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Boxen: K.o. für Olympia-Qualifikation

Nach Abbruch: Hürden für die Sommerspiele wachsen

Der Gong ertönte vorzeitig - für viele kam er trotzdem zu spät. Kaum hatten die deutschen Amateurboxer dank Hamsat Schadalow ihr erstes Olympia-Ticket gelöst, mussten sie wieder einpacken.

Hamsat Schadalow (li.) bei der Olympia-Qualifikation der Boxer in London
Geschafft: Hamsat Schadalow (li.) hat das Olympia-Ticket bereits erkämpft
Quelle: dpa

Denn die Box Task Force des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entschied am vergangenen Montagabend dann doch noch, das Qualifikationsturnier in London wegen der Corona-Pandemie abzubrechen. Zuvor sollte diese Veranstaltung unbedingt, nunja, durchgeboxt werden. Und der einzig denkbare Ort, an dem dies noch gemacht werden konnte, lag in England - in London - dort wo so etwas, während der Sport im Rest der Welt nahezu zum Stillstand gekommen ist, noch möglich war.

Bis zum 24. März hätten 342 Boxerinnen und Boxer aus 43 Nationen um insgesamt 77 Tickets für die Sommerspiele in Tokio kämpfen sollen. Trotz der Bedenken hatte das IOC, das für die Austragung der Veranstaltungen zuständig ist, an der Durchführung des Turniers in der Kontaktsportart festgehalten. Sogar Zuschauer waren zu Beginn noch zugelassen.

Lebenstraum droht zu platzen

"Wir hatten ein wenig Schiss, dass die Quali ganz abgesagt wird, oder dass keine Zuschauer da sind", sagte Weltergewichtlerin Nadine Apetz. Manch einer mag solch eine Einstellung nicht verstehen, aber wenn ein Sportler auf einen Lebenstraum hintrainiert und dieser sich in Luft aufzulösen droht, wird die Vernunft gerne mal verdrängt.

Du trainierst vier Jahre hin auf Olympia, da stellst du erstmal alles andere in den Hintergrund.
Frauen-Bundestrainer Michael Timm

Frauen-Bundestrainer Michael Timm war wie seine Athletinnen voller Vorfreude auf das Turnier angereist: "Klar haben wir uns auch so unsere Gedanken gemacht wegen des Corona-Virus. Es sind ja auch viele aus Krisengebieten wie Italien angereist. Aber du trainierst vier Jahre hin auf Olympia, da stellst du erstmal alles andere in den Hintergrund."

Olympia-Ticket für Hamsat Schadalow

Die deutsche Bilanz blieb in London bescheiden. Immerhin sicherte sich der Berliner Hamsat Schadalow das Ticket für Tokio. Der Berliner zog mit einem überraschend deutlichen 5:0-Sieg gegen den Iren Kurt Walker ins Viertelfinale des Federgewichts ein. Die anderen drei deutschen Starter verpassten die Qualifikation dagegen. Paul Wall im Weltergewicht, Silvio Schierle (Mittelgewicht) und Hamza Touba (Fliegengewicht) verloren ihre Achtelfinalkämpfe. Insgesamt war der DBV mit 13 Athleten in London gestartet.

Im Vorfeld hatte das deutsche Team alles dafür getan, in London gut abzuschneiden. "Wir haben mit den besten Teams der Welt zusammengearbeitet, waren im Trainingslager in Kasachstan, haben mit den Kubanern in Schwerin gearbeitet und zuletzt in Sheffiled mit Boxern aus Großbritannien“, erklärte DBV-Cheftrainer Eddie Bolger nach dem Abbruch.

Ein Sieg für Nadine Apetz

Doch bei den Frauen schieden bis auf Nadine Apetz alle in ihren Vorkämpfen aus. Die promovierte Biologin gewann einen Kampf, zum nächsten Fight kam es nicht mehr.

Auch Weltmeisterin Ornella Wahner wäre eine wohl sichere Kandidatin für eine erfolgreiche Qualifikation gewesen. Chancen hat auch noch Irina Schönberger im Mittelgewicht. Drei von fünf Plätzen bei Olympia sind für die deutschen Boxerinnen noch möglich.

IOC-Task-Force wirft das Handtuch

"Angesichts der Situation hätte man nur überlegen sollen, ob man das Turnier überhaupt startet", sagte Geschäftsführer Michael Müller vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV). Zuvor hatten vor allem die Vertreter aus den skandinavischen Ländern mehrfach darauf hingewiesen, dass in Zeiten der Coronavirus-Krise ein solches Turner wegen der hohen Ansteckungsgefahr nicht durchgeführt werden dürfte und mit Abreise gedroht. Schließlich sah das auch die Task Force ein.

"Unsere sportlichen Leiter haben an der Sitzung teilgenommen und uns dann informiert. Klar ist die Enttäuschung groß im ersten Moment, denn unsere Athletinnen und Athleten haben jetzt nur noch eine Chance. Sie waren hier in London super in Form und hoch motiviert", so Timm. 

Qualifikation ungewiss

Die letzte Möglichkeit für die Qualifikation böte sich Mitte Juni, wenn sich denn ein Land finden ließe, dass die Austragung übernimmt. Angesichts der Corona-Pandemie kaum vorstellbar. Auch die für April und Mai vorgesehenen US-amerikanischen und der finalen Welt-Ausscheidungen der Boxer für Tokio wurden abgesagt.

von Volker Grube/ZDF; mit Material von sid

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