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Klitschko, Sturm und Co. kneifen

boxing - wladimir klitschko training - going, austria - 23/6/16 - wladimir klitschko attends a training session reuters/dominic ebenbichler

Sport - Klitschko, Sturm und Co. kneifen

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Der Box-Weltverband AIBA hat den Weg für die erstmalige Teilnahme von Profis an den Olympischen Spielen freigemacht. Doch Stars der Branche wie Wladimir Klitschko oder die Weltmeister Felix Sturm und Jürgen Brähmer verzichten. Erst bei Olympia 2020 in Tokio könnte sich das ändern.

Wladimir Klitschko und andere Profibox-Stars fighten bei den Olympischen Spielen von Rio - es wäre ein Riesenspektakel gewesen und hätte Boxen auf einen Schlag zu einem der Highlights der Sommerspiele gemacht. Doch der Wunschtraum von vielen Fans wird zumindest bei Olympia 2016 nicht in Erfüllung gehen. Die großen Protagonisten der Szene verzichten. Zum einen, weil der Box-Weltverband AIBA erst relativ kurzfristig den Weg für den erstmaligen Start von Boxprofis bei Olympia freigemacht hatte. Vor allem aber, weil die Boxprofis die Folgen möglicher Niederlagen gegen Amateure fürchten.

Profis fürchten Niederlage gegen Amateure

"Wenn ein bekannter Profi gegen einen Amateur verlieren würde, wäre das eine richtige Blamage. Und sie hätte Folgen: Ich will nicht vom wirtschaftlichen Ruin reden, aber schon von nachhaltigen, negativen Konsequenzen", sagt Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV). Und das ist nicht dahergeredet: Profibox-Verbände hatten ihre teilweise an lukrative TV-Verträge gebundene Athleten offen mit einer Rückstufung im Ranking gedroht, falls sie in Rio starten.

Es wäre nämlich keinesfalls klar, dass sich die berühmten Boxprofis gegen namenlose Amateure durchsetzen. Das hängt mit den unterschiedlichen Kampfformaten zusammen: Die Profis sind bis zu zwölf Runden gewöhnt, olympisch wird nur drei Runden geboxt mit Tempo von der ersten bis zur letzten Sekunde. Beim Olympia-Qualifikationsturnier in Venezuela konnten sich von 17 gestarteten Boxprofis der zweiten und dritten Reihe nur zwei durchsetzen.

Sturm, Abraham und Huck winken ab

"Olympiagold ist zwar auch im Boxen das Größte, doch wenn ich unsere Olympiasieger wie Henry Maske sehe, wie die sich durch die Turniere gequält und gekämpft haben, entdecke ich zumindest bei uns keinen Profi, der das schaffen würde", stellte Weltmeister-Macher Ulli Wegener in einem Interview knallhart fest. Folgerichtig winkten die deutschen Profibox-Stars wie WBA-Weltmeister Marco Sturm, Arthur Abraham oder Marco Huck ab.

Der vom DBV explizit eingeladene WBA-Halbschwergewichts-Weltmeister Jürgen Brähmer verzichtete ebenfalls - immerhin mit einer einfallsreichen Begründung: "Ich finde es unfair den Amateuren gegenüber, die sich jahrelang auf die Spiele vorbereiten und dann Profis vor die Nase gesetzt bekommen." Das Management von Wladimir Klitschko schob Zeitgründe vor - schließlich müsse sich der Ex-Champ auf sein Rematch gegen Tyson Fury am 29. Oktober vorbereiten.

Auf den Spuren von Muhammad Ali

Dabei wäre es so eine grandiose Geschichte gewesen:

Wladimir Klitschko hatte seine große Karriere mit dem Olympiasieg 1996 begonnen. 20 Jahre später hätte sich der Kreis geschlossen.

Für viele Weltstars wie Muhammad Ali, Joe Frazier, George Forman oder Henry Maske war der Olympiasieg die Eintrittskarte in die Millionenshow Profiboxen.

Den spannenden Gedanken, dass berühmte Profiboxer künftig den umgekehrten Weg zu Olympia gehen, will zumindest Jürgen Kyas nicht aufgeben. Er ist gerade aus Usbekistan von einer Tagung der AIBA zurückgekehrt, wo die Marschrichtung für die Zukunft besprochen wurde. "Die Tür für die Profiboxer in Sachen Olympia bleibt auf. Von Seiten der AIBA besteht der Wille, gemeinsam mit den Profibox-Verbänden und den Promotern zu vernünftigen Lösungen zu kommen. Dabei gibt es keine Tabus", sagt Kyas.

Man könne zum Beispiel auch über eine Verlängerung der olympischen Kämpfe auf fünf Runden reden, um den Profis entgegenzukommen. Kyas will sich nach Rio zum Beispiel mit Promoter Wilfried Sauerland treffen, um Kompromisse auszuloten, die der Amateur- wie der Profibox-Szene nutzen.

Profis vielleicht in Tokio dabei

Am Ende geht es natürlich auch ums liebe Geld. Laut Kyas kostet die Ausbildung eines Box-Amateurs vom Start im Alter von zehn Jahren bis zur Spitzenklasse bis zu 500.000 Euro. "Wir machen die Drecksarbeit, und die anderen ernten die Früchte“, sagt Kyas. Das könnte sich ändern, wenn Boxen zu einem Highlight der großen Schaubühne Olympia wird. Kyas: "Davon könnten alle profitieren, auch die Profibox-Verbände. Ich glaube, dass es in Tokio 2020 so weit sein wird, dass auch die großen Profibox-Stars bei Olympia dabei sind."

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