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Werder und die alten Männer

Bremen empfängt Borussia Dortmund

Erst der BVB, dann die Bayern: Der SV Werder empfängt nacheinander die Schwergewichte der Branche. Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund (Samstag, 15:30 Uhr) tragen mal wieder Haudegen wie Clemens Fritz und Claudio Pizarro die meiste Last.

Clemens Fritz von Werder Bremen
Clemens Fritz von Werder Bremen Quelle: dpa

Was bitte ist eine Vorbereitung wert? Clemens Fritz kennt zur Genüge die Spekulationen und Interpretationen, die aus Trainingslager und Testspielen abgeleitet werden. Der SV Werder, für den der Kapitän gerade seine elfte Wintervorbereitung hinter sich hat, bildet vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund (Samstag, 15:30 Uhr) keine Ausnahme.

„Ich habe Vorbereitungen erlebt, in denen wir alles gewonnen haben. Und als dann die Bundesliga wieder losging, lief es gar nicht mehr“, erzählt Fritzkürzlich. Und auch umgekehrt habe er alles schon mitgemacht: schlechte Vorbereitung, guter Start. Doch der 36-Jährige weiß, dass Werder letzteres dieses Mal schwer fallen dürfte: Nach dem BVB kommt der FC Bayern (28. Januar) ins Weserstadion. Das schwerstmögliche Heimprogramm.

Die Gefahr ist groß

Dass der 17. und 18. Spieltag nacheinander im neuen Jahr ausgetragen werden, macht diese Konstellation möglich. Unangenehm für die Grün-Weißen ist das allemal. Denn bei erst 16 Punkten und Platz 15 ist die Gefahr groß, gleich direkt wieder auf die Abstiegsränge abzurutschen, von denen sich die Norddeutschen und Trainer Alexander Nouri erst so mühsam gelöst hatten.

Viele behaupten in Bremen ja bereits, die ersten Partien seien Bonusspiele, in denen es vor allem auf die B-Note ankomme. „Aber es sind auch Punkte zu vergeben“, gibt Fritz zu bedenken, „und wir haben schon bewiesen, dass man gegen Dortmund gewinnen kann.“ Im Dezember 2014 glückte am letzten Hinrundenspieltag ein 2:1-Erfolg; für Werder war es das Startsignal für die Aufholjagd in der Rückrunde. Einer der Vorkämpfer: der nimmermüde Fritz. Auch in der vergangenen Saison, als in einem einmaligen Kraftakt gegen Eintracht Frankfurt die direkte Rettung am letzten Spieltag in letzter Minute gelang, ging der 22-fache Nationalspieler voran. Ende April widerrief er seinen Rücktritt. „So wollte ich nicht aufhören“, sagt er rückblickend. Der Impuls wirkte: Ganz Bremen rückte für die entscheidenden Spiele näher zusammen. Und Fritz war als Integrationsfigur mittendrin.

Startelf fast 30 Jahre alt

Noch einmal will er den Fehler nicht machen und zu früh sein Karriereende verkünden. Im Wintercamp in Alhaurin el Grande Anfang Januar ließ sich die Bremer Nummer acht nicht in die Karten blicken, ob sein 18. Profijahr wirklich das letzte ist. „Wohin die Reise geht, ist völlig offen. Ich muss meine Leistung abrufen können, sonst macht es keinen Sinn mehr.“

Beim letzten Sieg im Jahr 2016 – Werders 1:0 bei Hertha BSC – waren wieder einmal Fritz und Claudio Pizarro die Erfolgsgaranten. Werder hatte eine im Durchschnitt fast 30 Jahre alte Startelf ins Olympiastadion geschickt – und der Mittelfeldmann Fritz schuftete genauso unermüdlich wie der bereits 38 Jahre alte Stürmer Pizarro. Die Hauptstadt verneigte sich imaginär vor diesen alterslosen Leitfiguren. Hinterher sprang Cheftrainer Alexander Nouri direkt in die Arme des Kapitäns – ein ungewöhnliches Bild.

Pizarro mit Problemen

Claudio Pizarro (r.) beim Warm Up.
Claudio Pizarro Quelle: dpa

Nouri gehört mit 37 Lenzen der Fritz-Pizarro-Generation an; man begegnet sich auf Augenhöhe. Auf diese Korsettstangen lässt der recht unerfahrene Trainer nichts kommen. Auch Pizarro hat als erfolgreichster ausländischer Torjäger der Bundesliga-Geschichte kürzlich seine Zukunft offen gelassen. „Mein Körper wird mir sagen, wann ich aufhören muss.“ Aber eigentlich will er nicht. Vielleicht spielt er in Bremen weiter, vielleicht auch nicht.

Dass sich zwei Publikumslieblinge die Freiheit nehmen, ihren Schlussstrich selbst zu ziehen, kann ihnen niemand verdenken, aber müsste nicht Werder entscheiden? Und sagen: Die Zukunft gehört ab Sommer anderen, etwa dem bereits verpflichteten Dänen Thomas Delanay (25). Teilweise auch verletzungsbedingt taugten die Oldtimer Fritz und Pizarro auf Strecke nämlich nicht mehr als Orientierungspunkte für den Kurs der Grün-Weißen. Pizarros Bilanz (fünf Einsätze, null Tore, eine Torvorlage) ist ernüchternd, Fritz  selbst von sich enttäuscht: „Auch wenn wir als Mannschaft Probleme hatten, erwarte ich mehr von mir.“ Deutliche Worte.

Was wird aus den Talenten?

Eigentlich wollen die Bremer den Nachwuchs voranbringen. Aber: Mit dem derzeit an der Schulter verletzten Florian Grillitsch (21) geht nun ausgerechnet derjenige im Sommer (ablösefrei zur TSG Hoffenheim), der es als einziger aus dem eigenen Talentschuppen zum Stammspieler gebracht hatte. Bei Serge Gnabry (21) ist unklar, ob der Wirbelwind gehalten werden kann.

Vielleicht müssen es auf absehbare Zeit an der Weser weiter die alten Männer richten. Der Verein hat in der Historie mit seinen Oldtimern nicht die schlechtesten Erfahrungen gemacht. Als es vor der Saison 1987/1988 hieß „Antreten zum Abtakeln“  - die Zeitschrift „Stern“ hatte das Team vor der Saison extra für das Foto auf ein Schulschiff gelotst – wurde Werder in der Ära Otto Rehhagel erstmals Deutscher Meister.

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