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Siegerkür im Schatten großer Problemfelder

DBS-Sportlerwahl 2016

Paralympics 2016

Sport - Siegerkür im Schatten großer Problemfelder

Noch bis zum 20. November kann gewählt werden. Gesucht: Die Behindertensportler des paralympischen Jahres 2016. Erfolge müssen gefeiert werden – aber es gilt auch, zwei große Probleme zu lösen: Doping und Klassifizierungsbetrug.

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Die Paralympics in Rio de Janeiro waren für die deutschen Behindertensportler ein voller Erfolg. 57 Medaillen durften gefeiert werden. Starke Geschichten wurden erzählt. Und auch lustige, etwa über den Speerwerfer Mathias Mester.

Der 1,42 Meter kleine mehrfache Weltmeister war zwar nur Fünfter geworden, hatte aber für einige Lacher gesorgt. Auf dem Hinflug nach Rio dankte er der Lufthansa auf Facebook mit einem Bild, das ihn mit den Füßen auf dem Klapptisch zeigte. Dazu der Satz: „Ihr lasst mich immer First Class fliegen ein Traum ;-D.“ Für den Rückflug bekam Mester dann tatsächlich ein Upgrade und dankte erneut via Facebook mit einem Bild: Es zeigt ihn gemütlich auf einem Kissen schlummernd – allerdings im Handgepäckfach.

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Doping und Klassifizierungsbetrug

Einige der erfolgreichsten deutschen Paralympics-Teilnehmer stehen nun zur Wahl für die alljährliche Vergabe der Titel: Behindertensportler des Jahres. In den drei Kategorien Frauen, Männer und Teams kann noch bis zum 20. November abgestimmt werden. Die sechs Einzelsportler haben alle mindestens eine Goldmedaille gewonnen, die drei Teams sind jeweils mit mindestens Silber nach Hause geflogen. Allerdings gab es wie im olympischen Sport auch bei den Paralympics nicht nur Anlass zum Feiern und Lachen. Zwei große Probleme plagen die Szene, Doping und Klassifizierungsbetrug.

„Trotz der konsequenten Haltung des Internationalen Paralympischen Komitees IPC im Fall Russland, gilt es in der Zukunft eine große Aufgabe zu bewältigen“, sagt Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Die russischen Behindertensportler waren auf Grund der Erkenntnisse zu flächendeckendem, staatlich gestütztem Doping komplett von den Paralympics ausgeschlossen worden. Da hatte das IPC konsequenter gehandelt als das Internationale Olympische Komitee (IOC).

„Was für Russland nachgewiesen wurde, müssen wir für viele andere Länder vermuten“, sagt Beucher. Es sei gehäuft zu beobachten gewesen, dass vorher unbekannte Athleten es schafften, sich ansatzlos in die Weltspitze zu katapultieren. Sie des Dopings zu verdächtigen, sei „keine Beschuldigung Unschuldiger“, findet Beucher, „denn so etwas widerspricht allen Erkenntnissen im Wettkampfsport“. Frank-Thomas Hartleb, Sportdirektor im DBS, empfindet den „sehr positiven“ Ausschluss Russlands daher als „Tropfen auf den heißen Stein“. Er sagt: „Die Nationen, die munter weiterdopen, haben sich ins Fäustchen gelacht, weil sie so mehr Medaillen gewinnen konnten.“ 209 Weltrekorde seien nicht allein mit einer weltweiten Professionalisierung des Trainings und einer intensivierten Talentsuche zu erklären. Weitsprung-Paralympicssieger Markus Rehm fordert: „Die Russen sind bei weitem nicht die einzigen, wir müssen in der Zukunft rigoros sein.“

Kluge Kriterien gefragt

Das Dopingproblem teilen die Behindertensportler mit dem olympischen Lager, das des Klassifizierungsbetrugs haben sie exklusiv. Nachweisbar sei in diesem Bereich wenig, sagt Sportdirektor Hartleb: „Aber es kursieren Gerüchte.“ Und Zahlen. So habe Usbekistan in London eine Medaille gewonnen, in Rio waren es 31. Und 28 davon gingen an Seebehinderte beim Judo und beim Schwimmen. „Wir müssen Kriterien entwickeln, die Schummeln unmöglich machen“, sagt Beucher. Markus Rehm formuliert es so: „Es muss unabhängige Klassifizierungszentren geben, damit nicht irgendein vermeintlicher Klassifizierer aus irgend einem Land Leuten eine gute Klasse zuschreiben kann.“ Der Leverkusener ist überzeugt: „So, wie es aktuell ist, geht es nicht. Aber eine gute Lösung ist nicht weit weg, das ist nur ein organisatorisches Problem.“

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