger Säulen hinausgeht und bei der auch die Frage gestellt wird, ob ein Antreiber wie der im vergangenen Sommer ausgeschiedene Sportvorstand Matthias Sammer fehlt. Gerade jetzt, da es in der Mannschaft gärt und besonders deutlich Arjen Robben manchen Kollegen zu wenig Ehrgeiz vorwarf. Und weil Ancelotti mehr verwaltet als den Konkurrenzkampf zu schüren.

Nur eines der vergangenen sechs Pflichtspiele konnten die Münchner gewinnen. Der bisher letzte Sieg gelang am 8. April in der Liga durch ein 4:1 - gegen Dortmund. Danach reihten die Bayern zwei Niederlagen und zwei Remis aneinander. Das jüngste 2:2 gegen Mainz in der Liga kam zwar unter dem Eindruck des schmerzhaften Abschieds aus Europa zustande. Doch der Zustand der Mannschaft gibt den Bayern Anlass zur Sorge vor jener Partie, die über die gesamte erste Saison von Carlo Ancelotti in München entscheiden könnte. "Das Spiel ist sehr wichtig für uns", sagte der Trainer am Dienstag, "ich wünsche mir, das Pokalfinale mit meinem Team zu erleben. Es wäre für mich das erste Mal."

Die Last der Verantwortung wird auch gegen den BVB auf den Schultern der Routiniers liegen. Wie schon vor einer Woche in Madrid, wo Ancelotti die bislang im Schnitt älteste Startelf der Champions League formierte, obwohl einige der Etablierten wie Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels und Robert Lewandowski verletzt oder zumindest angeschlagen in die Partie gehen mussten. Bis auf womöglich David Alaba wegen einer Kapselzerrung im linken Knie und Neuer, der sich bei Real als Folgeverletzung nach seiner erst drei Wochen zurückliegenden Operation einen Fußbruch zuzog, werden sie nun aber wohl alle wieder dabei sein. Obwohl sie ihre Blessuren noch immer plagen.

Mehr Spielzeit für Kimmich & Co.?

Hoffnungsvolle Talente wie Joshua Kimmich spielen dennoch keine nennenswerte Rolle. Ancelotti verweist bei ihnen lieber auf die kommende Saison, nachdem Lahm und Xabi Alonso ihre Karrieren in wenigen Wochen beenden werden. "Wir haben viele junge Profis, die dieses Jahr nicht viel gespielt haben. Aber ich baue auf Renato Sanches, Kingsley Coman und Joshua Kimmich. Sie sind die Zukunft dieses Vereins", sagte Ancelotti. Kimmich soll künftig in Lahms Rolle hineinwachsen, "wir werden ihn als Rechtsverteidiger ausprobieren", formulierte es sein Trainer und kündigte an, dass es im Kader „garantiert keine Revolution“ geben werde. Das klang verhaltener als bei den Vereinslenkern, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß. Vor allem Letzterer betont immer wieder die Wichtigkeit der Nachwuchsförderung und sieht in ihr einen unerlässlichen Baustein für die Zukunft.

Ancelotti gilt eher nicht als Talentförderer. Die aktuelle Saison belegt das. Über die Bewertung dieses Teils seiner Arbeit wird das Pokalhalbfinale gegen Dortmund ebenfalls mitentscheiden.

FC Bayern München - Borussia Dortmund

Die voraussichtlichen Aufstellungen

FC Bayern München: Ulreich - Lahm, Boateng, Hummels, Alaba - Xabi Alonso, Vidal - Robben, Thiago, Ribéry - Lewandowski

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Schmelzer - Durm, Castro, Weigl, Guerreiro - Dembélé, Reus - Aubameyang

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

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