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Gladbach: Keine Experimente mehr

Der Neustart unter dem neuen Trainer Dieter Hecking

Borussia Mönchengladbach vertraut einem Trainer, der einst noch als Jungspund am Bökelberg gespielt hat. Jetzt kann er der Richtige sein, um den in die sportliche Krise getaumelten Klub wieder auf Kurs zu bringen.

Dieter Hecking im Trainingslager
Dieter Hecking im Trainingslager Quelle: dpa

Wenn Dieter Hecking guter Laune ist, dann gibt der Fußballlehrer auch gerne mal Anekdoten aus seinem Privatleben preis. In Zeiten beim 1. FC Nürnberg hat der Mann öfter von den Alten Herren der SG Bad Nenndorf/Riehe (bei Hannover) erzählt, bei denen er ab und an mitkicken konnte. Später beim VfL Wolfsburg gab der fünffache Familienvater preis, was ihm alles auf den täglichen Fahrten in seinen Heimatort 30 Kilometer von Hannover entfernt durch den Kopf gehe.

Botschaft vom Kumpel

Und jetzt im Trainingslager mit Borussia Mönchengladbach in Marbella darf die Öffentlichkeit ruhig erfahren, wer ihm wie zu seinem neuesten Arbeitgeber gratuliert habe. Nämlich Gladbach-Fans aus Bad Nenndorf. "Er ist ein guter Freund der Familie und hat vier Söhne. Einer davon ist zwar erst zwei Jahre alt, aber die anderen drei haben dann ein Video gemacht und die ‚Elf vom Niederrhein‘ gesungen."

Die Botschaft hätten sie ihm geschickt, weil es Zeit sei, dass er, Dieter Hecking, die Gladbacher endlich trainiert, nachdem er dort als 18-Jähriger gespielt hatte. Damals, Anfang der 80er Jahre, stürmten noch Frank Mill, Ewald Lienen oder Uwe Rahn für die Fohlenelf, und für den Jungprofi Hecking war die Konkurrenz zu groß.

Erinnerungen an den Bökelberg

Er blieb nur zwei Jahre, aber das besondere Flair vom Bökelberg hat er mitgenommen auf seiner Reise als Spieler und Trainer. "Ich habe diese Zeit mitgemacht, und Borussia hat sich das immer erhalten. Das ist schon eine große Ausnahme im deutschen Fußball, das so hinzubekommen", sagt Hecking im Trainingslager.

Ihn hätten in den Wochen nach seiner Entlassung in Wolfsburg einige Anfragen erreicht, "aber es hatte nicht so richtig klick gemacht." Auch aus China habe er ein Angebot bekommen, sagte Hecking dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag): "Aus rein finanzieller Sicht hätte ich sofort nach China gehen müssen. Das kommt für mich aber nicht infrage."

Nahtloser Übergang

Anders war es beim Anruf von Max Eberl. Der Gladbach-Sportchef hatte Hecking offenkundig schon länger auf dem Zettel. Jedenfalls war André Schubert kaum von seinen Aufgaben entbunden, stand auch schon der Nachfolger fest.

Ende Dezember 2012 war Hecking in ähnlich verworrener Lage in Wolfsburg aufgeschlagen - und schaffte es in Windeseile, am Mittellandkanal die Wende einzuleiten. Sein bevorzugtes 4-2-3-1-System, seine klaren Vorstellungen, aber auch seine deutlichen Ansagen brachten ihm viel Anerkennung ein. Alles gipfelte 2015 mit der Vizemeisterschaft und dem Pokalsieg mit der Werkself.

Gezeigtes Selbstvertrauen

Dass sich Hecking im Mai 2015 in Berlin sogar eine ulkige Kappe mit der Aufschrift "King" aufsetzte, verriet viel vom gestiegenen Selbstbewusstsein des Cheftrainers selbst.

Dass Hecking zuletzt eine Mitschuld am rasanten Abstieg des VfL trug, steht außer Frage; inwieweit aber vor allem der inzwischen ebenfalls geschasste Macher Klaus Allofs die Profis mit seiner (Personal-)Politik entzweite, lässt sich kaum endgültig klären. Fakt ist: Der Trainer Hecking legt bei der Borussia in vielerlei Hinsicht einen Neustart hin. Und dafür braucht es aus seiner Sicht abgesehen vom schon verpflichteten Verteidiger Timothée Kolodziejczak vom FC Sevilla keine weiteren Neuzugänge.

Orientierung geben, Halt vermitteln

Eberl und er seien "beide keine Freunde von Wintertransfers". Vorrangig sei es, den Gladbachern vor der ersten Bundesliga-Aufgabe beim SV Darmstadt 98 am 21. Januar wieder die alten Orientierungspunkte zu vermitteln, um die Abstiegszone zu verlassen. Das 4-4-2 unter Lucien Favre oder das 3-4-1-2 unter Schubert seien Systeme gewesen, "in denen sich die Mannschaft wohlgefühlt habe." Deshalb muss also nicht zwangsläufig jene Formation (4-2-3-1) gespielt werden, die an Hecking haftet wie eine Telefonnummer.

Spagat mit Europa League und DFB-Pokal

Die Aufgaben in der Europa League gegen AC Florenz und im DFB-Pokal bei der SpVgg Greuther Fürth bieten einerseits große Chancen, andererseits sind zuerst "die Hausaufgaben in der Liga zu machen" (Hecking). Doch ist der Chefcoach ziemlich hoffnungsvoll: "Prinzipiell ist es eine Mannschaft mit viel Perspektive und mit vielen jungen Spielern, die noch ein bisschen reifen müssen."

Hecking möchte ihr Anker sein. Manchmal gehe es schlicht um Selbstverständlichkeiten, um für Stabilität und Konstanz zu sorgen. "Es ist das A und O, dass nicht drei Mann nach rechts laufen und fünf laufen nach links. Da war die Mannschaft vielleicht ein bisschen überfordert zum Ende der Hinrunde. Es wurde zu viel versucht." Der Fohlen-Coach hätte auch sagen können: Die Zeit der Experimente ist zuende.

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