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Laura Dahlmeier: Die Kunst des Abschaltens

Sport - Laura Dahlmeier: Die Kunst des Abschaltens

Inmitten des sibirischen Eises liegt eine kleine, doch wohlhabende Stadt, die Austragungsort des Biathlon-Weltcup-Finales ist: Khanty-Mansiysk.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.03.2017, 14:11

Bei der Biathlon-WM in Oslo hat sich Laura Dahlmeier endgültig in der Weltspitze etabliert. Ab Donnerstag (Frauensprint) startet die 22-jährige Garmischerin beim Saisonfinale in Khanty-Mansiysk – doch ihre Gedanken gehen längst schon in die Zukunft.

Bei ihrer Ankunft in Khanty-Mansiysk mussten Laura Dahlmeier und der gesamte deutsche Biathlon-Tross erst mal einen ausgemachten Temperatursturz verkraften. Bei Temperaturen im dezent positiven Bereich hatten sie Oslo am Montag verlassen, am Austragungsort des Weltcupfinales erwarteten die Skijäger dann -15 Grad.

Fünf Norwegerpullis

Die Norwegerpullis, von denen sie für jeden ihrer fünf Podestplätze bei der WM einen überreicht bekam (und sie die ersten zwei gleich an Teamkollegin Maren Hammerschmidt und eine Freundin weiterverschenkt hatte), konnte Dahlmeier also gut gebrauchen. Wie auch Marie Dorin-Habert, die gar mit sechs neuen Pullovern in Sibirien gelandet war.

Auf eine hundertprozentige Medaillenquote bei ihren Starts am Holmenkollen kamen sowohl die 29-jährige Französin wie auch die sieben Jahre jüngere Deutsche – der das mögliche sechste Edelmetall verwehrt blieb, weil sie wegen einer Magenverstimmung verspätet am Oslofjord ankam.

Laptop und Handy aus

In der letzten Saison schleppte die begeisterte Bergsteigerin die Folgen eines sommerlichen Kletterunfalls mit sich herum, musste dreieinhalb Weltcups sausen lassen, verpasste so als Achte eine bessere Platzierung im Gesamtweltcup. Nun liegt die Garmischerin in dieser Wertung schon auf Rang fünf – obwohl sie wegen grippaler Infekte auch in diesem Winter drei Weltcups auslassen musste.

„Das kann auch ein Vorteil sein, wenn man mal Laptop und Handy ganz ausstellen kann“, schätzt Dahlmeier inzwischen die positiven Nebenwirkungen ihrer wiederholten Ausfallzeiten. Sie sagt aber auch: „Abschalten ohne Krankheit wäre eine Möglichkeit, wie ich mich noch verbessern kann.“

Hohe Belastungen

Laura Dahlmeier
Laura Dahlmeier Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Sehr gut ist sie jetzt schon – obwohl sie in den Top Ten der weiblichen Skijägerei die mit Abstand Jüngste ist. Die frühreife Biathletin hat ein Niveau erreicht, dass sie schon darüber nachdenken ließ, ob sie Karriere womöglich ähnlich früh beendet wie Magdalena Neuner, die mit 25 Ski und Gewehr im Wandschrank verschloss.

Die körperliche und geistige Belastung, der sie in ihrem Sport ausgesetzt ist, lassen Dahlmeier an einer langen Biathlon-Laufbahn zweifeln. Mit dem medialen Getöse rundherum hingegen hat sie sich arrangiert.

Vorsprung schmilzt

„Ich kann mich noch an mein erstes WM-Rennen 2013 in Nove Mesto erinnern. Als ich danach vor so einer Menschentraube stand – da klopfte mir das Herz mehr als am Schießstand“, erzählte sie in Oslo. „Damit muss man schon umgehen können. Und mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt – zumindest ein Stück weit.“

Eine erfahrene Konkurrentin wie Dorin-Habert mag – wie am Sonntag im Massenstart – beim direkten Duell am Schießstand noch schneller und treffsicherer sein als Dahlmeier. Im Einzel waren Dorin-Habert und Teamkollegin Anaϊs Bescond (28) auch auf der Strecke etwas rascher unterwegs als die Bronzemedaillengewinnerin aus Oberbayern. Doch der Vorsprung schmilzt.

Schwankungen gestattet

„Laura ist eine der absolut besten Läuferinnen im Feld, und einer jungen Athletin wie ihr darf man da noch Schwankungen gestatten. Aber was das Schießvermögen betrifft – da kenn‘ ich wenige, die das so konstant und stabil beherrschen wie sie, sagt Bundestrainer Gerald Hönig und prophezeit: „Dieses Gesamtpaket sorgt dafür, dass sie die Szenerie in den nächsten Jahren gemeinsam mit anderen dominieren kann.“ Wenn sie denn will.

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