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"Gold-Tigerin“ Eskau: Über Finsterau nach Rio

Sport - "Gold-Tigerin“ Eskau: Über Finsterau nach Rio

Der IPC-Weltcup aus Finsterau: Zusammenfassung vom Samstag.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.02.2017, 13:16

Der Heim-Weltcup in Finsterau ist für die nordischen Behindertensportler die Generalprobe für die WM im nächsten Jahr. Für die mehrmalige Paralympics-Siegerin Andrea Eskau ist er zudem eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen in Rio.

Im kleinen Dorf Finsterau im Bayerischen Wald liegt Schnee bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. In der Millionenstadt Rio de Janeiro treibt die Sonne das Quecksilber derzeit auf 34 Grad im Schatten hoch und an der Copacabana herrscht Hochbetrieb. Scheinbar verbindet diese fast 9800 Kilometer voneinander entfernten Orte überhaupt nichts. Für die mehrmalige Paralympics-Siegerin Andrea Eskau freilich bedeuten sie alles: Über Finsterau geht es für sie nach Rio und dann eben zurück nach Finsterau.

Sommer-Vorbereitung im Winter

Der in dieser Woche laufende Weltcup im Skilanglauf und Biathlon im Bayerischen Wald ist für die Behindertensportlerin die einzige Wintersport-Zwischenstation auf dem Weg zu den Paralympics in Rio de Janeiro (7. - 18. September 2016). Dort startet die 44-Jährige im September mit dem Handbike nach insgesamt drei Goldmedaillen 2008 und 2012 als Titelfavoritin. "Auf den Paralympics in Rio liegt für mich in diesem Jahr der Fokus. Dort möchte ich gern noch einmal Gold gewinnen“, erzählt Eskau: "Finsterau ist für mich eine wichtige Zwischenstation. Einmal als Leistungstest auf dem Weg nach Brasilien, zum anderen ist der nächste Höhepunkt nach Rio für mich ja die WM in Finsterau.“

2017 gehen in dem wintersportbegeisterten Örtchen die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften für Behinderte über die Bühne. Und Andrea Eskau ist halt nicht nur eine überragende Handbikerin im Sommer sondern auch eine grandiose Sitzschlittenfahrerin im Winter. Bei den Winter-Paralympics 2014 hatte sie zweimal Gold gewonnen, bei der letzten Ski-WM 2015 sogar drei Titel. Im Sommer folgten dann Gold und Silber im Paracycling, womit sie in Sachen WM-Titel bei der unglaublichen Zahl von 21 angekommen ist. Damit hat die grauhaarige Frau, die wegen ihres unermüdlichen Kampfgeists den Spitznamen "Tigerin“ trägt, noch keinesfalls mit dem Thema Medaillenjagd abgeschlossen. "Bis zu den Winter-Paralympics 2018 in Pyeongchang will ich in jedem Fall noch weitermachen“, sagt sie.

Start trotz gerade überwundender Bronchitis

Deshalb will sie an diesem Wochenende unbedingt auch bei den Sprintrennen im Sitzschlitten in Finsterau starten, obwohl sie gerade eine Bronchitis überwunden hat. "So kann ich mir schon die WM-Strecken anschauen und wichtige Informationen sammeln, was ich mit Blick auf den Höhepunkt im nächsten Winter im eigenen Land trainieren muss“, sagt sie.

Zudem will sie sich mit ihrem einzigen Winter-Weltcupstart in dieser Saison für die Aufnahme in den deutschen Top-Team-Kader für Pyeongchang 2018 empfehlen, in den sie trotz ihrer zwei Winter-Paralympics-Triumphe von 2014 bislang nicht aufgenommen wurde. Es geht dabei immerhin um eine finanzielle Unterstützung von 400 Euro monatlich für die Frau, die einen Großteil ihrer Einkünfte in den Sport investiert. "Ich finde ja gut, dass sie in Richtung Nachwuchs denken. Die müssen den Staffelstab auch irgendwann von mir übernehmen. Vielleicht denken sie ja: Wer weiß, ob die alte Kuh 2018 noch was holt …“, sagt sie dazu süffisant.

Medaillen-Garantin Andrea Eskau

Dabei war bei allen sportlichen Höhepunkten seit 2003 bislang auf die nach einem Fahrradunfall 1998 querschnittsgelähmte Andrea Eskau als Titelgarantin und deutsche Vorzeigefigur Verlass. Das soll auch in diesem Jahr so bleiben. Erst in Finsterau trotz ihrer Erkältung ("Wenn dann das Adrenalin durch die Adern fließt, sind die gesundheitlichen Probleme für ein paar Minuten weg“), dann natürlich vor allem in Rio. "Die Trainingswerte im Bike sind sehr gut. Ich bin voll im Soll und will mich mit einer Kette von Höhentrainingslagern perfekt für die Paralympics in Schuss bringen“, sagt sie.

Vor dem Großereignis in der schwülen Hitze Brasiliens ("Das Klima ist für mich als Asthmatikerin nicht so prickelnd“) will sie jedoch im eiskalten Finsterau noch einmal Werbung für den Behindertensport im Winter machen. Der steht nämlich in einer Saison ohne Weltmeisterschaften und Winter-Paralympics noch mehr im Schatten der Öffentlichkeit als sonst. "Dabei sind die Rennen wie der Sprint rasant und die Leistungen wirklich spektakulär“, sagt sie. Besonders spektakulär ist ganz sicher ihre Leistung als Multitalent im Winter und Sommer - ob nun in Finsterau oder Rio de Janeiro.

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