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Wider die One-Hit-Wonder

Schwimm-WM in Budapest - Bilanz

Der letzte Finalabend bei der Schwimm-WM fand wieder ganz ohne deutsche Beteiligung statt. Franziska Hentke sorgte für die einzige DSV-Medaille in Budapest, bei insgesamt 25 Versuchen sprangen nur fünf Finalteilnahmen heraus. Entsprechend rau ist der Ton im Team geworden.

Henning Lambertz
Henning Lambertz Quelle: dpa

In der leergefegten Interviewzone der Duna Arena hatte Henning Lambertz gerade von dem „wahnsinnig harmonischen, kommunikativen und freundlichen Miteinander“ in seinem Team berichtet, da erschien dem Chefbundestrainer die eigene Schwärmerei doch etwas übertrieben. „Und ich glaube nicht“, fügte der 46-Jährige also rasch hinzu, „dass mich alle anlügen.“

Fünf aus 25

Definitiv wahr war, dass an der Stelle, an der Lambertz am Sonntagvormittag WM-Bilanz zog, sieben Stunden später kein einziger deutscher Schwimmer mehr aufkreuzte. Die abschließenden Finals in Budapest fanden ohne DSV-Beteiligung statt: Bei den letzten Vorläufen waren Jacob Heidtmann über 400 Meter Lagen und die männliche Lagenstaffel gestrandet.

„Richtig rangerückt an die Weltspitze sind wir noch nicht“, resümierte Abteilungsleiter Lambertz daher vorsichtig. Ein Mini-Team von 14 Athleten, darunter viele Nachwuchskräfte, hatte er mit in die ungarische Metropole genommen. Bei insgesamt 25 Vorlauf-Starts sprangen am Ende nur fünf Finalteilnahmen heraus – die schwächste WM-Ausbeute eines deutschen Schwimmteams überhaupt.

Wasser statt Wein

Am Ende blieb die Silber-Medaille von Franziska Hentke über 200 Meter Schmetterling das einzige echte Highlight für den DSV. Selbst Berufsoptimist Lambertz wollte Wasser da nicht als Wein verkaufen, bei ihm klang das dann so: „Trotz vieler Stellen, an denen es nicht optimal lief, machen einige Schwimmer Mut für die Zukunft.“

Zum Beispiel junge Bahnenzieher wie Florian Wellbrock (19), Celine Rieder (16) oder – nach schwachem Start – Poul Zellmann (21). Oder die 24-jährige Aliena Schmidtke, die ihre beiden deutschen Rekorde über 50 Meter Schmetterling als Dauerabtrünnige in den Pool legte.

Salto rückwärts

Vor zwölf Monaten war Schmidtke eigentlich kurz davor, nach fünf Jahren in den USA in die Heimat zurückzukehren. Der Lebensstil in Deutschland gefalle ihr momentan einfach besser, erläuterte die Schwimmerin aus Bad Oldesloe ihren Entschluss – von dem sie mit einem Salto rückwärts dann wieder abrückte.

Die Gründe legte sie nun in Budapest dar. Da sei zum einen ihr Arbeitgeber an der Ohio State University in Columbus, der ihr bei der Ausübung ihres Sports alle Freiheiten lasse. „Aber“, erzählte Schmidtke auch, „durch die vielen Veränderungen im deutschen Schwimmsport nach Rio war es ein bisschen riskant, nach Deutschland zurückzukehren.“

Zwischen smart und hart

Die Umstände dort empfindet sie offenkundig als wenig motivierend. Die Strukturreform im nationalen Spitzensport, die radikal auf olympische Medaillen abzielt, fordert Opfer. Und sie schafft Zwänge. Das spürt auch Henning Lambertz, der einen Führungsstil irgendwo zwischen smart und hart praktiziert – und allen Beteiligten für die Zeit bis zu den Tokio-Spielen ans Herz legt: „Unsere große Hausaufgabe ist die Wiederholbarkeit von Leistungen.“

Denn One-Hit-Wonder wie die Weltklassezeit des Heidelbergers Philip Heintz bei der WM-Qualifikation im Juni helfen gegen die inzwischen durchgehend entfesselte Weltspitze auf Dauer nicht weiter. Am Ufer der Donau wurde Heintz auf seiner Spezialstrecke, den 200 Meter Lagen, nur Siebter. Und legte sich anschließend mit Bundestrainer Lambertz an.

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