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Familienfest am Fuße einer Kultstätte

Sport - Familienfest am Fuße einer Kultstätte

Noch wichtiger als das reine Ergebnis ist für DSV-Biathletin Laura Dahlmeier, dass sie das Gefühl hat, ihre volle Leistung abgerufen zu haben. Interview: Anja Fröhlich

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.02.2017, 13:52

Nach 1986 und 2000 ist Oslo zum dritten Mal Gastgeber einer Biathlon-WM. Zwar steht die Skijägerei im Land der Fjorde im Schatten des Langlaufs, ein Wintersportspektakel scheint am Holmenkollen dennoch garantiert. In Sachen Olympia stieß der Enthusiasmus der Norweger allerdings an seine Grenzen.

Für die Menschen in Oslo war dieser Winter bislang ein munteres Hin und Her. Es gab ein paar sehr frostige Phasen, stets gefolgt von einem plötzlichen Temperaturaufschwung. Im Zentrum der norwegischen Hauptstadt findet man im Moment nur sehr vereinzelt noch ein Fleckchen Schnee, doch die Hügel rundherum stecken in einem ansehnlichen Winterkleid - und die Buchten der 650-000-Einwohner-Metropole sind zugefroren.

Große Erwartungen

Das passende Ambiente haben die Biathleten also für ihre Weltmeisterschaft am Holmenkollen, dem berühmten Berg im Nordosten von Oslo. Zudem trimmten sich die Gastgeber sehr gewissenhaft für ihr Heimspiel: Um sich optimal auf die Titelkämpfe im eigenen Land vorbereiten zu können, ließen Topstars wie Tarjei Bö, Emil Hegle Svendsen oder Ole Einar Björndalen die Februar-Weltcups in Kanada und den USA komplett oder teilweise sausen.

"Ich bin sicher, das wird eine fantastische WM“, tönt der viermalige Olympiasieger Svendsen. Dass die Skijägerei in seiner Heimat in der Beliebtheitsskala hinter dem Langlauf zurücksteht und die Werbung für die WM in Oslo nicht gerade ausufert, ist dabei zu verkraften. Findet auch Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig, der weiß: "Die Erwartungshaltung bei den Norwegern ist recht hoch. Ich glaube, es wird für die anderen Nationen schwer, gegen sie zu bestehen.“

Schmitts Verlängerung

Einen Heimvorteil, sagt der 57-Jährige, gebe es im Biathlon allerdings nicht. Aber dafür den Ruf, der die Anlage am Fuße des Holmenkollbakken, der ältesten Skisprungschanze der Welt, umwabert. Wahlweise als das Mekka oder das Wimbledon des nordischen Skisports wird der Holmenkollen bezeichnet. Der Skispringer Martin Schmitt dehnte seine Karriere einst extra aus, um bei der Nordischen Ski-WM 2011 das spezielle Flair dort aufzusaugen.

Die in die Jahre gekommenen Sportstätten, die bei klarer Sicht einen großartigen Blick auf den Oslofjord freigeben, wurden damals für 220 Millionen Euro modernisiert. Kosten von 4,3 Milliarden Euro standen dann im Raum, als es um Oslos Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 ging. Einerseits ein Klacks im Vergleich zu den mehr als 30 Milliarden Euro, die Russland in die monströsen Sotschi-Spiele pumpte. Andererseits aber deutlich zu viel in den Augen der Norweger.

Nein zu Olympia

Bei einer Volksabstimmung im September 2013 votierte noch eine knappe Mehrheit der Osloer für eine Bewerbung. Doch die Zustimmung sank anschließend kontinuierlich: Im Februar 2014 waren bereits 56 Prozent der Norweger gegen Olympia in ihrer Hauptstadt, im Norden des Landes sogar drei Viertel der Befragten. Und als die Regierung acht Monate später die nötigen Staatsgarantien von drei Milliarden Euro verweigerte, gab Oslo seinen Verzicht bekannt.

Den Norwegern, von denen viele auch jetzt wieder in Zelten rund um den Holmenkollen campieren und die Biathlon-WM zu einem großen Familienfest machen werden, war die Geldmaschinerie rund um das Fünf-Ringe-Spektakel letztlich ebenso suspekt wie die von den IOC-Funktionären eingeforderten Privilegien. Da half es auch nichts, dass ihr skijägernder Nationalheld Björndalen, während der Sotschi-Spiele für acht Jahre in die Athletenkommission des IOC gewählt, spitz anmerkte: "Ich glaube nicht, dass der Lebensstandard des durchschnittlichen Norwegers sinkt, wenn soundsoviel Milliarden Kronen für Winterspiele ausgegeben werden.“

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