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Geballte Sportlerwut: Biathleten wollen härtere Strafen

Außerordentlicher Kongress der IBU vor Biathlon-WM

Am Mittwoch berät die Internationale Biathlon-Union auf einem Außerordentlichen Kongress über härtere Strafen gegen Dopingsünder. Der Sondertermin am Tag vor dem WM-Start kam erst auf massiven Druck der Sportler zustande - und nicht nur sie hoffen nun auf rigorose Maßnahmen.

Logo Biathlon-WM in Hochfilzen
Quelle: imago/Eibner Europa


Ricco Groß kennt sie aus dem Effeff - die Orte, an die er Russlands Biathleten schon zu Lehrgängen gelotst hat. Mit Ruhpolding, Ramsau, Oberhof, Obertilliach und Hochfilzen zählt der gebürtige Sachse Wintersportgemeinden auf, die eines gemeinsam haben: Sie liegen alle in Mitteleuropa - und für Groß‘ Vorlieben bei den Reiseplanungen gibt es einen triftigen Grund.

Zeichen an die WADA

"Wir wollten dadurch ein Stück weit ein Zeichen gegenüber der Welt-Antidoping-Agentur setzen. Zeigen, dass wir kontrollierbar sind", sagt Groß im Gespräch mit zdfsport.de. Das sei ja immer die Krux gewesen - die Vorbehalte gegenüber den Russen, die irgendwo versteckt in ihrem riesigen Land trainierten. "Wobei dieser Schritt für mich relativ normal war", ergänzt der 46-Jährige und schmunzelt: "Nur die russischen Meisterschaften konnte ich nicht nach Deutschland verlegen."

Das Lachen vergangen waren dem viermaligen Staffel-Olympiasieger und der internationalen Skijäger-Gemeinde Mitte Dezember: Im zweiten McLaren-Report wurden Dopingverdächtigungen gegen 31 russische Biathleten ausgesprochen. Es kam zu zwei vorläufigen Suspendierungen - die übrigen Fälle wurden, abgesehen von sieben noch offenen Ausnahmen, mangels Beweisen nicht weiter verfolgt.

Massiver Druck

Die Skijäger aber wollten sich mit dem zögerlichen Vorgehen ihres Weltverbandes nicht abfinden: 170 von ihnen unterschrieben Mitte Januar einen Brief an die IBU, in denen sie längere Sperren für Dopingsünder, die Streichung von Startplätzen beteiligter Nationen und deutlich härtere finanzielle Strafen fordern. Darüber wird nun - auf massiven Druck der Sportler - bei einem Außerordentlichen Kongress abgestimmt.

"Ich weiß, dass diese Deklaration eigentlich meine ganze Mannschaft unterschrieben hat, auch mit einigen Zusatzfragen", sagt Ricco Groß - der zwar vor Vorverurteilungen warnt, die Aktion der Sportler aber prinzipiell sehr begrüßt: "Es muss eine spürbare Strafe sein. Wie will man denn sonst den Hochleistungssport mal endgültig sauber kriegen?"

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Diese Frage stellt sich Wolfgang Pichler schon lange. Der 62-jährige Ruhpoldinger, als Trainer zwischenzeitlich für die russischen Biathletinnen verantwortlich und aktuell wieder für den schwedischen Verband tätig, gilt als scharfer Dopingkritiker - und setzt große Hoffnungen auf den Sondertermin der IBU-Funktionäre am Tag vor dem WM-Start.

"Der Druck ist jetzt groß genug, dass etwas unternommen wird", betont Pichler im Interview mit zdfsport.de. Zumal er weiß: "Die IBU unterstützt unheimlich viele Länder finanziell. Deshalb habe ich wirklich die große Hoffnung, dass jetzt richtig durchgegriffen wird. Mit einem entsprechenden Reglement - bei dem sich jeder gut überlegt, ob er noch mal dopt."

Pichlers Forderungen

Nicht zimperlich ist Pichler, der beim Kongress in Fieberbrunn für eine öffentliche Abstimmung plädiert, mit seinen Forderungen:

  1. Die bisherigen Sperren von zwei Jahren bringen überhaupt nichts. Wer zum Beispiel mit EPO dopt, sollte lebenslang gesperrt werden.
  2. Ein Dopingfall - ein Quotenplatz weg. Zwei oder drei Dopingfälle - ein Jahr lang Startverbot für die komplette Nation.
  3. Wenn alles stimmt, was im McLaren-Report steht, war es der russische Staat, der bei den Spielen in Sotschi in allen Sportarten die Dopingproben manipuliert hat. In dem Fall sehe ich nur eine Lösung: Dass die Russen für ein Jahr, für die Winterspiele in Pyeongchang, suspendiert werden.
Trailer

Sport - Biathlon-WM im ZDF ab 9. Februar

Das ZDF berichtet live von der ersten Woche der Biathlon-WM in Hochfilzen. Fünf Wettbewerbe stehen zwischen dem 9. und 12. Februar auf dem Programm. Danach übernimmt die ARD.

Videolänge:
1 min
Datum:

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