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Bericht: Niersbach belastet Beckenbauer - DFB sauer

Sport - Bericht: Niersbach belastet Beckenbauer - DFB sauer

Die "Bild" hat ein Protokoll veröffentlicht, in dem Ex-DFB-Chef Wolfgang Niersbach Franz Beckenbauer schwer belastet. Demnach soll der "Kaiser" die Wiederwahl Blatters finanziell unterstützt haben.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.12.2016, 19:56

Wolfgang Niersbach hat im Zuge der Ermittlungen um die WM-Affäre Franz Beckenbauer offenbar schwer belastet. So sei die ominöse 6,7-Millionen-Euro-Zahlung inoffiziell an die  FIFA-Finanzkommission geflossen, um damit 2002 die Wiederwahl von Sepp Blatter zu finanzieren. Der DFB zeigte sich verärgert.

Die "Bild"-Zeitung zitiert am Dienstag aus Vernehmungsprotokollen der ermittelnden Kanzlei Freshfields. Laut der Protokolle erinnere sich Wolfgang Niersbach, dass Beckenbauer ihm 2002 nach Blatters Wiederwahl gesagt habe: "Der ist auch mit meinen Geld gewählt worden."

"DFB hat Protokolle nicht"

Ähnlich soll sich auch der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans geäußert haben. Beim FIFA-Kongress 2002 in Seoul, bei dem Blatter im Amt bestätigt wurde, habe Beckenbauer auf die Frage, wem Blatter seine Wiederwahl zu verdanken habe, auf sich gezeigt. Der DFB wolle sich erst äußern, wenn ihm die Protokolle vorliegen, sagt DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel dem ZDF: "Ich kenne die Protokolle nicht. Der DFB hat sie nicht."

Beckenbauer hatte die Überweisung von 6,7 Millionen Euro des deutschen WM-Organisationskomitees an die FIFA aus dem Jahr 2005 damit begründet, dass die FIFA-Finanzkommission 2002 für einen späteren Organisationszuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken eine Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) verlangt haben soll. Außer Beckenbauer hatten zuvor auch Niersbach und weitere Mitglieder des WM-OK die FIFA-Forderung als Voraussetzung für den Millionen-Zuschuss genannt. FIFA-Boss Blatter bezeichnete diese Darstellung jüngst als "absurd". Der Zuschuss für die deutschen WM-Macher sei "an keinerlei Bedingungen durch die FIFA geknüpft" gewesen.

Vorzimmerdame findet Dokument

Bei ihren Ermittlungen ist die Kanzlei Freshfields angeblich auch auf ein Dokument gestoßen, das eine Bestechung des verstorbenen FIFA-Exekutivmitglieds Charles Dempsey (Neuseeland) vor der Abstimmung des Gremiums über den WM-Gastgeber 2006 nahelegt. Die Frage, ob aus der Codierung des Papiers zu schließen sei, dass Dempsey am Vorabend der WM-Vergabe 250.000 US-Dollar erhalten habe, verneinte Niersbach. Das Dokument soll eine Vorzimmer-Dame Niersbachs in einem Ordner entdeckt haben. Laut "Bild" legte Freshfields in den Vernehmungen keine Belege dafür vor.

Der DFB zeigte sich verärgert über die vorzeitige Veröffentlichung von Ermittlungsprotokollen, will die Ergebnisse seiner Untersuchungen in der WM-Affäre aber dennoch nicht früher als geplant bekanntgeben. "Es bleibt trotz dieser äußerst ärgerlichen Indiskretionen dabei, dass Freshfields seine gesamten Ergebnisse vorstellt, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind", teilte der DFB mit.

DFB sauer - Festhalten an Niersbach

Das offizielle Ergebnis der externen Ermittlungen soll Ende Februar vorliegen. Der DFB will den Bericht öffentlich machen und sieht derzeit weiter keinen Grund für die Abberufung Niersbachs von dessen Posten bei UEFA und FIFA. "Die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung durch die Kanzlei Freshfields liegen zwar noch nicht vor, zum jetzigen Zeitpunkt gibt es aber keinerlei Anzeichen, dass Niersbach aufgefordert werden müsste, aus seinen Ämtern bei der UEFA und FIFA auszuscheiden", sagt DFB-Interimschef Rainer Koch der "Sport Bild".

Niersbach war am 9. November als DFB-Präsident zurückgetreten. Bei der UEFA soll er dem DFB weiter bei der Bewerbung um die Europameisterschaft 2024 helfen. "Er hat über Jahrzehnte sehr viele internationale Kontakte aufgebaut. Es wäre ja töricht, sein Angebot,
uns Türen zu öffnen und sich für unser Vorhaben einzusetzen, auszuschlagen", sagte Koch. Zudem solle Niersbach die weitere Aufklärungsarbeit beim DFB durch die externen Freshfields-Ermittler auf internationaler Ebene vermitteln.

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